Kantor, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kantors · Nominativ Plural: Kantoren
Aussprache  ['kantoːɐ̯]
Worttrennung Kan-tor
Herkunft aus cantormlat ‘Vorsänger, Chorleiter’ < cantorlat ‘Sänger’ < canerelat ‘singen’
Duden, GWDS, 1999 und DWDS

Bedeutungen

1.
Organist und Leiter des Kirchenchors   Berufsbezeichnung
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein evangelischer, protestantischer Kantor
mit Genitivattribut: der Kantor der Kirche
in Koordination: Kantor und Organist
als Aktivsubjekt: der Kantor singt, spielt etw.
als Genitivattribut: das Amt des Kantors
als Prädikativ: jmd. arbeitet, wirkt als Kantor
Beispiele:
Von 1723 bis zu seinem Tod 1750 hatte Bach schliesslich in Leipzig das Amt des Kantors der Thomasschule und des Musikdirektors der vier Stadtkirchen inne. [Neue Zürcher Zeitung, 03.10.2015]
Umrahmt werden die Botschaften von zwei Orgelstücken, die der Kantor der Amanduskirche[…] beiträgt. [Reutlinger General-Anzeiger, 17.04.2021]
Rumposch […] ist nicht nur Kantor und Organist, sondern liest auch das Evangelium, wenn der Pastor krank oder verreist ist. [Strittmatter, Erwin: Der Laden. Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 46]
Das älteste liturgische Buch der Kirche ist der Psalter, aus dem der Kantor (mit dem Chor) sang[…]. [Mahrenholz, Christhard: Agende. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1951], S. 1123]
Die Verwendung der gregorianischen Choralmelodie führt uns die Beweglichkeit der Phantasie Obrechts, des in der Mitte des 15. Jahrhunderts geborenen Kantors und kirchlichen Kapellmeisters, recht deutlich vor Augen. [Vossische Zeitung (Morgen-Ausgabe), 03.03.1910]
2.
Vorsänger im GottesdienstDWDS
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein jüdischer Kantor
mit Genitivattribut: der Kantor der Synagoge, der jüdischen Gemeinde
in Koordination: Kantor und Rabbiner
Beispiele:
Als Zwanzigjähriger wurde er Kantor und widmete sich erfolgreich jüdischem Synagogengesang. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2002]
»Zwar werden wir in diesem Jahr wohl nicht gemeinsam singen dürfen, aber die altvertrauten Lieder werden erklingen, entweder vorgesungen von Kantor und Schola oder gespielt von den Organisten auf unseren Salem‑Heiligenberger Orgeln«, teilt Nicola mit. [Südkurier, 24.11.2020]
Derzeit studieren 37 Studenten mit dem Berufsziel Rabbi oder Kantor […] im neuen Studiengang. [Der Spiegel, 19.11.2013 (online)]
Es wurde keine Tonhöhe oder ‑dauer festgelegt, sie [die Neumen] dienten den Kantoren (Vorsänger der katholischen Kirche) lediglich als Erinnerungshilfe beim Vortragen der Gesänge. Die Gregorianischen Gesänge wurden im ganzen Ausbreitungsgebiet der katholischen Kirche in der Liturgie verwendet. [die tageszeitung, 27.11.1993]
Der solistische Vortrag bot dem Kantor oft Gelegenheit, seine Gesangskunst zu entfalten; doch bediente er sich dabei feststehender Formeln, die z. T. in die jüdische Zeit zurückreichen dürften. [Jammers, E.: Psalmodie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Bd. 5. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 26520]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kantor m. ‘Organist, Leiter des Kirchenchores und der Kirchenmusik’, Übernahme (15. Jh.) von lat. cantor ‘Sänger’, mlat. auch ‘Vorsänger, Chorleiter’, zu lat. canere ‘singen’ (s. Kantate). Im Dt. bezeichnet Kantor vor allem den ‘Leiter und Lehrer des Chorgesangs in Kirche und Schule’, der in dieser Eigenschaft bereits vor der Reformation als ‘erster Lehrer nach dem Schulleiter’, später als ‘Gehilfe des Schulmeisters’ wirkt.

Typische Verbindungen zu ›Kantor‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kantor‹.

Zitationshilfe
„Kantor“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kantor>, abgerufen am 27.07.2021.

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