Kauz, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kauzes · Nominativ Plural: Käuze
Aussprache
Wortbildung mit ›Kauz‹ als Erstglied: ↗Käuzchen · ↗Käuzlein  ·  mit ›Kauz‹ als Letztglied: ↗Steinkauz · ↗Waldkauz
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
kleinere Nachteule von gedrungener Gestalt und mit dickem, rundem Kopf
Beispiele:
der klagende Schrei eines Kauzes
der Kauz, das Käuzchen schreit nachts vor dem Fenster
2.
spöttisch wunderlicher Mensch, Sonderling
Beispiel:
er ist ein komischer, sonderbarer, seltsamer, närrischer, schnurriger, lustiger, drolliger, origineller, liebenswerter Kauz
3.
landschaftlich (fester) Haarknoten
Beispiel:
Großmutter trägt einen Kauz
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kauz · kauzig
Kauz m. frühnhd. Kutz(e), Kautz(e) (vereinzelt auch f.), mnd. kūtz. Der nur im Dt. vorkommende und hier seit dem 15. Jh. nachgewiesene, aber wahrscheinlich ältere (vgl. Kuiz, Kūze als Beiname einer Person, Anfang 14. Jh. in Hessen) Vogelname ist für kleinere, keine Federohren aufweisende Eulen unterschiedlicher Gattungen gebräuchlich, namentlich für den nach abergläubischen Vorstellungen als Todesverkünder geltenden Steinkautz (frühnhd. steinkutz, -kutze, -keutz, 15. Jh.), der auch einfach Käuzlein, Käuzchen (frühnhd. kützlin, keutzlin, 15. Jh., mnd. kǖtzken) genannt wird, und für den Waldkauz (16. Jh.). Benennungsmotiv ist wohl (wie bei ↗Eule, ↗Uhu, s. d.) der im Dunkeln allein wahrzunehmende Schrei, daher scheint Vergleich mit mhd. verkiuten ‘eine Absage erteilen’, kiuten n. ‘Geplauder’ (s. auch ↗Köter), isl. kýta ‘streiten, sich zanken’, aengl. cȳta ‘Milan, Rohrdommel’ möglich; wie diese germ. Bildungen (ebenfalls mit dentalem Formans) stellt sich Kauz dann zu der unter ↗kaum (s. d.) angeführten Wortgruppe der schallnachahmenden Wurzel ie. *gō̌u-, *gū- ‘rufen, schreien’. Im 16. Jh. wird die (schon für den oben erwähnten Beinamen vorauszusetzende?) metaphorische Verwendung von Kauz im Sinne von ‘wunderlicher Mensch, Sonderling’ üblich, die an die zurückgezogene Lebensweise und das bei Tage unbeholfene Gebaren des Vogels anknüpft; hierzu jetzt kauzig Adj. ‘wunderlich, schrullig’, zuvor auf das Obd. beschränkt ‘verdrießlich, unwillig’ (schweiz. chützig bereits 18. Jh.) und ‘mit struppigen Haaren’ (19. Jh.). Diese letzte Bedeutung ist vielleicht mit dem in verschiedenen Gegenden anzutreffenden Kauz ‘Haarknoten, aufgesteckter Zopf’, vermutlich einer weiteren Übertragung des Vogelnamens, zu verbinden.

Thesaurus

Zoologie
Synonymgruppe
Kauz · ↗Käuzchen
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(ausgefallener, besonderer) Mensch · ↗Freak · Mensch, wie man ihn nicht alle Tage trifft · ↗Sonderling · ↗Unikum · ↗Wunderling · bizarre Person · merkwürdiger Zeitgenosse · schrille Person · seltsamer Patron · skurriler Typ · sonderbarer Zeitgenosse · uriger Typ · verrückte Person  ●  ungewöhnlicher Mensch  Hauptform · Kauz  ugs., fig. · ↗Original  ugs. · ↗Type  ugs. · ↗Urvieh  ugs. · ↗Vogel  ugs., fig. · bunter Vogel  ugs. · irrer Typ  ugs. · komischer Heiliger  ugs. · komischer Kauz  ugs. · komischer Vogel  ugs. · schrille Schraube  ugs., weibl. · schrille Type  ugs. · schräger Fürst  ugs., scherzhaft · schräger Typ  ugs. · schräger Vogel  ugs. · seltsame Type  ugs. · seltsamer Heiliger  ugs. · seltsamer Kauz  ugs. · verrücktes Huhn  ugs., weibl., fig.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Außenseiter Eigenbrötler Eule Original Schrei Sonderling Spinner Träumer Uhu bärtig drollig eigenartig eigenwillig genial knorrig komisch kurios liebenswert liebenswürdig lustig merkwürdig närrisch originell philosophisch schreien schrullig seltsam sonderbar verschroben wunderlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kauz‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dort trifft er auf einen seltsamen Kauz mit mephistophelischen Zügen.
Die Zeit, 22.09.2012 (online)
Im Kauz spielt sich auch nach dem Theater etwas ab.
Bild, 04.02.1999
So kam dieser obendrein in den Geruch eines sonderbaren Kauzes.
Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 288
Zweimal schon hatte der Kauz nachts an ihrem Fenster geschrien.
Viebig, Clara: Das Weiberdorf, Briedel u. Mosel: Houben 1996 [1900], S. 106
Aber die beiden Käuze schienen sich nichts daraus zu machen.
Löhndorff, Ernst Friedrich: Südwest-Nordost, Bremen: Schünemann 1936 [1936], S. 65
Zitationshilfe
„Kauz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kauz>, abgerufen am 19.12.2018.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Kauwerkzeuge
kautschutieren
Kautschukzapfer
Kautschukreifen
Kautschukproduktion
Käuzchen
kauzig
Kauzigkeit
Käuzlein
Kaval