Kirmes, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kirmes · Nominativ Plural: Kirmessen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [ˈkɪʁməs]
Worttrennung Kir-mes
Wortbildung  mit ›Kirmes‹ als Erstglied: Kirmeskuchen · Kirmesorgel
eWDG und ZDL

Bedeutung

D-Mittelwest , D-Mittelost , D-Nordwest regelmäßig, meist jährlich stattfindendes Volksfest mit Verkaufsständen, Buden (1 b), Fahrgeschäften (1) und sonstigen Vergnügungsbetrieben
Kollokationen:
hat Präpositionalgruppe/-objekt: eine Kirmes mit Riesenrad, Karussell
Beispiele:
zur Kirmes gehenWDG
Dass der DGB (= Deutsche Gewerkschaftsbund) sich […] klar gegen Sonntagsarbeit im Einzelhandel und damit auch gegen verkaufsoffene Sonntage positioniere, müsse doch ganz im Sinne der Schausteller sein. »Der freie Sonntag ist ein letztes Stück kollektiver Freizeit, in der zum Beispiel Familien gemeinsam zur Kirmes gehen können. […]«, heißt es in der Pressemitteilung. […] Denn nur wer sonntags nicht arbeite, könne sonntags eine Kirmes besuchen. [Allgemeine Zeitung, 20.03.2019]
Es tut sich was auf Tauchas Festwiese: Mit Trucks und Kränen ist Schausteller Olaf L[…] dabei, Fahrgeschäfte und diverse Buden aufzustellen, denn von Freitag bis Sonntag soll hier die mittlerweile traditionelle Kirmes der Parthestadt stattfinden. [Leipziger Volkszeitung, 01.10.2020]
Neben dem traditionellen Autoscooter oder der Time Machine – einem Fahrgeschäft für besonders wagemutige Gäste – werden auch ein Kinderkarussell sowie Los‑ und Schießbuden die Kirmes bereichern. [Rhein-Zeitung, 06.08.2020]
Passiert sei das Ganze [der erste Zungenkuss des Mittvierzigers] 1979 mit einem Mädchen aus seinem Heimatdorf beim Autoscooter auf der Kirmes im oberbayerischen Manching. Auch welches Lied dabei lief, weiß der 46‑Jährige noch – »Living Next Door To Alice« von Smokie. [Der Prignitzer, 04.04.2014]
Aus einer ursprünglichen Koppelung von Kirchenfest und Markttag hervorgegangen – auch die Bezeichnungen Kirmes (Kirchmesse) oder Kirta (Kirchtag) für derartige Veranstaltungen weisen auf eine solche Verbindung hin –, haben die Dulten heute nur noch rein weltlichen Charakter: als Verkaufs‑ und Trödelmarkt für Kunst und Kitsch, Geschirr und Kräuterextrakte, Bratwürstln und Fischsemmeln. [Dult. In: Aktuelles Lexikon 1974–2000. München: DIZ 2000 [1975]]
spezieller, D-Mittelwest Synonym zu Kirchweih, siehe auch Kirchweihe
Beispiele:
Da eine Kirmes ein Kirchweihfest ist, darf ein Gottesdienst natürlich nicht fehlen. [Rhein-Zeitung, 14.08.2020]
Das Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm kennt die Althochdeutsche Bezeichnung »chirihwîhî«. Zunächst bezog sich die Kirchweihe auf die einmalige Konsekration eines Gotteshauses. Später war damit laut Duden auch das Volksfest zur Erinnerung an die Kirchweihe gemeint. Die »Kirmes« aus dem Sprachraum Mitteldeutschlands ist genau den gleichen Weg gegangen – es handelt sich um eine Verkürzung der Kirchmesse. [Luzerner Zeitung, 16.10.2019]
Wussten Sie eigentlich, dass … Kirchweihe bzw. das Kirchweihfest, in Deutschland meist mit regionalen Bezeichnungen wie Kirmes, Kerwe, Kärwa, Kilbi bezeichnet, in Österreich und Bayern Kirtag oder Kirchtag, schweizerdeutsch Kilbi oder Chilbi, seit dem Mittelalter als religiöses Fest anlässlich der Kirchweihe eines christlichen Kirchengebäudes gefeiert wird? [Südkurier, 29.10.2014]
Auch diejenigen kamen am Sonntag auf ihre Kosten, für die vor allem die ursprüngliche, religiöse Bedeutung der Kirmes zählt. Beim vom Kinderchor St. Martin untermalten Hochamt mit Pfarrer Thomas B[…] und Pfarrer Armin S[…] in der Pfarrkirche ging es […] um die Kirche als Ort der Begegnung und des Nachdenkens. [Rhein-Zeitung, 10.09.2012]
Zum religiösen Brauchtum der Marpinger Kirmes gehört auch die Lichterprozession mit anschließender Andacht, die vom Marktplatz zur Marienkapelle im Härtelwald führt. [Saarbrücker Zeitung, 10.08.2012]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kirmes f. ‘Kirchweihfest’. Der besonders im Md. seit dem 15. Jh. auftretende Ausdruck beruht auf mhd. kirmesse, mnd. kermisse, einer Verkürzung von Zusammensetzungen, die etwa mit nhd. *Kirchmesse, *Kirchweihmesse verdeutlicht werden können. Die Bedeutungsentwicklung verläuft von ‘Messe zur Kirchweihe’ über ‘Gedächtnisfest am Jahrestag der Kirchweihe’ bis zu ‘Volksfest, Jahrmarkt’ am Gedächtnistag der Weihe.

Thesaurus

Synonymgruppe
Dorffest · Jahrmarkt · Kirchweih · Kirmes · Markt · Volksfest  ●  Dult  bayr., österr. · Kirchtag  süddt. · Kirtag  österr., bayr. · Hoggedse  ugs., schwäbisch · Kerwe  ugs. · Rummel  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Kemmes (Nassau) · Kier (Spessart)  ●  Kerb  westdeutsch · Kerm  unterfränkisch · Kermes  westdeutsch · Kerms  thüringisch · Kermst  thüringisch · Kerwa  fränk. · Kerwe  pfälzisch · Kiada  südoberpfälzisch · Kirb  westdeutsch · Kirbe  pfälzisch · Kirchweih  Hauptform · Kirmse  thüringisch · Kirwa  ostfränkisch · Käada  südoberpfälzisch · Kärms  thüringisch · Kärmst  thüringisch · Kärwa  fränk. · Kärwe  pfälzisch · Kirmes  ugs., Hauptform
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Kirmes‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kirmes‹.

Zitationshilfe
„Kirmes“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kirmes>.

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