Kirchensprache, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kirchensprache · Nominativ Plural: Kirchensprachen
WorttrennungKir-chen-spra-che
WortzerlegungKircheSprache
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutung

in der Kirche und in religiösem (1) Kontext verwendete Varietät einer Sprache (1), die sich insbesondere durch einen speziellen Wortschatz auszeichnet; die lateinische Sprache als die über Jahrhunderte in der katholischen Messe verwendete Sprache
Beispiele:
Während römische Christenheit und Latinität bald eine Symbiose eingingen, vernahmen die Christen des Ostens die Botschaft Jesu in vielen verschiedenen Idiomen. Syrisch, eine jüngere Stufe des Aramäischen, dessen sich Jesus ebenso wie die Verwaltungen der persischen Großkönige bediente, gehörte zu den wichtigsten Kirchensprachen. Koptisch als jüngste Stufe des Ägyptischen, wurde am Nil gepredigt. Die Schrift des Altnubischen im Sudan war eine Mischung aus griechischen und koptischen Zeichen. Sogar die Sprache der arabischen Eroberer wurde zur Wiedergabe religiöser Zeugnisse genutzt. [Die Welt, 20.07.2017]
Obwohl seit Jahrhunderten zu Rom gehörig, hielt sie [die orientalischen Kirche] an ihren byzantinischen Wurzeln fest, was sich auch in den von den Melkiten gepflegten Kirchensprachen Arabisch, Griechisch und Aramäisch äussert. [Neue Zürcher Zeitung, 27.12.2002]
Auf die lateinische Kirchensprache geht zurück der kölnische Ausdruck »Er ist ripsch« (von R.i.p., eine oft auf Grabinschriften zu findende Abkürzung von »Requiescat in pace«). [Röhrich, Lutz: zeitlich. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 7162. Zitiert nach: Röhrich, Lutz: zeitlich. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Freiburg u. a.: Herder 1994 [1973].]
Gegenüber den liturgischen Entscheidungen des Tridentiner Konzils bietet die Konstitution einen wesentlichen Neuansatz, in dessen Mittelpunkt die Neuordnung von Messe und Offizium steht; um ein tieferes Verständnis und einen sinnvolleren Mitvollzug der Liturgie unter den Gläubigen zu fördern, seien nunmehr neben dem Latein (als der offiziellen Kirchensprache) auch die Volkssprachen zugelassen. [o. A.: V. In: Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 10838. Zitiert nach: o. A.: V. In: Dahlhaus, Carl u. Eggebrecht, Hans Heinrich (Hgg.) Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Mainz: Schott 1989.]
867 billigte Papst HADRIAN II. die Verbreitung der slawischen Kirchensprache unter den slawischen Völkern; 880 bestätigte Papst JOHANNES VIII. diese Entscheidung mit einer Bulle. [Archiv der Gegenwart, 2001. Zitiert nach: Archiv der Gegenwart, 1980, Bd. 50.]
Wales wurde 1284 von England erobert; Heinrich VIII. legte ihm später die Reformation und das Englische als Kirchensprache auf[…]. [o. A. [bo.]: United Kingdom. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000. Zitiert nach: Süddeutsche Zeitung, 10.08.1976.]
Latein bleibt offizielle Kirchensprache, doch kann im Umgang mit der Kurie jede andere »angemessen verbreitete« Sprache verwendet werden. [Archiv der Gegenwart, 2001. Zitiert nach: Archiv der Gegenwart, 1967, Bd. 37.]

Typische Verbindungen zu ›Kirchensprache‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

lateinisch slawisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kirchensprache‹.

Zitationshilfe
„Kirchensprache“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kirchensprache>, abgerufen am 20.01.2020.

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