Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kinderstube, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kinderstube · Nominativ Plural: Kinderstuben
Aussprache 
Worttrennung Kin-der-stu-be
Wortzerlegung Kind Stube

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [veraltend] Stube, die für die Kinder eingerichtet ist
  2. 2. [übertragen] ⟨eine gute, schlechte Kinderstube⟩ eine gute, schlechte Erziehung im Elternhaus
eWDG

Bedeutungen

1.
veraltend Stube, die für die Kinder eingerichtet ist
Beispiele:
eine helle, saubere Kinderstube
ihre Söhne spielten in der Kinderstube
2.
übertragen eine gute, schlechte Kinderstubeeine gute, schlechte Erziehung im Elternhaus
Beispiele:
eine gute Kinderstube haben, genießen
seine Umgangsformen verraten eine gute Kinderstube
seine gute Kinderstube vergessen
daß ich meine hervorragende Kinderstube keinen Augenblick verleugnen werde [ NollHolt2,165]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kind · Kindheit · kindisch · kindlich · Kindlichkeit · Kindbett · Kindergarten · Kinderhort · Kinderstube · Kindeskind · Kindskopf
Kind n. ‘Nachkomme (Sohn oder Tochter), Junge oder Mädchen’, ahd. kind ‘Kind, Sohn, Nachkomme, junger Mann, Knabe, Zögling’ (8. Jh.), mhd. kint und (als frühe Entlehnungen aus dem Hd., vgl. Simon Sprachmischung im Heliand (1965) 26 ff.) asächs. kind, mnd. mnl. kint, nl. kind führen auf ein mit ie. -to- gebildetes Partizipialadjektiv zur Verbalwurzel ie. *g̑en(ə)- ‘erzeugen, gebären’ (zur Bildungsweise s. auch alt). Germ. Verwandte sind (mit anderer Dentalableitung) anord. kind ‘Geschlecht, Kind, Stamm’, aengl. cynd ‘Geschlecht, Geburt, Art, Gattung’, engl. kind, ablautend anord. kundr ‘Sohn, Verwandter’, kunnr ‘verwandt’, got. -kunds ‘herstammend’ sowie die unter König (s. d.), eigentlich ‘Mann eines (vornehmen) Geschlechts’, behandelten Formen. Außergerm. entsprechen als to-Partizipien, aber in ihrer Form deutlich auf eine zweisilbige Wurzel weisend, aind. jātáḥ, lat. nātus (alat. gnātus) ‘geboren’. Zur Wurzel gehören ferner griech. gígnesthai (γίγνεσθαι) ‘werden, entstehen’, lat. gignere (genitum) ‘(er)zeugen, gebären, hervorbringen’, genus ‘Abstammung, Geschlecht, Gattung, Art und Weise’ (s. Genus und die dort genannten Verwandten). Auf Grund der aus früher Zeit überlieferten Gewohnheit, kniend zu gebären, sowie des Brauches, ein Kind dadurch anzuerkennen, daß es sich der Vater aufs Knie setzt, wird vielfach ursprüngliche Identität der Wurzel ie. *g̑en(ə)- ‘erzeugen, gebären’ und *g̑en(ə)- ‘erkennen, kennen’ (s. können) mit ie. *g̑enu-, *g̑neu- ‘Knie’ (s. Knie) angenommen. Das würde aber den Verbalwurzeln einen denominativen Charakter beilegen, der kaum annehmbar ist. Kindheit f. ‘Lebenszeit des Menschen von der Geburt bis zur Geschlechtsreife’, ahd. kindheiti (8./9. Jh.), kindheit (Hs. 12. Jh.), mhd. kintheit. kindisch Adj. ‘wie ein Kind, albern’, ahd. kindisc ‘kindlich, jung’ (9. Jh.), mhd. kindisch, kindesch, auch schon ‘albern’. kindlich Adj. ‘wie ein Kind’, ahd. kindlīh (11. Jh., zuvor kindlīhho Adv., 9. Jh.), mhd. kintlich; dazu Kindlichkeit f. (18. Jh.). Kindbett n. ‘Wochenbett’, ahd. kindbette (um 1000), mhd. kintbette. Kindergarten m. ‘Kindertagesstätte’, 1840 von F. Fröbel als Bezeichnung für seine Vorschule für kleine Kinder geprägt. Kinderhort m. ‘Tagesstätte für Schulkinder, in der sie die unterrichtsfreie Zeit verbringen’, meist nur Hort (s. d.), 1871 nach dem Vorbild von Kindergarten gebildet. Kinderstube f. ‘Schule’ (15. Jh.), ‘Aufenthaltsraum für Kinder’ (18. Jh.), übertragen ‘gute Manieren, gutes Benehmen’ (19. Jh.). Kindeskind n. ‘Enkel, Nachkomme’, mhd. kindes kint. Kindskopf m. ‘lustig-alberner Mensch, der sich wie ein Kind gebärdet’ (18. Jh.), im 17. Jh. dagegen wie Kinderkopf verwendet.

Typische Verbindungen zu ›Kinderstube‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kinderstube‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kinderstube‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aus der Kinderstube geht es hinaus in ein unbekanntes Reich. [Schulze, Hermann: Frohes Schaffen und Lernen mit Schulanfängern, Langensalza u. a.: Beltz 1939 [1931], S. 4]
Ihre Ehe war in den ersten Jahren kinderlos gewesen, trotz der jederzeit wohlausgerüsteten Kinderstube. [Dohm, Hedwig: Christa Ruland. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 9933]
Ich bleibe dabei: nur eine gute Kinderstube gibt uns Fonds fürs Leben. [Tucholsky, Kurt: Die lebendigen Toten. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1919]]
An der Kinderstube kann es nicht liegen, sie war mindestens ebenso gut wie jene von Kiep. [Die Zeit, 28.05.1982, Nr. 22]
Die junge Dame mit Kinderstube wird einem Manne nicht eher schreiben, bis sie von ihm gehört hat. [Eichler, Lillian: So oder so? In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 20655]
Zitationshilfe
„Kinderstube“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kinderstube>.

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