Kavalier, der
GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kavaliers · Nominativ Plural: Kavaliere
Aussprache
WorttrennungKa-va-lier (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›Kavalier‹ als Erstglied: ↗Kavaliersdelikt · ↗Kavaliershaus · ↗Kavalierspflicht · ↗Kavaliersstart · ↗Kavalierstart · ↗Kavalierstaschentuch · ↗Kavalierstuch · ↗Kavaliersvergehen · ↗Kavaliertaschentuch · ↗Kavaliertuch · ↗kavaliermäßig · ↗kavaliersmäßig
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Mann mit vornehmem, taktvollem, zuvorkommendem Verhalten, besonders gegenüber Frauen, Weltmann
Beispiele:
er ist ein vollkommener Kavalier
er ist ein Kavalier vom Scheitel bis zur Sohle scherzhaft
als Kavalier bot er der jungen Dame Feuer, half er ihr beim Aussteigen
Ich bin Kavalier, Donna Elvira, ich werde eine Dame nicht bloßstellen [FrischDon JuanII]
2.
umgangssprachlich Liebhaber, Verehrer
Beispiele:
dieser junge Mann ist ihr Kavalier
sie hat (schon) einen Kavalier
Sie klagte, der verlassene Kavalier habe ihr aufgelauert und sie beschimpft [FusseneggerAntlitz74]
3.
veraltet Edelmann, Hofmann
Beispiel:
[neben dem Mädchen] stand ein stattlicher Kavalier, denn das war er nach seiner ganzen Erscheinung, trotz des schlichten Reisegewandes [C. F. MeyerJenatsch1,11]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kavalier m. ‘höflicher und zuvorkommender, bes. Frauen gegenüber rücksichtsvoller Mann’, scherzhaft auch ‘Begleiter, Verehrer einer Frau’. Das von lat. caballus ‘Pferd’ (ursprünglich ‘in der Landwirtschaft genutztes Pferd’ im Unterschied zu lat. equus ‘Reitpferd’) abgeleitete spätlat. caballārius ‘Pferdeknecht’ wird im Mlat. zur Bezeichnung für die ohne Panzer kämpfenden Ritter aus dem niederen fränkischen Adel und ergibt afrz. cheval(i)er (frz. chevalier), aprov. cavalier ‘Reiter, Ritter’ (s. ↗Chevalier). Auf der aprov. Form beruht ital. cavaliere ‘Reiter, Soldat zu Pferde, Ritter, Adliger’ (14. Jh., in älterer Schreibung daneben cavalliere, cavagliere), das seinerseits um 1470 als mfrz. cavalier ‘Reiter, Soldat zu Pferde’ wieder ins Frz. entlehnt wird. Die Übernahme ins Dt. setzt, wenn man von dem für zwei Quellen der 1. Hälfte des 14. Jhs. nachgewiesenen, aber zunächst ohne Nachfolge bleibenden mhd. cavali(e)r ‘Ritter’ (aus dem Ital. oder Aprov.) absieht, im letzten Drittel des 16. Jhs. ein. Dabei weist nhd. Caval(l)ier, Cavaglier, Cavalierer anfangs auf ital. Vorbild (im frühen 17. Jh. neben dt. Pluralbildung häufig noch Cavalieri), doch setzt sich (auch semantisch) bald der Einfluß von frz. cavalier ‘Reiter, Kavallerist, Edelmann, Herr, Begleiter einer Dame’ durch (um 1640 gelegentlich die Pluralform Cavaliers). Kavalier, um 1600 ‘Reiter, Ritter (bes. Mitglied eines Ritterordens), adliger Herr’, wird infolge seines Vorkommens in der galanten Dichtung (‘vornehmer Liebhaber’) sowie durch die Gepflogenheit der Soldaten, die den adligen Offizieren zukommende Benennung für sich ebenfalls in Anspruch zu nehmen, im Laufe des 17. Jhs. Modeausdruck, allgemein verwendete höfliche Anrede (entsprechende Entwicklungen bei ↗Dame, ↗Galan, s. d.) und schließlich (2. Hälfte 17. Jh.) geläufiges Kennwort für den das Persönlichkeitsideal jener Zeit verkörpernden weltgewandten und gebildeten Mann (im 19. Jh. abgelöst durch ↗Gentleman, s. d.). Aus dieser Bedeutungsgeschichte erklärt sich auch der gegenwartssprachliche Gebrauch (vgl. ferner Kavalier(s)tuch, Kavalierstart, Kavaliersdelikt). Eine alte Übertragung begegnet in Kavalier ‘die Brustwehr des Hauptwalls überragende und daher bessere Sicht- und Schußmöglichkeiten bietende Erhöhung’ als Terminus des Festungsbaus (bereits 1573, entsprechend gleichbed. frz. cavalier, seit 1546), heute noch lebendig in Kavalierperspektive für eine schiefe Parallelprojektion, bei der alle in die Tiefe führenden Linien unter einem Winkel von 45 Grad und um die Hälfte verkürzt wiedergegeben werden (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Ehrenmann · ↗Gentleman · ↗Weltmann · feiner Herr  ●  ↗Gentilhomme  veraltet · Mann von Welt  ugs. · ↗Seigneur  geh.
Oberbegriffe
  • Herr · ↗Mannsbild · ↗Mannsperson · ↗Patron (halb-scherzhaft oder abwertend) · Vertreter des männlichen Geschlechts · Y-Chromosom-Träger (halb-ironisch) · gestandene Person · männlicher Mensch  ●  ↗Bursche  regional · ↗Mann  Hauptform · Person männlichen Geschlechts  Amtsdeutsch · erwachsene männliche Person  Amtsdeutsch · männliche Person  Amtsdeutsch · Dude  ugs., engl. · ↗Kerl  ugs. · ↗Keule  ugs., positiv, salopp, regional · ↗Macker  ugs. · ↗Typ  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Bettgenosse · ↗Beziehung · ↗Freund · Geliebter · ↗Gespiele · ↗Günstling · ↗Hausfreund · Mann ihres Herzens · ↗Verhältnis · ständiger Begleiter  ●  ↗Liebhaber  Hauptform · ↗Lover  engl. · ↗Beschäler  derb · Boyfriend  ugs., engl. · ↗Galan  geh., veraltet, ironisch · ↗Kerl  ugs., salopp · ↗Stecher  vulg.
Unterbegriffe
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

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Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch in die Jahre gekommene Kavaliere verstehen es, den wilden Stier zu mimen.
Der Tagesspiegel, 05.07.2003
Sein zweites Bild der L. zeigt eine andere Art der L. mit dem Kavalier mit erhobenem Glas.
o. A.: Lexikon der Kunst - L. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 23247
Vordem hatten sich die Häuser der Kavaliere fast wie ein Ei dem anderen geglichen.
Die Zeit, 18.02.1963, Nr. 07
Dies sei ihm als ein wunderlicher Empfang für einen Kavalier seinesgleichen vorgekommen.
Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg, Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 336
In einem Zimmer fanden sich unregelmäßig eine Anzahl Kavaliere zusammen.
Friedländer, Hugo: Der Klub der Harmlosen. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 22678
Zitationshilfe
„Kavalier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kavalier>, abgerufen am 18.10.2017.

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