Kaste, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kaste · Nominativ Plural: Kasten
Aussprache
WorttrennungKas-te
Wortbildung mit ›Kaste‹ als Erstglied: ↗Kastengeist · ↗Kastenstaat · ↗Kastenwesen
 ·  mit ›Kaste‹ als Letztglied: ↗Adelskaste · ↗Beamtenkaste · ↗Gelehrtenkaste · ↗Junkerkaste · ↗Kriegerkaste · ↗Offizierskaste · ↗Priesterkaste
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
nach außen streng abgeschlossene Gruppe in der Gesellschaftsordnung der hinduistischen Bevölkerung, die eigene Sitten, religiöse Gesetze und Privilegien hat und deren Zugehörigkeit ausschließlich durch die Geburt erworben wird
Beispiele:
es gibt niedere und höhere Kasten
niemand kann seine Kaste wechseln
die Kaste der Krieger, Priester, Besitzlosen
2.
abwertend, übertragen sich abschließende Gesellschaftsschicht mit besonderen Vorrechten, besonders die des Adels, der Offiziere und Beamten
Beispiele:
sie hatte alle Vorurteile der Kaste, der sie angehörte
das Land wurde von einer kleinen Kaste regiert
der Rittmeister hatte gegen die Gesetze seiner Kaste verstoßen
Die [Fürsten, Bankiers, Offiziere, Junker] sitzen beisammen und sichern ihrer Kaste die Macht [A. ZweigEinsetzung9]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kaste · Kastengeist
Kaste f. ‘in ihrer Lebenshaltung, dem Sozial- und Kultleben streng abgeschlossene Gruppe in der Gesellschaftsordnung der hinduistischen Bevölkerung’, in geringschätzigem Sinne übertragen auf eine ‘sich aus übertriebenem Standesbewußtsein isolierende Gesellschaftsschicht’ (z. B. des Adels, der Offiziere, der Beamten). Im 18. Jh. übernommenes frz. caste ‘streng abgeschlossene Gruppe innerhalb der hinduistischen Hierarchie’ stammt aus port. casta, eigentlich ‘Art, Rasse, Geschlecht’, womit die portugiesischen Indienfahrer die streng getrennten hinduistischen Gruppierungen bezeichneten (16. Jh.). In port. casta wird meist das substantivierte Femininum von port. casto ‘moralisch rein, keusch’ (aus gleichbed. lat. castus) gesehen. Gegen diese Herleitung äußert Corominas 1, 722 ff. Bedenken, da für die im älteren Iberoroman. vorherrschenden Verwendungen ‘Geschlecht, Gattung, Art’ (von Lebewesen und Dingen) und ‘Zeugung, Fortpflanzung’ der Gesichtspunkt der Reinheit unwesentlich sei, doch kann auch die von ihm erwogene Verbindung mit dem Germ. nicht voll überzeugen. Kastengeist m. ‘Haltung einer sich nach außen abschließenden Gesellschaftsschicht, Standesdünkel’, zuerst bei Seume (1797) nachgewiesen (nach frz. esprit de caste?).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bevölkerungsschicht · ↗Gesellschaftsschicht · ↗Gruppe · Kaste · ↗Klasse · Kreise · ↗Schicht · ↗Stand
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • (die) Linie der · ↗Angehörige · ↗Anhang · ↗Familie · ↗Familienclan · ↗Familienverband · ↗Geschlecht · Kind und Kegel · ↗Klan · ↗Sippe · vom Stamm der  ●  ↗Mischpoke  abwertend · Muschpoke  abwertend · ↗Verwandtschaft  Hauptform · ↗(ganze) Bagage  ugs., abwertend · ↗Blase  ugs., abwertend · ↗Clan  ugs. · ↗Sippschaft  derb · bucklige Verwandtschaft  ugs., abwertend, scherzhaft · die Unseren  geh., variabel
  • Leute wie du und ich · Menschen wie du und ich · die einfachen Leute · die kleinen Leute · einfache Leute · kleine Leute  ●  (der) Mann von der Straße  fig. · (der) kleine Mann  fig.
  • Standesgrenze · ↗Standesschranke
  • Missheirat · nicht standesgemäße Ehe · nicht standesgemäße Heirat  ●  ↗Mesalliance  geh., franz.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angehörige Berufspolitiker Brahmane Bürokrat Ethnie Hindu Kaste Kiste Privileg Religion Stamm Unberührbare Zugehörigkeit abgehoben aussterbend elitär erblich herrschend hinduistisch nieder niedrig ober parasitär privilegiert rückständig sehen unrein unter verachtet wiedergeboren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kaste‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie gehörte zu einer anderen Kaste, sie blieb, wie soll ich sagen?
Die Welt, 09.04.2005
Die Kaste der Politiker ist im Ansehen der Bürger tief gesunken; alles traut man ihnen zu außer gutem Willen.
Die Zeit, 29.05.1995, Nr. 22
Soweit es aber einer Kaste zugestanden wird, gilt diese als rituell unbedingt »rein«.
Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. II, Tübingen: Mohr 1921 [1920-1921], S. 39
Nie ist in China das Priestertum so zentral als Kaste aufgetreten wie in den altorientalischen Kulturen.
Franke, Herbert: Sinologie, Bern: A. Francke 1953, S. 82
Die Macht der Kaste, der Lohmann angehörte, war, so entdeckte er, eine zu brechende.
Mann, Heinrich: Professor Unrat, Berlin: Aufbau-Verl. 1958 [1905], S. 106
Zitationshilfe
„Kaste“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kaste>, abgerufen am 19.09.2019.

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