Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kannegießer, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kannegießers · Nominativ Plural: Kannegießer
Aussprache  [ˈkanəˌgiːsɐ]
Worttrennung Kan-ne-gie-ßer
Wortzerlegung Kanne Gießer
Wortbildung  mit ›Kannegießer‹ als Erstglied: Kannegießerei  ·  mit ›Kannegießer‹ als Grundform: kannegießern
eWDG

Bedeutung

veraltend, abwertend Stammtischpolitiker, politischer Schwätzer
Beispiele:
ein politischer Kannegießer
So sind sie, ehemals die eifrigsten Kannegießer, dahin gelangt, sich ängstlich vor jedem Urteil in politischen Dingen zu hüten [ G. Keller6,291]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kanne · Kannegießer · kannegießern
Kanne f. ‘krugartiges Gefäß mit Ausgußröhre’, ahd. kanna (11. Jh.), mhd. kanne ist etymologisch nicht sicher geklärt. Wahrscheinlich ist das Wort galloroman. Ursprungs und mit der römischen Töpferei ins Dt. gelangt; germ. Herkunft für selten und spät belegtes lat. canna ‘Gefäß’ (so Walde/Hofmann ³1, 154) wäre damit auszuschließen. Ausgangsform ist entweder lat. canna (aus griech. kánna, κάννα) ‘kleines Rohr, Schilf’ (s. Kanal, Kanister), das Bezeichnung der Ausgußröhre, dann des ganzen Gegenstandes wird, so daß lat. canna die Bedeutung ‘Gefäß’ erhält (woraus ahd. kanna); vgl. Frings/M. Germania Romana 2 (1968) 151 ff. Oder es ist von lat. (ōlla) *cannāta ‘(Topf) mit einer Ausgußröhre’ (woraus ahd. kanta, kannata) auszugehen, das das Kurzwort lat. canna entwickelt (woraus ahd. kanna); vgl. Knobloch in: Lingua 26 (1970/71) 304. Kannegießer m. ‘politischer Schwätzer’. 1742 wird das Lustspiel „Den politiske Kandestøber“ des Dänen Holberg unter dem dt. Titel „Der politische Kannegießer“ bekannt. Nach der Hauptfigur, einem beschränkten politisierenden Zinngießer, wird Kannegießer (mhd. kannelgieʒer, spätmhd. kannengieʒer, im 15. Jh. bereits als Schimpfwort nachweisbar) in der 2. Hälfte des 18. Jhs. zusammen mit abgeleitetem kannegießern Vb. ‘politische Dummheiten reden’ zum politischen Schlagwort.

Verwendungsbeispiele für ›Kannegießer‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Kannegiesser betonte, die Unternehmen würden für Weiterbildung jedes Jahr über sieben Milliarden Mark ausgeben. [Der Tagesspiegel, 21.01.2001]
Mit seiner verbindlichen, freundlichen und ausgleichenden Art hat Kannegiesser den einst zerstrittenen Verband wieder geeint. [Die Welt, 15.11.2004]
Inzwischen gelten neue Gespräche als möglich, sollten aber laut Kannegiesser "nicht um jeden Preis" erzwungen werden. [Süddeutsche Zeitung, 05.12.2003]
Kannegießer wiederum sprach sich außerdem dafür aus, Fachkräfte bei drohender Arbeitslosigkeit besonders zu unterstützen. [Die Zeit, 22.04.2009, Nr. 17]
Kannegiesser verlangte, betriebliche Bündnisse auch zur Erhöhung der Lehrstellenzahl zu schließen. [Süddeutsche Zeitung, 13.03.2004]
Zitationshilfe
„Kannegießer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kannegie%C3%9Fer>.

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