Kehraus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungKehr-aus (computergeneriert)
Wortzerlegungkehren2aus2
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Schlusstanz
Beispiele:
den Kehraus tanzen
die Kapelle spielte den Kehraus
[Strindberg] der ... den dämonischen Reigen bis zum Kehraus mitmachen wollte [SchleichVergangenheit285]
2.
veraltend das Aufräumen, Beenden
Beispiele:
der Wirt machte um Mitternacht Kehraus (= machte Schluß)
beim großen Kehraus in der Burg [AlexisBredowI 1,9]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kehren2 · Kehricht · Kehraus
kehren2 Vb. ‘fegen’. Das nur westgerm. bezeugte Verb ahd. kerien, kerren (8. Jh.), mhd. kern, mnd. mnl. kēren, nl. keren setzt germ. *karjan voraus. Das zugehörige Grundwort dürfte in ahd. ubarkara ‘Unreinigkeit, Unflat’ (10./11. Jh.), isl. kar ‘Schmutz’ erhalten sein. Außergerm. bietet sich vielleicht lit. žer̃ti ‘glühende Kohlen zusammenscharren’ als vergleichbar an. de Vries Nl. 312 hält daher für die germ. Formen Herkunft aus einer nicht-ie. Substratsprache für möglich. Kehricht m. n. ‘was zusammengefegt ist, Müll’ (15. Jh.) mit unorganisch angefügtem -t (wie bei ↗Obst, s. d.) neben entwicklungsgeschichtlich älterem kerach (15. Jh.), kehrich (16. Jh.). Kehraus m. ‘letzter starker Wein, der dem Trinker den Rest gibt’ (15. Jh.); erst seit dem 18. Jh. in der wohl älteren Bedeutung ‘letzter Tanz, Schlußtanz’ belegt.

Thesaurus

Synonymgruppe
(das) große Aufräumen · ↗Großreinemachen  ●  Kehraus  veraltet
Assoziationen
  • Grundreinigung · Reinigung von Grund auf · gründliche Reinigung
Synonymgruppe
Kehraus · letzte Nummer · letzter Tanz  ●  ↗Rausschmeißer  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Chefetage fröhlich gründlich veranstalten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kehraus‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch mit dem Kehraus, sagen die Manager, soll nun Schluß sein.
Die Zeit, 09.09.1983, Nr. 37
Die ganze Folge schloß mit einer Coda, dem Kehraus für die Tänzer.
Carner, Mosco: Walzer. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1968], S. 14784
Allein die Lütten empfinden pure Freude dabei, mit einem Riesenbesen Kehraus vor dem Haus zu machen.
Die Welt, 25.10.2003
Mit dem allgemeinen Kehraus der Denktradition kann man traditionellen Vorurteilen nicht begegnen.
Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 65
Den Kehraus macht, wie es recht und billig ist, ein Vers des Herrn Dichterfürsten Johann von Goethe.
Ball, Hugo: Tenderenda der Phantast. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1914], S. 5195
Zitationshilfe
„Kehraus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kehraus>, abgerufen am 13.12.2018.

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