Kippe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kippe · Nominativ Plural: Kippen
Aussprache
WorttrennungKip-pe (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Kippe‹ als Letztglied: ↗Aschenkippe · ↗Laufkippe · ↗Müllkippe · ↗Schwungkippe · ↗Standkippe
eWDG, 1969

Bedeutungen

I.
nur im Singular
umgangssprachlich etw. steht auf der Kippeetw. droht herunterzufallen, umzustürzen
Beispiele:
der Topf steht auf der Kippe
weshalb der Kobyella auf einmal ... den Wäschekorb mit den Briefen und dem toten Mann drauf auf die Kippe stellte (= so stellte, dass er umzustürzen drohte) [GrassBlechtrommel197]
übertragen etw. ist unsicher, gefährdet
Beispiele:
es stand auf der Kippe, ob wir mitmachten oder nicht
das Unternehmen steht auf der Kippe
das Gelingen stand auf der Kippe
II.
Turnen Übung, wobei der am Gerät Hängende die Beine gerade nach vorn hebt und sich dann mit der Hüfte einen Schwung nach rückwärts gibt, sodass er im Stütz landet
Beispiel:
eine Kippe am Reck, Barren
III.
Bergmannssprache Stelle, wo umfangreicher Abraum gelagert wird
Beispiele:
die großen Kippen eines Braunkohlentagebaus
eine Kippe aufforsten, kultivieren
auf die Kippe fahren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kippen · Kippe1 · Kipper1 · Kipper2 · kipp(e)lig · kippeln
kippen Vb. ‘in schräge Stellung bringen, beinahe umstürzen’, ein nd. md. Wort ungeklärter Herkunft, in hd. Texten seit dem 17. Jh. belegt. Deutungsversuche bringen nd. md. kippen mit mnl. kippen ‘fangen’ (nl. kippen ‘umstürzen’ aus dem Dt.) und anord. kippa ‘reißen, rücken’ zusammen und stellen diese mit air. scibiud ‘rücken’, lett. šk̦eberēt ‘wanken, taumeln’ zur Wurzel ie. *gei- ‘drehen, biegen’. Oder man sieht, da die genannten verwandtschaftlichen Beziehungen problematisch sind, in dem Verb eine lautnachahmende Bildung. Auch Ableitung von md. nd. Kippe1 f. ‘Spitze, Kante’ (hd. Kipfe), vgl. nd. (mundartlich) kippen ‘die Spitze abschneiden, abhauen’, wird erwogen, ohne daß damit eine etymologische Zuordnung gegeben ist. Als Rückbildung aus dem Verb wird nd. md. Kippe literatursprachlich in den Wendungen auf der Kippe stehen, auf die Kippe stellen ‘so stehen oder stellen, daß das Gleichgewicht gefährdet ist’ (18. Jh.) und in der Turnersprache ‘Aufschwung in den Stütz’; dazu (im Bergbau) ‘Lagerstelle für Abraum’ (19. Jh.). Hierher wohl auch Kippe für ‘Endstück einer Zigarette, Zigarettenstummel’ (um 1920). Kipper1 m. ‘Münzverschlechterer’ (17. Jh.), besonders in der Fügung Kipper und Wipper (17. Jh.); vgl. Kippe ‘Goldwaage, waageartige Vorrichtung für Münzen’ (17. Jh.), kippen ‘Gold wiegen’, wippen ‘mit der Waage (Wippe) auswägen’ (15. Jh.). In der verstärkenden Doppelung vielleicht ‘wer schwere, vollwichtige Münzen auswägt, aussondert, um sie in leichtere umzuschmelzen’. Oder ‘wer beschnittene und daher nicht vollwichtige Münzen mit Schwung in die Waagschale wirft, damit diese schnell nach unten gedrückt wird und das volle Gewicht zu erbringen scheint’? Später wird kippen (im Anschluß an die oben genannte Bedeutung) jedenfalls im Sinne von ‘(den Münzrand) abzwacken’ und Kipper als ‘Münzbeschneider’ verstanden. Kipper2 m. ‘Transportfahrzeug mit kippbarem Laderaum’ (20. Jh.). kipp(e)lig Adj. ‘leicht umstürzbar, nicht fest stehend’ (19. Jh.); vgl. kippeln Vb. ‘hin und her wackeln’ (19. Jh.), Iterativbildung zu kippen.

Kippe2 (ohne erkennbares Genus) ‘Gemeinschaft, kameradschaftliche Teilung’, in Kippe machen ‘gemeinsame Sache, Halbpart machen, die Beute teilen’, aus der Gaunersprache (19. Jh.); vielleicht aus jidd. kübbo ‘(Schlaf)kammer’, vgl. Wolff Rotw. (1993) 165.

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
Zigarette  ●  ↗Fluppe  ugs. · ↗Glimmstängel  ugs. · Kippe  ugs. · ↗Lulle  ugs. · ↗Lunte  ugs. · ↗Pyro  ugs., negativ · ↗Sargnagel  ugs., scherzhaft-ironisch · ↗Tschick  ugs., österr. · Zichte  ugs. · Ziese  ugs. · Zigi  ugs., schweiz. · ↗Zippe  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (ne) Selbstgedrehte  ●  (eine) Marke Eigenbau  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Deponie · ↗Mülldeponie · ↗Müllhalde · ↗Müllkippe · ↗Müllplatz · ↗Schuttabladeplatz · ↗Schuttplatz  ●  Kippe  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Asche Aschenbecher Bierdose Bierflasche Drehen Kaugummi Kippe Klo Lippe Mund Mundwinkel Scherbe Wegwerfen Zigarettenschachtel abgeraucht aufsammeln ausgedrückt ausgetreten balancieren brennend glimmen glimmend glühend schnippen stehen stinkend weggeworfen wegschnippen wegwerfen wiederstehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kippe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Raucht sie halb, wirft sie ebenfalls aus dem Fenster, die Kippe.
Braun, Marcus: Hochzeitsvorbereitungen, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 114
Vor einem Jahr stand die Ehe der Brinks auf der Kippe.
Bild, 10.07.2001
Das ist ein harter Job, und manchmal steht da was auf der Kippe.
Der Tagesspiegel, 12.02.2001
Ich stecke mir eine Kippe an, gehe ans Fenster, sehe den beiden nach.
Lenz, Siegfried: Deutschstunde, Hamburg: Hoffmann u. Campe 1997 [1968], S. 618
Sonst hatte Helene von der Hohen Kippe das umliegende Land wie das kreisende Heranfluten von Wogen empfunden.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 398
Zitationshilfe
„Kippe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kippe#1>, abgerufen am 23.04.2019.

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Kippe, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kippe · Nominativ Plural: Kippen
Aussprache
WorttrennungKip-pe (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

umgangssprachlich Zigarettenstummel
Beispiele:
eine Kippe wegwerfen
eine Kippe auf dem Fußboden austreten
der Aschenbecher war voller Kippen
er ... hat die Kippen in der Pfeife geraucht [BöllZug19]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kippen · Kippe1 · Kipper1 · Kipper2 · kipp(e)lig · kippeln
kippen Vb. ‘in schräge Stellung bringen, beinahe umstürzen’, ein nd. md. Wort ungeklärter Herkunft, in hd. Texten seit dem 17. Jh. belegt. Deutungsversuche bringen nd. md. kippen mit mnl. kippen ‘fangen’ (nl. kippen ‘umstürzen’ aus dem Dt.) und anord. kippa ‘reißen, rücken’ zusammen und stellen diese mit air. scibiud ‘rücken’, lett. šk̦eberēt ‘wanken, taumeln’ zur Wurzel ie. *gei- ‘drehen, biegen’. Oder man sieht, da die genannten verwandtschaftlichen Beziehungen problematisch sind, in dem Verb eine lautnachahmende Bildung. Auch Ableitung von md. nd. Kippe1 f. ‘Spitze, Kante’ (hd. Kipfe), vgl. nd. (mundartlich) kippen ‘die Spitze abschneiden, abhauen’, wird erwogen, ohne daß damit eine etymologische Zuordnung gegeben ist. Als Rückbildung aus dem Verb wird nd. md. Kippe literatursprachlich in den Wendungen auf der Kippe stehen, auf die Kippe stellen ‘so stehen oder stellen, daß das Gleichgewicht gefährdet ist’ (18. Jh.) und in der Turnersprache ‘Aufschwung in den Stütz’; dazu (im Bergbau) ‘Lagerstelle für Abraum’ (19. Jh.). Hierher wohl auch Kippe für ‘Endstück einer Zigarette, Zigarettenstummel’ (um 1920). Kipper1 m. ‘Münzverschlechterer’ (17. Jh.), besonders in der Fügung Kipper und Wipper (17. Jh.); vgl. Kippe ‘Goldwaage, waageartige Vorrichtung für Münzen’ (17. Jh.), kippen ‘Gold wiegen’, wippen ‘mit der Waage (Wippe) auswägen’ (15. Jh.). In der verstärkenden Doppelung vielleicht ‘wer schwere, vollwichtige Münzen auswägt, aussondert, um sie in leichtere umzuschmelzen’. Oder ‘wer beschnittene und daher nicht vollwichtige Münzen mit Schwung in die Waagschale wirft, damit diese schnell nach unten gedrückt wird und das volle Gewicht zu erbringen scheint’? Später wird kippen (im Anschluß an die oben genannte Bedeutung) jedenfalls im Sinne von ‘(den Münzrand) abzwacken’ und Kipper als ‘Münzbeschneider’ verstanden. Kipper2 m. ‘Transportfahrzeug mit kippbarem Laderaum’ (20. Jh.). kipp(e)lig Adj. ‘leicht umstürzbar, nicht fest stehend’ (19. Jh.); vgl. kippeln Vb. ‘hin und her wackeln’ (19. Jh.), Iterativbildung zu kippen.

Kippe2 (ohne erkennbares Genus) ‘Gemeinschaft, kameradschaftliche Teilung’, in Kippe machen ‘gemeinsame Sache, Halbpart machen, die Beute teilen’, aus der Gaunersprache (19. Jh.); vielleicht aus jidd. kübbo ‘(Schlaf)kammer’, vgl. Wolff Rotw. (1993) 165.

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
Zigarette  ●  ↗Fluppe  ugs. · ↗Glimmstängel  ugs. · Kippe  ugs. · ↗Lulle  ugs. · ↗Lunte  ugs. · ↗Pyro  ugs., negativ · ↗Sargnagel  ugs., scherzhaft-ironisch · ↗Tschick  ugs., österr. · Zichte  ugs. · Ziese  ugs. · Zigi  ugs., schweiz. · ↗Zippe  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • (ne) Selbstgedrehte  ●  (eine) Marke Eigenbau  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Deponie · ↗Mülldeponie · ↗Müllhalde · ↗Müllkippe · ↗Müllplatz · ↗Schuttabladeplatz · ↗Schuttplatz  ●  Kippe  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Asche Aschenbecher Bierdose Bierflasche Drehen Kaugummi Kippe Klo Lippe Mund Mundwinkel Scherbe Wegwerfen Zigarettenschachtel abgeraucht aufsammeln ausgedrückt ausgetreten balancieren brennend glimmen glimmend glühend schnippen stehen stinkend weggeworfen wegschnippen wegwerfen wiederstehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kippe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Raucht sie halb, wirft sie ebenfalls aus dem Fenster, die Kippe.
Braun, Marcus: Hochzeitsvorbereitungen, Berlin: Berlin Verlag 2003, S. 114
Vor einem Jahr stand die Ehe der Brinks auf der Kippe.
Bild, 10.07.2001
Das ist ein harter Job, und manchmal steht da was auf der Kippe.
Der Tagesspiegel, 12.02.2001
Ich stecke mir eine Kippe an, gehe ans Fenster, sehe den beiden nach.
Lenz, Siegfried: Deutschstunde, Hamburg: Hoffmann u. Campe 1997 [1968], S. 618
Sonst hatte Helene von der Hohen Kippe das umliegende Land wie das kreisende Heranfluten von Wogen empfunden.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 398
Zitationshilfe
„Kippe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kippe#2>, abgerufen am 23.04.2019.

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