Karneval, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Karnevals · Nominativ Plural: Karnevale/Karnevals · wird selten im Plural verwendet
Aussprache  ['kaʁnəval]
Worttrennung Kar-ne-val
Wortbildung  mit ›Karneval‹ als Erstglied: ↗Karnevalist · ↗Karnevalsball · ↗Karnevalsjeck · ↗Karnevalsprinz · ↗Karnevalssession · ↗Karnevalssitzung · ↗Karnevalsstimmung · ↗Karnevalstreiben · ↗Karnevalstrubel · ↗Karnevalsumzug · ↗Karnevalszeit · ↗Karnevalszug · ↗karnevalesk
 ·  mit ›Karneval‹ als Grundform: ↗karnevalistisch
Herkunft aus gleichbedeutend carnevaleital unsicherer Herkunft
eWDG und ZDL

Bedeutung

besonders D-Mittelwest im Zeitraum einiger Tage vor der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern bei den Christen gefeiertes Fest, bei dem Umzüge, Verkleidungen und Tanzveranstaltungen eine wichtige Rolle spielen   In Deutschland beginnt die Karnevalssaison am 11. November, die eigentlichen Feiern finden zwischen Weiberfastnacht am Donnerstag und der Fastnacht am Dienstag vor Aschermittwoch (Beginn der Fastenzeit) statt.
In Deutschland wird der Ausdruck im Kontrast zu Fastnacht bzw. Fasching besonders in der Region des mittleren Westens (Rheinland) verwendet, in anderen deutschsprachigen Gebieten besonders zur Bezeichnung vergleichbarer Feste in anderen Weltregionen auch als neutraler Begriff.
Synonym zu Fasching, Fastnacht (●)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: der venezianische, rheinische, kölsche, karibische, brasilianische Karneval
hat Präpositionalgruppe/-objekt: der Karneval in Köln, Venedig, Rio, Spanien, Brasilien, der Karibik
als Akkusativobjekt: Karneval organisieren, veranstalten, feiern, erleben, mögen, lieben, hassen
als Genitivattribut: eine Hochburg, ein Höhepunkt, das Motto des Karnevals
als Aktiv-/Passivsubjekt: der Karneval startet, tobt, herrscht, endet
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Kostüm für den Karneval; ein Straßenfest, Umzug zum Karneval; beim, auf dem Karneval tanzen, auftreten
Beispiele:
beim Karneval ging es hoch herWDG
Und dennoch ist es jammerschade, dass der Karneval diesmal weitgehend ausfällt, weil die Welt von einem Virus heimgesucht wird, für dessen Verbreitung Schunkeln und Tanzen, Knutschen und Lachen die idealen Vehikel sind. [Süddeutsche Zeitung, 12.11.2020]
Im Süden Deutschlands feiern zwar viele Menschen im Februar Karneval, außerhalb der Karnevalshochburgen im Rheinland bekommen Arbeitnehmer von Rosenmontag und Veilchendienstag aber nichts mit. [Die Welt, 02.12.2019]
jenes Haus […] sei Schauplatz aller vornehmen Maskenbälle im Karneval [ B. FrankTrenck162]WDG
Denn obwohl England keinen Karneval kennt, so werden dort am Fastnachtstage doch weidlich Pfannkuchen verzehrt, und wenn die große Glocke einer Londoner Kirche an diesem Tage geläutet wird, so nennt man sie die »Pfannkuchenglocke«. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 11.02.1902]
Brasilien kann sich medial eigentlich gut darstellen, man denke nur an die Karnevals und Silvester. [Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2013] ungewöhnl. Pl.
»Laßt doch diese Kölner und diese Leipziger und diese Magdeburger ihre Karnevale feiern, wie sie fallen«, sagten die Berliner, »bei uns in Berlin fallen sie auch, allerdings ins Wasser.« [Berliner Zeitung, 17.02.1955] ungewöhnl. Pl.

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Karneval m. ist die besonders im Rheinland und im Nordd. übliche Bezeichnung für die mit Umzügen und Maskenfesten ausgelassen gefeierten letzten Tage vor Beginn der Fastenzeit (dafür bair.-öst.Fasching, andernorts ↗Fastnacht, s. d.). Karneval steht zunächst für die römischen und venezianischen (Mitte 17. Jh.), seit Ende des 17. Jhs. auch für die deutschen, besonders rheinischen Masken- und Narrenfeste der Vorfastenzeit und ist wie frz. carnaval aus ital. carnevale entlehnt. Auszugehen ist offenbar von einer im Mlat. und im Ital. in zahlreichen Varianten verbreiteten Bezeichnung, die den Beginn der Fastenzeit bzw. diese selbst, meist aber den der Fastenzeit unmittelbar voraufgehenden Zeitraum oder Tag als ‘Fleischwegnehmen, Fleischwegnahme’ charakterisiert, mlat. carnelevare, carnelevarium ‘Vorfastenzeit’ (zu lat. caro, Genitiv carnis ‘Fleisch’ und levāre ‘wegnehmen’), vgl. dazu ital. (älter) carnelevare sowie auch mlat. carnevarium, carnislevamen. Eine Form wie altmailänd. carnelevale läßt erkennen, wie (durch Eliminierung) ital. (ursprünglich tosk.) carnevale entsteht. Die Bezeichnung hat innerhalb des Mlat. und Roman. eine Reihe von Parallelen: (1) mlat. carnisprivium ‘Vorfastenzeit, letzter Vorfastensonntag’ (zu lat. prīvus ‘einer Sache beraubt, ohne etw.’, prīvāre ‘berauben, befreien’); (2) span. carnestolendas ‘Karneval’, verkürzt aus kirchenlat. dominica ante carnes tollendas, d. h. ‘Sonntag vor den wegzunehmenden Fleischspeisen’, vgl. auch mgriech. apókreōs (ἀπόκρεως), bezogen auf den (Sonn)tag, der den Beginn der Fastenzeit darstellt, bzw. die Woche, die diesem Tage vorangeht, eigentlich ‘ohne Fleisch’, zu griech. apó (ἀπό) ‘weg’ und kréas (κρέας) ‘Fleisch’; mit veränderter Sehweise (3) mlat. carnem-laxare, carnelaxare ‘Fastenzeit’, d. i. ‘das Ablassen vom Fleisch’ (zu lat. laxāre ‘lockern, lösen, loslassen’), wozu ital. (älter) carnasciale ‘Karneval’ und rumän. lǎsare de carne ‘Weglassen des Fleisches, Fastenzeit’. Dagegen kann der ein mlat. *carne vale ‘Fleisch, lebe wohl’ voraussetzende Deutungsversuch nur als Volksetymologie, als nachträgliche scherzhafte Auslegung angesehen werden. Die Herleitung von ital. carnevale aus lat. carrus nāvālis ‘Schiffskarren, Räderschiff’ beruft sich darauf, daß derartige Fahrzeuge bei festlichen Umzügen zur Wiedereröffnung der Schiffahrt üblich waren. Doch führt Rosenfeld in: Archiv f. Kulturgesch. 51 (1969) 177 ff. gegen diese Deutung triftige Gründe an.

Thesaurus

Synonymgruppe
(die) tollen Tage · ↗Fasching · ↗Fastnacht · Karneval  ●  ↗Fasnacht  ugs., schweiz., süddt. · fünfte Jahreszeit  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • schmotziger Donnerstag  ●  schmutziger Donnerstag  schweiz. · unsinniger Donnerstag (tirol.)  bayr.
  • Altweiber · Altweiberfasching · Altweiberfastnacht · Weiberfasching · ↗Weiberfastnacht  ●  Fettdonnerstag (Raum Aachen)  ugs. · Schmotziger Dunnschdig (südbadisch, alemannisch)  ugs. · Weiberfaasnet  ugs., schwäbisch · Wieverfastelovend  ugs., kölsch
  • Karnevalsfreitag · rußiger Freitag
  • Faschingsdienstag · Fasnachtsdienstag · ↗Fastnachtsdienstag · Veilchendienstag  ●  Faschingdienstag  österr. · Karnevalsdienstag  kölsch
  • Festumzug · ↗Umzug
  • Faschingslied · Fastnachtslied · ↗Karnevalslied · ↗Karnevalsschlager
  • Jeck · ↗Karnevalist · ↗Karnevalsjeck  ●  ↗Narr  männl. · ↗Närrin  weibl. · Närrinnen und Narrhalesen (Anrede auf Karnevalssitzung)  ugs.
  • Maskenspiel  ●  ↗Maskerade  auch figurativ · ↗Mummenschanz  auch figurativ

Typische Verbindungen zu ›Karneval‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Karneval‹.

Zitationshilfe
„Karneval“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Karneval>, abgerufen am 07.05.2021.

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