Kehle, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kehle · Nominativ Plural: Kehlen
Aussprache 
Worttrennung Keh-le
Wortbildung  mit ›Kehle‹ als Erstglied: ↗Kehlchen · ↗Kehlkopf · ↗Kehllaut · ↗Kehlleiste · ↗Kehlriemen · ↗Kehlsack · ↗Kehlton
 ·  mit ›Kehle‹ als Letztglied: ↗Dachkehle · ↗Hohlkehle · ↗Kniekehle
 ·  formal verwandt mit: ↗Blaukehlchen · ↗Braunkehlchen · ↗Rotkehlchen
Mehrwortausdrücke aus voller Kehle
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
vorderer Teil des Halses mit Schlund und Kehlkopf, Gurgel
Beispiele:
die Kehle des Menschen, Tieres
eine trockene, entzündete Kehle
seine Kehle ist rau wie ein Reibeisen
die Kehle schluckt, brennt, schmerzt, zieht sich zusammen
die Angst schnürt ihm die Kehle zusammen
jmdm. die Kehle zuhalten, zusammendrücken
der Wolf biss dem Hasen die Kehle durch
mit Präposition
Grammatik: in Verbindung mit »an«
Beispiele:
jmdm. an die Kehle greifen, springen, wollen
[die Fischer] die ihren Gefährten mit den Messern an die Kehle gegangen waren [ SeghersAufstand1,62]
Grammatik: in Verbindung mit »aus«
Beispiel:
Das Lied, das aus der Kehle dringt [ GoetheSänger]
Grammatik: in Verbindung mit »bei«
Beispiel:
jmdn. bei der Kehle packen
Grammatik: in Verbindung mit »durch«
Beispiel:
sie gossen sich [Dativ] das Bier durch die Kehlen
Grammatik: in Verbindung mit »in«
Beispiele:
der Bissen geriet ihm in die falsche, unrechte Kehle (= der Bissen geriet ihm in die Luftröhre)
Ein Krampf saß ihm in der Kehle [ G. Hauptm.4,70]
bildlich
Beispiele:
umgangssprachlicheine durstige Kehle haben (= durstig sein)
umgangssprachlichder Wirt versorgte alle durstigen Kehlen (= der Wirt versorgte alle, die Durst hatten)
salopper hat eine ausgepichte Kehle (= er kann viel trinken)
salopp, scherzhaftsich [Dativ] die Kehle anfeuchten, schmieren, nass machen (= trinken)
umgangssprachlichjmdm. die Kehle zuschnüren (= jmdn. zugrunde richten)
mit Präposition
Grammatik: in Verbindung mit »an«
Beispiele:
umgangssprachlichjmdm. das Messer an die Kehle setzen (= jmdn. in äußerste Bedrängnis bringen)
umgangssprachlichihm geht es an die Kehle (= ihm geht es ans Leben)
Grammatik: in Verbindung mit »aus«
Beispiele:
saloppaus voller Kehle rufen, singen (= ganz laut rufen, singen)
umgangssprachlichein Lied aus zwanzig jungen Kehlen (= ein Lied von zwanzig jungen Sängern)
Grammatik: in Verbindung mit »in«
Beispiele:
Gold in der Kehle haben (= mit einer schönen Singstimme viel Geld verdienen können)
umgangssprachlichdie Worte blieben ihm in der Kehle stecken (= er konnte plötzlich nicht weitersprechen)
etw. in die falsche Kehle bekommenetw. übel auffassen
Beispiel:
sie bekamen unsere Kritik in die falsche Kehle
2.
Architektur, Handwerk Hohlkehle
Beispiele:
die Kehle an einem Gesims, an einer Säule
[der Balkenkopf] erhielt eine Kehle [ KürthWanderfahrt121]
3.
Militär rückwärtige, offene, dem Angriff am wenigsten ausgesetzte Seite einer Befestigungsanlage
Beispiel:
die Kehle eines Forts

Mehrwortausdrücke

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kehle · kehlen · auskehlen · Kehlung · Hohlkehle · Kniekehle · Kehlkopf
Kehle f. ‘Gurgel, Höhlung, Vertiefung’, ahd. kela (8. Jh.), mhd. kel(e) ‘Kehle, Hals, Luftröhre, Speiseröhre, Schlund’, asächs. kela, mnd. mnl. kēle, nl. keel, aengl. ceole ‘Kehle, Schlucht, Schiffsschnabel’ gehören mit ↗Kiel2 (s. d.), air. gelid ‘verzehrt, frißt, grast’ und den auf einer Gutturalerweiterung beruhenden Formen ahd. kel(a)h ‘Halsgeschwulst’ (10. Jh.), anord. kjalki ‘Kinnbacken’ zur Wurzel ie. *gel- ‘verschlingen’. Einer Parallelform ie. *gu̯el(ə)- (wohl entstanden unter Einfluß der gleichbed. Wurzel ie. *gu̯er(ə)-, s. ↗Gurgel) folgen griech. délear (δέλεαρ) ‘Köder, Lockspeise’, blōmós (βλωμός) ‘Bissen’, blétyes (βλέτυες) eigentlich ‘das Trinken’ und wohl auch das in jedem Fall verwandte lat. gula ‘Kehle, Schlund, Speiseröhre’ (s. ↗Gully). kehlen Vb. ‘mit einer Vertiefung, einer Rille versehen’ (17. Jh.), heute meist auskehlen (um 1700). Kehlung f. ‘Rille, Vertiefung, Höhlung’ (17. Jh.). Hohlkehle f. ‘langgestreckte Vertiefung zur Gliederung einer Fläche’ (16. Jh.). Kniekehle f. ‘hinterer Teil des Kniegelenks’, mhd. kniekel. Kehlkopf m. ‘Knorpelteil am Eingang der Luftröhre’ (18. Jh.).

Thesaurus

Anatomie
Synonymgruppe
Gurgel · Kehle · ↗Schlund
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Kehle‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kehle‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kehle‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch dann schnappt er die junge Frau blitzschnell am Arm, hält ihr ein Messer an die Kehle.
Bild, 15.03.2005
Trainer Kurt Jara lässt sich von solchen Abstimmungen aus Volkes Kehle kaum beeinflussen.
Der Tagesspiegel, 05.10.2003
Dort stößt ihm ein Mann das Messer in die Kehle.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1925. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1925], S. 232
Ich wußte nichts zu erwidern, und die Kehle wurde mir eng.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 964
Willst du, ohne gute Nacht zu sagen, Mir die Zähne in die Kehle schlagen?
Tucholsky, Kurt: An den 'Simplicissimus', 25.06.1914. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 15807
Zitationshilfe
„Kehle“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kehle>, abgerufen am 01.12.2020.

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