Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kessel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kessels · Nominativ Plural: Kessel
Aussprache 
Worttrennung Kes-sel (computergeneriert)
eWDG

Bedeutungen

1.
größeres, zur Aufnahme von Flüssigkeiten bestimmtes Metallgefäß
a)
in bauchiger Form zum Kochen
Beispiele:
ein eiserner, kupferner, dampfender, berußter Kessel
ein Kessel mit Tee, voll Fleischbrühe
der Kessel kocht, brodelt, summt, singt
der Kessel steht auf dem Herd
einen Kessel mit Wasser füllen, aufsetzen
den Kessel aufs Feuer setzen, stellen, vom Feuer nehmen
Suppe aus dem Kessel schöpfen
Essen, Wäsche in großen Kesseln kochen
Man hatte einen rauchigen Kessel über dem Feuer hängen [ C. Hauptm.Einhart2,235]
Menschen, in denen ein Hang zum Bösen rumorte wie das Feuer unter einem Kessel [ MusilMann309]
b)
in langgestreckter Form zur Erzeugung von Dampf
Beispiele:
der Kessel einer Lokomotive, eines Dampfers, der Dampfmaschine
der überhitzte Kessel ist geplatzt, explodiert
den Kessel anheizen
Dampf aus dem Kessel nehmen
das Feuer unter dem Kessel schüren, löschen
c)
in langgestreckter Form zum Transport
Beispiel:
Öl, Benzin in Kesseln auf Eisenbahnwagen befördern
d)
schweizerisch in runder Form zum Tragen, Eimer
2.
von Bergen ringsum eingeschlossenes Tal
Beispiele:
ein enger, tiefer Kessel
das Dorf liegt in einem Kessel
unten im Kessel war ein See
3.
Jägersprache kreisförmiger Platz
a)
im Dachsbau, Fuchsbau, Kaninchenbau
Beispiele:
das Kaninchen grub sich [Dativ] einen geräumigen Kessel
der Jagdhund spürte den Dachs in seinem Kessel auf
b)
Lager der Wildschweine
Beispiel:
der Keiler ruht im Kessel
c)
von den Schützen und Treibern umstelltes Feld bei der Treibjagd auf Hasen
Beispiel:
die Jäger drängten die Hasen in den Kessel
Militär, übertragen Gebiet, in dem der Gegner eingekreist ist
Beispiele:
einen Kessel bilden
aus einem Kessel ausbrechen
den Feind in einem Kessel einschließen, vernichten
Aus dem Kessel [von Stalingrad] ist keiner rausgekommen [ RemarqueZeit zu leben58]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kessel · einkesseln · Kesseljagen · Kesseltreiben
Kessel m. ‘bauchiges Gefäß zum Erhitzen von Flüssigkeiten, gerundete Talsenke, Geländevertiefung’, ahd. keʒʒil (9. Jh.), mhd. keʒʒel ‘Behälter für Flüssigkeiten, Vertiefung’, asächs. ketil, mnd. mnl. kētel, nl. ketel, aengl. cetel, (westsächs.) cietel, anord. ketill (daraus entlehnt engl. kettle), got. katilē (Genitiv Plur.) werden als Entlehnungen aus lat. catillus (Deminutivum von lat. catīnus ‘irdene Pfanne, Napf, flache Schüssel’) betrachtet, das die Germanen als Bezeichnung für den ‘Wasserbehälter der Feuerspritze’ kennenlernen. Auf unmittelbarer Entlehnung aus lat. catīnus beruhen ahd. (9. Jh.), mhd. keʒʒī ‘Kessel’, aber vielleicht auch die oben genannten Formen, die dann auf dem Wege des Suffixtausches das Suffix für Gerätebezeichnungen germ. -ila- angenommen hätten. einkesseln Vb. ‘umzingeln’ (19. Jh.). Kesseljagen n. (18. Jh.), Kesseltreiben n. (19. Jh.) ‘Treibjagd, bei der das Wild eingekreist und in der Mitte zusammengetrieben wird’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Erdfall · Kessel · Krater · Trichter
Technik
Synonymgruppe
Druckbehälter · Kessel
Synonymgruppe
Bottich · Kübel  ●  Eimer  Hauptform · Kessel  schweiz. · Container  fachspr., kaufmännisch
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Schlafplatz (eines Wildschweins)  ●  Kessel  fachspr., Jägersprache
Oberbegriffe
  • Tierbau · Tierwohnung

Typische Verbindungen zu ›Kessel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kessel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kessel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zum Einkochen von Obst sind unverletzte emaillierte Kessel besonders geeignet. [o. A.: Das Lexikon der Hausfrau, Berlin: Ullstein 1937 [1932], S. 159]
Unten vor den Kesseln ist es dann auch viel gemütlicher als sonst. [Traven, B.: Das Totenschiff, Berlin: Büchergilde Gutenberg 1929 [1926], S. 158]
In dieser dicken Bekleidung schickte er ihn zum Arbeiten auf den heißen Kessel. [Berliner Tageblatt (Montags-Ausgabe), 10.02.1902]
Der Weg war stellenweise nicht da, Steine waren darüber hinweggeströmt, und unten lag ein tiefer Kessel. [Tucholsky, Kurt: Ein Pyrenäenbuch. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1927], S. 8293]
Er floß auch noch immer lang durch den ganzen Kessel. [May, Karl: Winnetou IV, Berlin: Neues Leben 1993 [1910], S. 125]
Zitationshilfe
„Kessel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kessel>.

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