Ketzerei, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Ketzerei · Nominativ Plural: Ketzereien
Aussprache
WorttrennungKet-ze-rei
eWDG, 1969

Bedeutung

Religion, abwertend Irrlehre, Häresie
Beispiel:
jmdn. der Ketzerei verdächtigen
übertragen verdammenswerte Meinung
Beispiele:
seine Opposition war Ketzerei
Er würde solche Ansicht ... eine arge sächsische Ketzerei nennen [ZuchardtSpießrutenlauf45]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ketzer · Ketzerei · ketzerisch
Ketzer m. ‘wer die für allein gültig erklärte Lehre der katholischen Kirche leugnet, Abtrünniger, Häretiker’. Mhd. ketzer, kether (Anfang 13. Jh.) ist entlehnt aus spätgriech. Katharó͞i (Καθαροί), spätlat. mlat. Cathari Plur. ‘die Reinen’, zu griech. katharós (καθαρός) ‘rein, sauber’. So nannten sich die Anhänger der größten, auf dem manichäischen Dualismus fußenden mittelalterlichen Sekte, deren Lehren aus dem Osten (besonders von der Balkanhalbinsel) über Italien seit dem 11. Jh. nach Westen vordringen. Ihre massenhafte Verfolgung beginnt im 13. Jh.; ihr Name wird seitdem zur Bezeichnung des Häretikers überhaupt. Die im Nhd. fortlebende Form mhd. ketzer beruht wahrscheinlich auf ital. Vermittlung, vgl. aital. gazaro, gaçaro, gassaro ‘Ketzer’ in obital. Mundarten, ferner in gleichem Sinne mlat. gazari, gazeri, gaçari Plur. Im Mhd. und noch im 16. Jh. steht Ketzer auch für ‘frevelhafter, verworfener Mensch, Sodomit’. Bereits im Mittelalter (vgl. Schreibungen wie obd. kätzer, md. katzer, 15. Jh.) und bis ins 17. Jh. wird die Bezeichnung oft in Zusammenhang mit Katze gebracht, daher auch Katzenmeister für Ketzermeister u. dgl. Ketzerei f. ‘Häresie’, mhd. ketzerīe, ketherīe ‘Ketzerei, Zauberei, unnatürliche Wollust’. ketzerisch Adj. (15. Jh.), vgl. mhd. ketzerlich.

Thesaurus

Synonymgruppe
Irrglaube · ↗Irrlehre · Ketzerei · ↗Ketzertum  ●  ↗Heterodoxie  fachspr. · ↗Häresie  fachspr.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anklage Gotteslästerung Häresie Irrtum Rechtgläubigkeit Verdacht Vorwurf anklagen ausrotten beschuldigen bezichtigen empfinden grenzen ideologisch klingen lutherisch rein verbrennen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Ketzerei‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erstaunlicherweise ist solche Ketzerei bislang nur vereinzelt auf Opposition gestoßen.
Süddeutsche Zeitung, 02.11.1995
Die Kirche selbst sieht in dem Aufblühen der Ketzerei ein weiteres Zeichen für die Nähe des Endes.
Kraft, H.: Apokalyptik. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 22374
Erst zwei Jahre nach seinem Tode wurden 28 seiner Sätze als Ketzerei verdammt.
Florin, Wilhelm: Rosenbergs Mythus und evangelischer Glaube, Gütersloh: Bertelsmann 1934, S. 16
Entwicklungsgläubig hält sich die Richtung Schneiders frei von solchen Ketzereien.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 25907
Obendrein will man ihn in Venedig wegen Unzucht und Ketzerei hinrichten lassen.
Bild, 09.02.2006
Zitationshilfe
„Ketzerei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Ketzerei>, abgerufen am 19.10.2019.

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