Kinn, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Kinn(e)s · Nominativ Plural: Kinne
Aussprache
Wortbildung mit ›Kinn‹ als Erstglied: ↗Kinnbacke · ↗Kinnbart · ↗Kinnhaken · ↗Kinnlade · ↗Kinnriemen · ↗Kinnspitze
 ·  mit ›Kinn‹ als Letztglied: ↗Doppelkinn
eWDG, 1969

Bedeutung

rundlicher, etwas vorspringender Höcker in der Mitte des Unterkiefers, unterster Teil des Gesichts
Beispiele:
ein rundes, breites, spitzes, vorstehendes, fliehendes Kinn
ein glattes, stacheliges, stoppeliges, bärtiges Kinn
das Kinn in die Hand stützen
sich [Dativ] (mit der Hand) das Kinn reiben, streichen
er kraulte sich [Dativ] nachdenklich das Kinn
ihm spross der erste Flaum am Kinn
der Boxer traf seinen Gegner genau am Kinn
die Geige ans Kinn setzen, heben
jmdm. unter das Kinn greifen
sich [Dativ] die Decke unter das Kinn ziehen
er war bis zum Kinn zugedeckt
Die Frauen trugen helle Kopftücher, die unter dem Kinn geknotet waren [KasackStadt8]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kinn · Kinnbacke · Kinnbacken · Kinnlade
Kinn n. ‘Gesichtsvorsprung am Unterkieferknochen’. Die zum Teil in andere Deklinationsklassen übergetretenen bzw. (im Dt. und Nl. zum ja-Stamm) weitergebildeten germ. Formen ahd. kinni (9. Jh.), mhd. kinne, kin, asächs. kinni, mnd. mnl. kin, kinne, nl. kin, aengl. cin(n), engl. chin und (mit der jüngeren Bedeutung ‘Wange’) anord. kinn, schwed. kind, got. kinnus weisen im Vergleich mit den außergerm. Formen auf einen ie. u-Stamm, der sich im Got. deutlich erhalten hat. (Das doppelte n in germ. *kennu- ist aus einem überall durchgeführten ursprünglichen -nu̯- obliquer Kasus hervorgegangen.) Zusammen mit den germ. Zeugnissen führen griech. génys (γένυς) ‘Kinn, Kinnbacke’, lat. genuīnus ‘Backenzahn’ (neben umgebildetem lat. gena ‘Wange’), kymr. gen ‘Wange, Kinn’, air. gi(u)n ‘Mund’, aind. (mit sekundärem, ie. g̑h- entsprechendem Anlaut) hánuḥ ‘Kinnbacke’ dazu, ein ursprüngliches Femininum ie. *g̑enu- ‘Kinnbacke, Kinn’ zu erschließen. Offen bleibt, wieweit ein Zusammenhang mit den unter ↗Knie (s. d.) behandelten (im wesentlichen in neutralen Substantiven erscheinenden) Ausgangsformen ie. *g̑enu-, *g̑neu- ‘Knie’ besteht. Semantisch wären die ie. Formen sehr wohl unter einer Grundbedeutung ‘Krümmung’ zu vereinigen. Kinnbacke f. Kinnbacken m. ‘seitlich ans Kinn anschließender Wangenteil’ (s. ↗Backe), ahd. kinnibacko (9. Jh.), mhd. kin(ne)backe. Kinnlade f. ‘(Unter)kiefer’ (18. Jh.), eine anfangs scherzhafte Bezeichnung im Sinne von ‘Zahnbehältnis’ zu ↗Lade ‘Behälter’ (s. d.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufwärtshaken Brust Grübchen Haken Narbe Nase Oberlippe Platzwunde Stirn Unterlippe Wange energisch fliehend gereckt hochgereckt kantig klemmen kratzen kraulen markant rasiert recken reiben spitz unrasiert vorgereckt vorgeschoben vorschieben vorspringend vorstrecken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kinn‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie waren Punk, denn sie wussten nicht immer, was sie taten, dies aber mit hoch gerecktem Kinn.
Die Welt, 21.05.2004
Gerne reckt er das Kinn vor und spitzt den Mund.
Der Tagesspiegel, 06.06.1999
Bis hier - er drückte die Hand unters Kinn, bis hier.
Degenhardt, Franz Josef: Die Abholzung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1985], S. 2
Nur von den Ohren ging ein schmaler Streifen Bart zum Kinn hinunter.
Hermann, Georg [d.i. Borchardt, Georg Hermann]: Jettchen Gebert, Berlin: Fleischel 1919 [1906], S. 9
Er hält die Hände inbrünstig, dicht unter dem erhobenen Kinn gefaltet.
Mann, Thomas: Buddenbrooks, Frankfurt a. M.: Fischer 1989 [1901], S. 396
Zitationshilfe
„Kinn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kinn>, abgerufen am 21.08.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Kinkerlitzchen
Kink
Kingsize
Kinetose
Kinetographie
Kinnbacke
Kinnbart
Kinnhaken
Kinnlade
Kinnpartie