Keilschrift, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Keilschrift · Nominativ Plural: Keilschriften
Aussprache
WorttrennungKeil-schrift
WortzerlegungKeilSchrift
ZDL-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

Detail einer Steininschrift aus Persepolis in persischer
                    Keilschrift
Detail einer Steininschrift aus Persepolis in persischer Keilschrift
(Ginolerhino, CC BY 2.5)
1.
Schriftsystem mit keilförmigen, meist in Tontafeln gedrückten Zeichen, das für die sumerische Sprache erfunden und von zahlreichen nahöstlichen Kulturen direkt oder als Vorbild für eigene Schriften verwendet wurde
Grammatik: Plural selten
Unterbegriff von Schrift (1)
Beispiele:
In der mesopotamischen Kultur wurde auf Ton geschrieben. Da sich darin mit den damals üblichen Schreibstäbchen nur schlecht Kurven ziehen ließen, besteht die Keilschrift aus geraden Linien; die Keile gingen aus den Wulsten hervor, die das Eindrücken der dreikantigen Stäbchen erzeugte. [Die Zeit, 16.02.1996, Nr. 08]
Hieroglyphen sind eine der beiden ältesten Schriften der Welt – die andere ist die etwa zeitgleich entstandene sumerische Keilschrift. [Die Welt, 28.05.2018]
Eine indoeuropäische Sprache, Hethitisch, ist für eine Zeit vor nahezu 4.000 Jahren bezeugt, geschrieben auf Tontafeln und [in] Keilschrift im zentralen Anatolien ab dem frühen zweiten vorchristlichen Jahrtausend. [NORD-LICHT, 29.08.2016, aufgerufen am 15.09.2018]
Am Hof und im Verkehr mit den persischen Beamten gebrauchte man natürlich die persische (arische) Sprache, die mit einer sehr vereinfachten, nur aus 36 Zeichen bestehenden Form der Keilschrift geschrieben wurde, die den Charakter einer Silbenschrift nahezu abgestreift hat. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001, S. 19385. Zitiert nach: Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums Bd. IV, Stuttgart: Cotta 1901.]
scherzhaft, vergleichend An ihrer rostigen Wirbelsäule ist ein nicht weniger ungefährer Fahrplan befestigt, dessen leserliche Überreste sich wie Keilschrift ausnehmen. [Süddeutsche Zeitung, 20.07.2017]
Keilschriften wurden von etlichen Staaten und Völkern des alten Orients benutzt: den Sumerern, Akkadern, den Assyrern, den Babyloniern, den Hethitern und den Persern. [Die Welt, 09.04.2018] ungewöhnl. Pl.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: mesopotamische, sumerische, akkadische, babylonische, assyrische, persische Keilschrift
als Genitivattribut: die Entzifferung der Keilschrift
in Koordination: Hieroglyphen und Keilschrift
in Präpositionalgruppe/-objekt: eine Tontafel in Keilschrift; (etw.) in Keilschrift schreiben
2.
gemeinsprachlich in Keilschrift (1) niedergeschriebener Text
Grammatik: meist im Plural
Unterbegriff von Schrift (3)
Beispiele:
Es ranken sich zahlreiche Legenden um den Perserkönig [Kyros II.] aber es gibt auch Keilschriften aus jener Zeit, die von historischen Taten berichten. [Briefmarke der Woche, 20.04.2015, aufgerufen am 15.09.2018]
Ihr Ergebnis lesen die Forscher aus den Keilschriften in Tonscherben, die Menschen vor 2700 Jahren und danach in Babylon hinterlassen haben. [Spiegel, 13.12.2016 (online)]
Schon in Keilschriften der Babylonier oder in ägyptischen Papyrusschriften wird über »Hypnose« berichtet. [Moderne Hypnosetherapie, 29.08.2016, aufgerufen am 14.09.2018]
Während alte Keilschriften oder Pergamente Jahrtausende überstanden haben und selbst Papier Jahrhunderte theoretisch überdauern kann, sind Ton- und Videobänder oder CDs oft nach wenigen Jahrzehnten nicht mehr brauchbar. [Die Zeit, 18.11.1999, Nr. 47]
Unter Umständen kam die Kultur der Babylonier somit aus dem Norden. In einer alten Keilschrift heißt es dazu: Am Oben der Welt steht der Mitternachtsberg […]. [Der Trutzgauer Bote, 16.03.2016, aufgerufen am 15.09.2018] ungewöhnl. Sg.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Keil · Keilschrift · keilen · Keile · Keilerei · verkeilen · Keiler
Keil m. ‘Werkzeug mit spitzwinkliger, scharfer Kante’, ahd. (9. Jh.), mhd. mnd. kīl, wohl verwandt mit anord. kīll, isl. kíll ‘enge Meeresbucht’ (eigentlich ‘schmaler Spalt’), ablautend mnl. kille, nl. kil ‘Rinne zwischen Sandbänken’ gehören zur Wurzel ie. *g̑ēi-, *g̑ī- ‘keimen, sich spalten, aufblühen’ (s. ↗Keim). Es handelt sich wie bei der Variante mhd. kīdel ‘Keil’ um Bildungen mit dem Suffix für Gerätebezeichnungen ie. -tlo- (germ. *kiðla- bzw. *kiþla-), wobei sich die Bedeutung ‘spitz zulaufendes Spaltwerkzeug’ entweder aus der Vorstellung eines spitzen Pflanzenkeimes oder der aufbrechenden Knospe entwickelt. Keilschrift f. Bezeichnung für die aus einer Bilderschrift entstandene, mit keilförmigen Schriftzeichen geschriebene Schrift der Sumerer, Babylonier und Assyrer (19. Jh.). keilen Vb. ‘Keile eintreiben, mit Keilen spalten, festmachen, (ein)schlagen’, mhd. kīlen, auch ‘in die Klemme bringen’, nhd. ‘schlagen’ (um 1600); (sich) keilen ‘(sich) prügeln’ (17. Jh.), verbreitet in der Gauner- und Studentensprache. Keile Plur. heute auch Sing. f., ‘Schläge, Prügel’ (18. Jh.). Keilerei f. ‘Prügelei’ (19. Jh.). verkeilen Vb. ‘mit Keilen festmachen’ (15. Jh.), ‘verprügeln’ (19. Jh.). Keiler m. ‘Wildeber’ (17. Jh.), zu keilen ‘hauen, schlagen’, nach der mit den Hauzähnen ausgeübten Tätigkeit.

Typische Verbindungen zu ›Keilschrift‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Entzifferung Erfindung Hieroglyphe Tontafel altpersisch assyrisch babylonisch entziffern mesopotamisch persisch sumerisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Keilschrift‹.

Zitationshilfe
„Keilschrift“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Keilschrift>, abgerufen am 27.01.2020.

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