Klaue, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Klaue · Nominativ Plural: Klauen
Aussprache
Wortbildung mit ›Klaue‹ als Erstglied: ↗Klauenkupplung · ↗Klauenpfleger · ↗Klauenseuche · ↗Klauenvieh · ↗klauenartig · ↗klauenförmig · ↗klauenlos
 ·  mit ›Klaue‹ als Letztglied: ↗Afterklaue
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Teil vom Fuß des Tieres
a)
verhornte Zehe, Huf der Wiederkäuer und Schweine
Beispiel:
die Klauen des Hirsches, der Ziege
b)
Kralle des Haarraubwildes und der Raubvögel
Beispiele:
die Klauen des Löwen, Tigers
die scharfen Klauen des Adlers waren tief in sein Fleisch gedrungen
der Vogel hielt einen Fisch in seinen Klauen
2.
übertragen
a)
salopp, derb, abwertend Hand
Beispiel:
nimm deine schmutzigen Klauen da weg!
b)
meist im Plural
abwertend Gewalt
Beispiele:
die Klauen des Todes
in jmds. Klauen sein, geraten
jmdn. in den Klauen haben
jmdm. in die Klauen fallen
Hätte ich mich damals nicht aus den Klauen der Gestapo frei machen können [BrugschArzt340]
3.
salopp, abwertend Handschrift
Beispiele:
er hat eine schreckliche, fürchterliche Klaue
hast du eine Klaue! (= schlechte, unleserliche Handschrift!)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Klaue · Klauenseuche · klauen
Klaue f. ‘verhornte Zehe, Huf (der Paarhufer), Kralle (der Raubvögel)’. Auf germ. *klēw- beruhen ahd. klāwa (9. Jh.), mhd. klā(we), mnd. klā ‘Kralle, Pfote, Tatze, Hornteil des gespaltenen Tierfußes’; auf germ. *klauw- bzw. *klaw- führen mnd. klauwe, mnl. clauw, nl. klauw, aengl. clēa (engl. mundartlich clee), dazu als Neubildung aus den obliquen Kasus aengl. clawu, engl. claw; germ. *klōw- setzen ahd. klōa (um 800), anord. klō, schwed. klo voraus. Außergerm. vergleichen sich aind. gláuḥ ‘Ballen, kropfartiger Auswuchs’, griech. gínglymos (γίγγλυμος) ‘Knochengelenk des Ellenbogens und Oberarms, Türangel’, glūtós (γλουτός) ‘Hinterbacke, Gesäß’, wahrscheinlich auch air. glūn ‘Knie’ sowie lit. gliaumaĩ ‘Schleim’, (älter) glaumas ‘was beim Schleifen an schleimiger Substanz vom Stein abgeht’. Daraus ist ie. *gleu- erschließbar, eine Weiterbildung der unter ↗Kolben (s. d.) angeführten, vielfach erweiterten Wurzel ie. *gel- ‘(sich) ballen, Gerundetes, Kugeliges’ (s. ↗Kloß, ↗Klotz, ↗Knäuel), und Klaue ist danach als ‘die sich Ballende, Zusammendrückende’ zu verstehen. Für entsprechende Werkzeuge im Sinne von ‘Greifer, Haken’ steht Klaue seit dem 16. Jh., geringschätzig scherzhaft für ‘Fingernagel, Finger, Hand’ seit dem 17. Jh.; von daher übertragen ‘schlechte Handschrift’ (Mitte 19. Jh.). Klauenseuche f. (18. Jh.), heute meist Maul- und Klauenseuche, durch Viren hervorgerufene Krankheit der Wiederkäuer mit Bläschenbildung an Maul, Klauen und Euter. klauen Vb. ‘stehlen’. Auszugehen ist von der alten (heute noch in den Mundarten bewahrten) Bedeutung ‘mit den Klauen fassen, packen, kratzen, krauen, krabbeln’ in ahd. klāwen, klouwen (9. Jh.), mhd. klöuwen, mnd. klouwen, frühnhd. kläuen, kleien, mnl. clouwen, aengl. clāwian, anord. klā. Aus ‘mit den Klauen packen, fassen’ entwickelt sich mundartlich ‘stehlen’ (19. Jh., vielleicht älter).

Thesaurus

Synonymgruppe
Handschrift · ↗Schreibweise  ●  Klaue  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Klaue · ↗Pfote · ↗Pranke · ↗Tatze
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(schlecht leserliche) Handschrift  ●  ↗Gekrakel  ugs. · ↗Gekritzel  ugs. · ↗Geschmier  ugs. · ↗Geschmiere  ugs. · ↗Geschreibsel  ugs. · ↗Gesudel  ugs. · Hieroglyphen  ugs., fig. · Klaue  ugs. · ↗Pfote  ugs. · ↗Sauklaue  ugs. · ↗Sudelarbeit  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Adler Befreiung Bein Bestie Doping Drache Erpresser Flucht Hörner Justiz Löwe Nazi Schnabel Ungeheuer Zahn befreien eisern entreißen mächtig reißen retten scharf stählern verteidigen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Klaue‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So sei etwa ein Fuß mit allen Zehen und Klauen überaus gut erhalten.
Die Welt, 28.12.2005
Der rechte Fuß verkrampft, die linke Hand zur Klaue geformt.
Die Zeit, 12.09.2012, Nr. 17
Dort hat ihn die Kirche fest in den Klauen, ebenso wie seinen Biographen.
Der Tagesspiegel, 13.04.2001
Insgesamt ist jedoch noch nicht allzuviel von der berühmten späteren "Klaue des Löwen" zu spüren.
Völkischer Beobachter (Berliner Ausgabe), 05.03.1940
Das Reich scheint somit auf alle Fälle den Klauen des Privatkapitals ausgeliefert zu sein.
Rote Fahne (Morgen-Ausgabe), 15.12.1921
Zitationshilfe
„Klaue“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Klaue>, abgerufen am 15.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Klaubruder
Klaubholz
Klauberei
Klauber
klauben
klauen
klauenartig
Klauenbeil
Klauenbeschlag
klauenförmig