Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Karussell, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Karussells · Nominativ Plural: Karussells/Karusselle
Aussprache 
Worttrennung Ka-rus-sell
Häufige Falschschreibungen Karrusell, Karrussel, Karusell
Wortbildung  mit ›Karussell‹ als Erstglied: Karussellfahrt · Karussellgeschäft  ·  mit ›Karussell‹ als Letztglied: Kettenkarussell · Kinderkarussell · Melkkarussell
Herkunft aus gleichbedeutend carrouselfrz < gleichbedeutend caroselloital
eWDG

Bedeutung

in Vergnügungsparks, bei Volksfesten aufgestellte, meist horizontale, große Scheibe, die durch Menschen, Pferde oder Kraftmaschinen bewegt wird und auf der hölzerne oder metallene Pferde, Autos, Wagen zur Aufnahme von Fahrgästen angebracht sind
Beispiele:
viele bunte Karussells standen, drehten sich auf dem Weihnachtsmarkt
die Kinder wollten gern, immer wieder, noch einmal Karussell fahren
bildlich
Beispiel:
Die Gedanken fahren in ihrem Kopfe Karussell [ KästnerLottchen124]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Karussell n. ‘großes rundes, sich im Kreis drehendes Gestell mit hölzernen Pferden, Wagen u. ä. zum Mitfahren’, früher ‘turnierähnliches Reiterspiel, Ringelstechen’, in dieser Bedeutung Übernahme (2. Hälfte 17. Jh.) von frz. carrousel, das selbst aus dem Ital. stammt. Ital. carosello ist ein zuerst in Neapel bezeugtes, von Spanien eingeführtes Turnier (vielleicht maurischen Ursprungs?), bei dem die Reiter einander mit tönernen Kugeln werfen; die Bezeichnung ist daher wohl an neapolitan. carusiello ‘rundes Tongefäß, Sparbüchse in Form eines Kopfes’ (eigentlich ‘geschorener Kopf’) anzuschließen. Die weitere Herleitung dieses mundartlichen Ausdrucks, der sich offenbar mit südital. caruso ‘kahlgeschorener Kopf, kahlköpfige Person, Junge’, carosare, carusare ‘scheren’ verbinden läßt, bleibt unsicher, möglicherweise geht er auf lat. cariōsus ‘morsch, faul, mürbe’ (s. kariös) oder auf eine Kreuzung der Wortgruppen von griech. ké͞irein (κείρειν) ‘scheren, abschneiden, abfressen’ und gleichbed. vlat. *tōnsāre zurück. Im Dt. bezeichnet Karussell seit dem letzten Viertel des 18. Jhs. das als Volksbelustigung aufkommende Drehgestell, das zuweilen noch bis gegen Ende des 19. Jhs. mit hängenden Ringen versehen ist, so daß die Mitfahrenden das ritterliche Ringelstechen nachahmen können (vgl. öst. Ringelspiel). Ital. carosello übernimmt im 19. Jh. diese Bedeutung, während frz. carrousel nur regional (Nordfrankreich, Belgien) hierfür üblich wird (sonst frz. manège de chevaux de bois).

Thesaurus

Synonymgruppe
Karussell  ●  Reitschule  süddt., schweiz. · Ringelbahn  österr. · Ringelreiten  veraltet · Ringelspiel  österr. · Rösslibahn  schweiz. · Rösslispiel  ugs., schweiz.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Karussell‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Karussell‹.

Verwendungsbeispiele für ›Karussell‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Während er spricht, baut jemand in der Nähe ein Karussell auf. [Die Zeit, 26.08.2013, Nr. 34]
Wer drei Lieder gedreht hatte, durfte einmal umsonst Karussell fahren. [Die Zeit, 27.12.2012, Nr. 52]
Und zu welchem Zweck hat der Autor das Karussell in Gang gesetzt? [Die Zeit, 25.10.2000, Nr. 43]
Das Karussell des Herzens dreht sich schnell in diesem Alter. [Die Zeit, 01.10.1993, Nr. 40]
Sie wollen immer wieder aufspringen auf dieses Karussell der Illusionen. [Die Zeit, 19.07.1991, Nr. 30]
Zitationshilfe
„Karussell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Karussell>.

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