Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kanone, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kanone · Nominativ Plural: Kanonen
Aussprache 
Worttrennung Ka-no-ne
Herkunft zu cannoneital ‘großes Geschütz’ < cannaital ‘Röhre, Rohr’
eWDG

Bedeutungen

1.
Geschütz von großer Reichweite mit langem Rohr für direkten Beschuss, dessen Geschoss eine flache Flugbahn beschreibt
Beispiele:
Kanonen in Stellung bringen, auffahren
eine Kanone laden, richten, abfeuern
die Kanonen feuerten, donnerten
sprichwörtlichmit Kanonen nach, auf Spatzen schießen (= einer Sache mit unverhältnismäßig großem Aufwand entgegentreten)
Kanonen statt Butter, da fragt man sich doch, sind das noch Menschen? [ BaierlFlinz2]
Und ein Schiff mit acht Segeln / Und mit fünfzig Kanonen / Wird liegen am Kai [ BrechtSeeräuber-Jenny]
2.
salopp Könner auf einem Gebiet, besonders auf dem Gebiet des Sports
Beispiele:
der Skifahrer, Fußballer N ist eine (ganz große) Kanone geworden
eine Kanone im Skilaufen sein
er ist auf seinem Gebiet eine Kanone
3.
umgangssprachlich etw. ist unter aller Kanone (= etw. ist sehr schlecht, unter aller Kritik)
Beispiele:
was du da geleistet hast, ist unter aller Kanone
das Fußballspiel war unter aller Kanone
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kanone · Kanonenfutter · Kanonade · Kanonier
Kanone f. ‘(schweres) Geschütz’. Im 16. Jh. wird ital. cannone m., vergrößernd zu ital. canna ‘Röhre, Rohr’ (lat. canna ‘kleines Schilfrohr, Röhre’, s. Kanal) gebildet, ins Dt. übernommen. Bereits im 16. Jh. vollzieht sich der Bedeutungswandel von ‘großes Rohr’ zu ‘großes Geschütz’, und die als Femininum empfundene Form wird im Dreißigjährigen Krieg fester Bestandteil der Sprache, wobei ältere Bezeichnungen wie Kartaune, Feldschlange, Stück, Donnerbüchse verdrängt werden. Im 16. Jh. belegtes Canon m. beruht wohl auf Übernahme des ebenfalls aus dem Ital. entlehnten frz. canon m. Offensichtlich von Merkmalen wie ‘groß, durchschlagend, gewaltig’ ausgehend, entwickelt sich die moderne (20. Jh.) Übertragung ‘Sportgröße’, dann allgemein ‘Könner, As’. – Kanonenfutter n. ‘Truppen, die im Krieg sinnlos geopfert werden’ (19. Jh.), nach engl. food for powder (Shakespeare). Kanonade f. ‘anhaltendes Geschützfeuer’ (17. Jh.), frz. canonnade (aus ital. cannonata). Kanonier m. ‘Artillerist’ (17. Jh.), für älteres Büchsenmeister, frz. canonnier.

Thesaurus

Militär
Synonymgruppe
Geschütz  ●  Kanone  ugs.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Ass · Autorität · Experte · Großmeister · Kapazität · Koryphäe · Meister aller Klassen · Meister seines Fachs · Wunderknabe  ●  (ein) Supermann  ugs., fig. · (ein/e ...) von hohen Graden  geh. · Crack  ugs. · Granate  ugs. · Guru  ugs. · Kanone  ugs. · Kapazunder  ugs., österr., scherzhaft · Leuchte  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Kanone‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kanone‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kanone‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich zog ihm noch mal die Kanone über das Ohr, und wir gingen zurück. [Arjouni, Jakob: Happy birthday, Türke!, Zürich: Diogenes 1987 [1985], S. 97]
Um die Kanonen beneidete er sie nicht, aber ums Fahren. [Nadolny, Sten: Die Entdeckung der Langsamkeit, München: Piper 1983, S. 175]
Ohne Butter könne man einmal leben, ohne Kanonen dagegen nie. [o. A.: 1936. In: Overresch, Manfred u. Saal, Friedrich Wilhelm (Hgg.) Deutsche Geschichte von Tag zu Tag 1918-1949, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1982], S. 6974]
Wer die meisten Tore »schießt«, bekommt als Auszeichnung eine goldene Kanone überreicht. [konkret, 1982]
Außerdem drohen sie, französische Kanonen auf die Stadt zu richten. [Die Zeit, 09.01.2012, Nr. 02]
Zitationshilfe
„Kanone“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kanone>.

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