Karre, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Karre · Nominativ Plural: Karren
Aussprache
WorttrennungKar-re
Wortbildung mit ›Karre‹ als Letztglied: ↗Handkarre · ↗Mistkarre · ↗Sackkarre · ↗Schiebkarre · ↗Schinderkarre · ↗Schubkarre
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
einfaches Gefährt zur Beförderung von Lasten, das meist geschoben wird
Beispiele:
Mist, Ziegel auf die Karre laden
eine Karre mit einem Rad, zwei Rädern
die Karre in den Schuppen fahren, schieben
die Karre umkippen
ich brauche eine Karre Sand
Immer war es sein Schmerz, daß er Schmutz auf eine zweirädrige Karre laden mußte, darum hatte er in vielen Eingaben die Stadt gebeten, ihm einen Wagen zu bewilligen [TollerSchriften20]
2.
salopp, abwertend (altes) Fahrzeug
Beispiele:
was ist bloß mit der Karre los?
was ist denn das für eine Karre?
gib mir mal deine Karre
die Karre ist kaputt
ich habe mir eine neue Karre gekauft
Ich möchte ja nur einmal rauskriegen, was in der Karre (= in dem Auto) wirklich drinsteckt [BöllBillard224]
3.
salopp, übertragen
Beispiele:
die Karre in den Dreck fahren (= etw. verschulden, verderben)
die Karre aus dem Dreck ziehen, schieben (= eine verfahrene Sache in Ordnung bringen)
die Karre (= Angelegenheit) war vollständig verfahren
dem werde ich gründlich an die Karre fahren (= dessen Absichten werde ich durchkreuzen, dem werde ich es heimzahlen)
die Karre stehen, laufen lassen (= sich um etw. nicht mehr kümmern)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Karre · Karren · Karch · karren · karriolen · Kärrner
Karre f. (besonders md. und nordd.), Karren m. (besonders südd. und öst.) ‘einfaches, ein- bis vierrädriges Gefährt (zum Schieben oder Ziehen von Lasten)’, umgangssprachlich abschätzig ‘(altes) Fahrzeug’, ahd. karro m., karra f. (10. Jh.), mhd. karre f., karre(n) m., mnd. karre f., mnl. carre, kerre, nl. kar sind Entlehnungen aus lat. carrus bzw. mlat. carrus, carra ‘eine Art vierrädriger Transportwagen’, das aus gall. carros (aus *k̑ṛsos) latinisiert und mit lat. currus ‘Wagen’, Verbalnomen zu lat. currere (cursum) ‘laufen, rennen, eilen’, verwandt ist. Eine Nebenform zu Karre ist das heute vorwiegend noch im Südwestd. übliche Karch m. ‘zweirädriger Wagen’, ahd. karruh (9. Jh.), mhd. karrech, karrich, entlehnt aus lat. car(r)ūca, car(r)ūcha ‘Reisewagen, Staatskarosse (in der Kaiserzeit)’, mlat. ‘(meist zweirädriges) Gefährt, Räderpflug’. Vgl. Frings/M. Germania Romana 2 (1968) 94 ff. karren Vb. ‘mit einer Karre, einem Karren befördern’ (um 1500). karriolen Vb. auch (besonders nd.) karjolen ‘schnell umherfahren, herumkutschieren’ (18. Jh.), Ableitung von heute unüblichem, um 1700 aus gleichbed. frz. carriole entlehntem Karriol n., Karriole f. ‘zweirädriger leichter Kutschwagen’; dem frz. Substantiv geht aprov. carriola ‘kleiner zweirädriger Wagen’, Deminutivum zu aprov. carri ‘leichte Kutsche’, voraus, das wiederum über vlat. *carrium auf lat. carrus (s. oben) zurückgeht. Kärrner m. Das heute seltene, von Karren abgeleitete Substantiv bedeutet ursprünglich ‘Fuhrmann’, dann ‘mit einem Karren umherziehender Hausierer’, auch ‘Karrenschieber’, schließlich ‘harte körperliche Arbeit verrichtender Tagelöhner, Arbeiter’ (um 1500); heute vor allem in den Zusammensetzungen Kärrnerarbeit ‘harte, wenig geachtete Arbeit’, Kärrnerdienst ‘untergeordneter Dienst’.

Thesaurus

Automobil
Synonymgruppe
Kalesche · ↗Karosse  ●  ↗Benzinkutsche  ugs., scherzhaft · ↗Flitzer  ugs. · ↗Flunder  ugs., fig. · ↗Hobel  ugs., fig. · Karre  ugs., fig. · ↗Kiste  ugs., fig. · ↗Kutsche  ugs. · ↗Schleuder  ugs., fig. · ↗Schlitten  ugs., fig. · ↗Schüssel  ugs., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen
Automobil
Synonymgruppe
Schrottwagen  ●  altes Auto  Hauptform · ↗(alte) Klapperkiste  ugs. · ↗(alte) Mühle  ugs. · Abwrackkarre  ugs. · Karre  ugs. · ↗Klapperkiste  ugs. · ↗Nuckelpinne  ugs. · ↗Rostbeule  ugs. · ↗Rostlaube  ugs. · ↗Schleuder  ugs. · ↗Schrottauto  ugs. · Schrottbüchse  ugs. · ↗Schrottfahrzeug  ugs. · ↗Schrotthaufen  ugs. · ↗Schrottkarre  ugs. · ↗Schrottkiste  ugs. · ↗Schrottmühle  ugs. · ↗Schüssel  ugs. · alte Blechkiste  ugs. · fahrbarer Schrotthaufen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (völlig) kaputt · ↗baufällig · ↗entzwei · ↗irreparabel · ↗marode · nicht mehr zu gebrauchen · ↗unbrauchbar · vernichtet · zerbrochen · ↗zermahlen · zermalmt · zerstört · zertrümmert  ●  aus dem Leim gegangen  ugs. · ↗auseinander  ugs. · geschrottet  ugs. · ↗hin  ugs. · ↗hinüber  ugs. · im Arsch  derb · im Eimer  ugs. · reif für den Sperrmüll  ugs. · reif für die Tonne  ugs. · schrottig  ugs. · völlig hinüber  ugs. · zu nichts mehr zu gebrauchen  ugs. · ↗zuschanden  geh., veraltend
  • altes Teil  ●  ↗altgedient  fig. · ↗(alte) Gurke  ugs. · (altes) Möhrchen  ugs. · (schon) einige Jahre auf dem Buckel haben  ugs. · (schon) einige Jährchen auf dem Buckel haben  ugs. · altes Schätzchen  ugs. · olle Möhre  ugs., regional · voll die Möhre  ugs., jugendsprachlich
  • Kalesche · ↗Karosse  ●  ↗Benzinkutsche  ugs., scherzhaft · ↗Flitzer  ugs. · ↗Flunder  ugs., fig. · ↗Hobel  ugs., fig. · Karre  ugs., fig. · ↗Kiste  ugs., fig. · ↗Kutsche  ugs. · ↗Schleuder  ugs., fig. · ↗Schlitten  ugs., fig. · ↗Schüssel  ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›Karre‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dreck Esel Fahrrad Karre Kutsche Pferd Rad Sack Wagen beladen blöd fahren festgefahren geil gezogen herschieben hölzern klapprig parken parteipolitisch schieben spannen spinnen umkippen verfahren vierrädrig zeihen ziehen zweirädrig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Karre‹.

Verwendungsbeispiele für ›Karre‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Damals aß man frisch von der Karre eines fliegenden Händlers.
Die Welt, 08.07.2000
So wie die Karre läuft, so läuft sie gut und richtig.
Schröter, Heinz: Ich, der Rentnerkönig, Genf: Ariston 1985, S. 108
Ob ich nicht meinen Vater der langsamen Karre entgegenschicken wolle?
Lenz, Siegfried: Deutschstunde, Hamburg: Hoffmann u. Campe 1997 [1968], S. 216
Auf dem dunklen Hof geriet er in lockeren Schnee und kippte die Karre um.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 188
Und ohne anzuhalten, fuhren sie zum "Kessel", drückten und zogen die Karre rasch dort in den hellbeleuchteten Vorraum über die Steinfliesen.
Matthiessen, Wilhelm: Das Rote U. In: ders., Das Rote U, Bayreuth: Loewes 1980 [1932], S. 45
Zitationshilfe
„Karre“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Karre>, abgerufen am 23.01.2020.

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