Kanzel, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kanzel · Nominativ Plural: Kanzeln
Aussprache
WorttrennungKan-zel
Wortbildung mit ›Kanzel‹ als Erstglied: ↗Kanzelabkündigung · ↗Kanzelredner  ·  mit ›Kanzel‹ als Letztglied: ↗Bugkanzel · ↗Jagdkanzel · ↗Lehrkanzel · ↗Pilotenkanzel
 ·  mit ›Kanzel‹ als Grundform: ↗-kanzeln
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
an einem Pfeiler angebrachter, von einer Brüstung umgebener, erhöhter Stand in einer Kirche, von dem aus der Geistliche die Predigt hält
Beispiele:
der Pfarrer stieg, trat auf die Kanzel
die Kanzel besteigen
auf der Kanzel stehen
eine barocke Kanzel
eine überdachte Kanzel
Der Pastor mochte von der Kanzel herab sagen, was er wollte [PolenzBüttnerbauer1,42]
2.
Flugwesen verglaster Raum für den Navigator in der Rumpfspitze eines Flugzeugs, Bugkanzel
3.
Jägersprache ausgebauter Hochsitz
Beispiel:
Wir saßen kaum sieben Stunden auf der Kanzel, da kam der Bock [GoetzIngeborgI]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kanzel · abkanzeln · Kanzlei · Kanzleisprache · Kanzleistil · Kanzler
Kanzel f. ‘erhöhter, mit einer Brüstung umgebener Platz des Predigers in der Kirche, verglaster Pilotensitz im Flugzeug, Hochsitz des Jägers’, ahd. kanzella f. (um 800), mhd. kanzel f. m. ist entlehnt aus spätlat. cancella ‘Gitter, Schranke’ (in Kirchen vor dem Altar), zu lat. cancellī (Plur.) ‘Gitter, Einzäunung, Schranken’. Dies ist eine deminutive Bildung zu lat. cancer ‘Schranke, Gitter’, dissimiliert aus lat. carcer ‘Schranke, Umfriedung, Kerker’. Ein zu cancellī hinzugebildeter Sing. spätlat. cancellus bezeichnet ‘den für den Geistlichen abgegrenzten Raum in der Kirche’, mlat. auch ‘Geländer, Podium, Lesepult’. Das mit einer Brüstung versehene Lesepult steht ursprünglich an den Chor und Mittelschiff trennenden Schranken. abkanzeln Vb. ‘von der Kanzel herab verkünden, tadeln’ (17. Jh.), ‘zurechtweisen, ausschelten’ (18. Jh.), vgl. heute unübliches gleichbed. kanzeln (18. Jh.). Kanzlei f. ‘Büro’, mhd. kanzelīe, kenzelīe (mit dem Suffix -īe zu mhd. kanzel), spätmhd. kanzellerīe (aus mlat. cancelleria), ‘der mit Schranken umgebene Raum eines Gerichtshofes, Verwaltungsbehörde, Schreibstube’. Kanzleisprache f. sprachwissenschaftlicher Terminus ‘Sprache der in den mittelalterlichen Kanzleien geschriebenen Urkunden, die deutlich mundartliche Kennzeichen meidet und als Amtssprache überlandschaftlichen Charakter trägt’, auch Bezeichnung für den juristisch geprägten, trockenen Behördenstil, den Kanzleistil m. (beide 19. Jh.). Kanzler m. ‘Leiter einer Verwaltungsbehörde, Regierungschef’, ahd. kanzillāri ‘Kanzlist, Schreiber, Notar’ (um 900), mhd. kanzelære, aus lat. cancellārius ‘Türvorsteher’, spätlat. ‘Vorsteher der Kanzlisten, Kanzleivorsteher’; im Mhd. speziell ‘(Reichs)beamter (des rīches kanzeler), der für die Ausfertigung von Staatsurkunden verantwortlich ist’, später ‘oberster Leiter einer staatlichen Verwaltung’, z. B. Vorsitzender des obersten Gerichtshofes (15. Jh.), preuß. Justizminister (18. Jh.), Regierungschef, vgl. Reichs- (17. Jh.), Bundeskanzler (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Hochsitz · Kanzel  ●  ↗Hochstand  österr. · Jagdsitz  österr. · Jägersitz  österr.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Kanzel · ↗Lesepult  ●  ↗(närrische) Rostra  veraltend · ↗Mikrofon  fig. · ↗Rednerpult  Hauptform · ↗Bütt  ugs., folkloristisch · ↗Katheder  geh., veraltend · ↗Rostra  geh., historisch

Typische Verbindungen zu ›Kanzel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Altar Beichtstuhl Chorgestühl Donnerwetter Dorfkirche Empore Gebetsnische Gestühl Hochaltar Katheder Lesepult Marienkirche Orgel Pastor Pfarrer Pfarrkirche Prediger Predigt Schalldeckel Taufbecken Taufstein besteigen donnern geschnitzt gläsern herabsteigen predigen verkündigen verlesen wettern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kanzel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kanzel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mühsam zog der Pilot die Frau schwer verletzt aus dem Wrack, seine Kinder kletterten durch die geborstene Kanzel.
Bild, 11.11.1997
Wegen starken Windes begnügte man sich, das Band nur bis zur Kanzel zu ziehen.
Süddeutsche Zeitung, 21.10.1996
Die Filter der transparenten Kanzel filterten den größten Teil der unverträglichen Helligkeit aus.
Ewers, H.G. [d.i. Gehrmann, Horst]: Invasion der Schatten, Rastatt: Moewig 1982 [1970], S. 33
Er deutete bei diesen Worten nach der gegnerischen Kanzel hinüber.
May, Karl: Winnetou IV, Berlin: Neues Leben 1993 [1910], S. 436
Der geistliche Herr hatte ihn auch öffentlich, von der Kanzel herunter, deswegen belobt.
Viebig, Clara: Das Weiberdorf, Briedel u. Mosel: Houben 1996 [1900], S. 116
Zitationshilfe
„Kanzel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kanzel>, abgerufen am 23.01.2020.

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