Karneval, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Karnevals · Nominativ Plural: Karnevale/Karnevals
Aussprache 
Worttrennung Kar-ne-val
Herkunft Italienisch
Wortbildung  mit ›Karneval‹ als Erstglied: ↗Karnevalist · ↗Karnevalsball · ↗Karnevalsjeck · ↗Karnevalsprinz · ↗Karnevalssession · ↗Karnevalsstimmung · ↗Karnevalstreiben · ↗Karnevalstrubel · ↗Karnevalsumzug · ↗Karnevalszeit · ↗Karnevalszug · ↗karnevalesk
 ·  mit ›Karneval‹ als Grundform: ↗karnevalistisch
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
landschaftlich Fastnachtszeit im Rheinland
Beispiele:
der Karneval in Köln
der rheinische Karneval
jmdn. zum Prinzen Karneval wählen
jenes Haus ... sei Schauplatz aller vornehmen Maskenbälle im Karneval [B. FrankTrenck162]
2.
Fest, Veranstaltung im Zeichen der Fastnachtszeit
Beispiele:
Karneval feiern
beim Karneval ging es hoch her
zum Karneval gehen
der Saal war zum Karneval dekoriert
eine Fernsehübertragung vom Karneval in M
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Karneval m. ist die besonders im Rheinland und im Nordd. übliche Bezeichnung für die mit Umzügen und Maskenfesten ausgelassen gefeierten letzten Tage vor Beginn der Fastenzeit (dafür bair.-öst. ↗Fasching, andernorts ↗Fastnacht, s. d.). Karneval steht zunächst für die römischen und venezianischen (Mitte 17. Jh.), seit Ende des 17. Jhs. auch für die deutschen, besonders rheinischen Masken- und Narrenfeste der Vorfastenzeit und ist wie frz. carnaval aus ital. carnevale entlehnt. Auszugehen ist offenbar von einer im Mlat. und im Ital. in zahlreichen Varianten verbreiteten Bezeichnung, die den Beginn der Fastenzeit bzw. diese selbst, meist aber den der Fastenzeit unmittelbar voraufgehenden Zeitraum oder Tag als ‘Fleischwegnehmen, Fleischwegnahme’ charakterisiert, mlat. carnelevare, carnelevarium ‘Vorfastenzeit’ (zu lat. caro, Genitiv carnis ‘Fleisch’ und levāre ‘wegnehmen’), vgl. dazu ital. (älter) carnelevare sowie auch mlat. carnevarium, carnislevamen. Eine Form wie altmailänd. carnelevale läßt erkennen, wie (durch Eliminierung) ital. (ursprünglich tosk.) carnevale entsteht. Die Bezeichnung hat innerhalb des Mlat. und Roman. eine Reihe von Parallelen: (1) mlat. carnisprivium ‘Vorfastenzeit, letzter Vorfastensonntag’ (zu lat. prīvus ‘einer Sache beraubt, ohne etw.’, prīvāre ‘berauben, befreien’); (2) span. carnestolendas ‘Karneval’, verkürzt aus kirchenlat. dominica ante carnes tollendas, d. h. ‘Sonntag vor den wegzunehmenden Fleischspeisen’, vgl. auch mgriech. apókreōs (ἀπόκρεως), bezogen auf den (Sonn)tag, der den Beginn der Fastenzeit darstellt, bzw. die Woche, die diesem Tage vorangeht, eigentlich ‘ohne Fleisch’, zu griech. apó (ἀπό) ‘weg’ und kréas (κρέας) ‘Fleisch’; mit veränderter Sehweise (3) mlat. carnem-laxare, carnelaxare ‘Fastenzeit’, d. i. ‘das Ablassen vom Fleisch’ (zu lat. laxāre ‘lockern, lösen, loslassen’), wozu ital. (älter) carnasciale ‘Karneval’ und rumän. lǎsare de carne ‘Weglassen des Fleisches, Fastenzeit’. Dagegen kann der ein mlat. *carne vale ‘Fleisch, lebe wohl’ voraussetzende Deutungsversuch nur als Volksetymologie, als nachträgliche scherzhafte Auslegung angesehen werden. Die Herleitung von ital. carnevale aus lat. carrus nāvālis ‘Schiffskarren, Räderschiff’ beruft sich darauf, daß derartige Fahrzeuge bei festlichen Umzügen zur Wiedereröffnung der Schiffahrt üblich waren. Doch führt Rosenfeld in: Archiv f. Kulturgesch. 51 (1969) 177 ff. gegen diese Deutung triftige Gründe an.

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) tollen Tage · ↗Fasching · ↗Fastnacht · Karneval  ●  ↗Fasnacht  ugs., schweiz., süddt. · fünfte Jahreszeit  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • schmotziger Donnerstag  ●  schmutziger Donnerstag  schweiz. · unsinniger Donnerstag (tirol.)  bair.
  • Altweiber · Altweiberfasching · Altweiberfastnacht · Weiberfasching · ↗Weiberfastnacht  ●  Fettdonnerstag (Raum Aachen)  ugs. · Schmotziger Dunnschdig (südbadisch, alemannisch)  ugs. · Weiberfaasnet  ugs., schwäbisch · Wieverfastelovend  ugs., kölsch
  • Karnevalsfreitag · rußiger Freitag
  • Faschingsdienstag · Fasnachtsdienstag · ↗Fastnachtsdienstag · Veilchendienstag  ●  Faschingdienstag  österr. · Karnevalsdienstag  kölsch
  • Festumzug · ↗Umzug
  • Faschingslied · Fastnachtslied · ↗Karnevalslied · ↗Karnevalsschlager
  • Jeck · ↗Karnevalist · Karnevalsjeck  ●  ↗Narr  männl. · ↗Närrin  weibl. · Närrinnen und Narrhalesen (Anrede auf Karnevalssitzung)  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Karneval‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Karneval‹.

Verwendungsbeispiele für ›Karneval‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer ohne Frau durchs Leben geht, sollte das auch im Karneval tun.
Süddeutsche Zeitung, 01.03.2003
Der hat mir erzählt, im Karneval trinke er immer fünf Tage durch.
Der Tagesspiegel, 30.03.2001
In jenem Karneval kam ich wieder einmal drei Tanznächte nicht ins Bett.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26406
Unter den Masken, im Karneval, sollten anständige Frauen gewesen sein.
Mann, Heinrich: Professor Unrat, Berlin: Aufbau-Verl. 1958 [1905], S. 192
Vor der Rückkehr hat er am Karneval in Venedig teilgenommen.
Hildesheimer, Wolfgang: Marbot, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 93
Zitationshilfe
„Karneval“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Karneval>, abgerufen am 06.06.2020.

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