Klaviatur, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Klaviatur · Nominativ Plural: Klaviaturen
Aussprache
WorttrennungKla-vi-atur · Kla-via-tur
HerkunftLatein
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2016

Bedeutungen

1.
bei Tasteninstrumenten   Gesamtheit der Tasten
Beispiele:
Heute bringt er [der Pianist], wo immer er auftritt, immer noch seine eigenhändig angepaßten Klaviaturen zum Einbau mit, historisch dem jeweiligen Werk adäquat, akustisch dem jeweiligen Saal angemessen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2006]
bildlich Londons Bürgermeister ist ein Meister darin, auf der Klaviatur des Populismus zu spielen. [Spiegel, 06.03.2016 (online)]
Umso mehr blitzte sein [Brad Mehldaus] Können im empathischen Mitspielen auf – […] wenn er Cluster und Akkorde sanft aus der Klaviatur presste[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 29.01.2016]
[…] der Mann mit dem Hut greift voll in die Tasten auf der großen Klaviatur. [Bild, 31.05.2002]
Er kann mit fünf Jahren Klavier spielen und sucht sich mit seinen kleinen Fingern auf der Klaviatur Melodien zusammen, die noch nie jemand gehört hat[…]. [Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 113]
Klaviatur (vom lat. clavis, Schlüssel) oder Tastatur, die Tastenreihen der Tasteninstrumente, bes. des Klaviers. [o. A.: K. In: Brockhausʼ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 35856]
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: Töne, eine Taste, ein Virtuose auf der Klaviatur; auf der Klaviatur klimpern
als Genitivattribut: die Tasten einer Klaviatur
2.
Vielfalt, breite Skala der Möglichkeiten, Spielarten, Formen von etw.
Beispiele:
Vier Jahre nach dem Beitritt zur Welthandelsorganisation beherrscht China die Klaviatur von Annäherung und Abschottung, von Zugeständnis und Drohung nahezu perfekt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2006]
Im zeitgemäßen Fußball ist die Beherrschung der gesamten Klaviatur [von Spielzügen] gefordert. [Bild am Sonntag, 19.09.2004]
[…] Shirley MacLaine beherrscht die Klaviatur der feinsten Gefühlsnuancen, der Stimmungsschwankungen mit atemberaubender Sicherheit. [Süddeutsche Zeitung, 31.12.1994]
Der erzwungene Klinikaufenthalt ist die letzte Stufe einer »ganzen Klaviatur von Ausstiegshilfen« […], mit denen städtische Sozialarbeiter und Gesundheitsbeamte seit Jahren Aids-Infizierte vom Frankfurter Straßenstrich holen wollen. [Der Spiegel, 07.12.1987]
Böcklins Kunst berührt aber nun – und hierin zumal wird man die ganze Größe seines Schöpfertumes begreifen müssen – auf einer sehr viel weiter ausgreifenden Klaviatur das Gefühl. [Beenken, Hermann: Das Neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst, München: Bruckmann 1944, S. 190]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: die ganze, gesamte Klaviatur [der Möglichkeiten, Gefühle etc.]
als Akkusativobjekt: die Klaviatur [von etw.] beherrschen, spielen
in Präpositionalgruppe/-objekt: auf der Klaviatur [von etw.] spielen
mit Genitivattribut: die Klaviatur der Gefühle, Emotionen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Klavier · Klaviatur · Klavichord
Klavier n. Musikinstrument, bei dem die Saiten durch mit Tasten verbundene Filzhämmerchen angeschlagen werden. Anfang des 16. Jhs. wird frz. clavier ‘Tastenreihe, Tastenbrett’ (zunächst der Orgel) übernommen und bezeichnet die ‘Gesamtheit der Tasten’, die ‘Klaviatur’. In der 2. Hälfte des 17. Jhs. wird die Bezeichnung auf das ganze Instrument übertragen, die Bedeutung ‘Tastatur’ übernimmt Klaviatur f. (18. Jh.). In der allgemeinen Bedeutung ‘Saiteninstrument mit Tastatur’ kann Klavier bis Ende des 18. Jhs. sowohl für Klavichord (s. unten) wie für Klavizimbel (s. ↗Cembalo) stehen; seit der 2. Hälfte des 18. Jhs. gilt es auch für Pianoforte bzw. Fortepiano (s. ↗Piano) und wird indieser Verwendung (also zur Bezeichnung des Hammerklaviers) im 19. Jh. alleinherrschend. Mfrz. frz. clavier stellt sich zu frz. clef ‘Schlüssel, Taste’, aus lat. clāvis ‘Schlüssel, Riegel’, mlat. ‘Schlüssel zum Ventil der Orgelpfeife’ und ‘Taste’; wie andere Ableitungen bewahrt es das a der lat. Stammsilbe in vortoniger Stellung. Klavichord n. Vorform des Klaviers (Saitenanschlag durch Metallplättchen). Nlat. clavicordium, eine Bildung zu lat. clāvis (s. oben) und lat. chorda ‘Darmsaite’ (s. ↗Kordel), erscheint im 15. Jh. in dt. Texten, wird aber erst im 18. Jh. eingedeutscht.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bandbreite · ↗Buntheit · Klaviatur · ↗Palette · ↗Reichtum (an) · ↗Spektrum
Synonymgruppe
Klaviatur · ↗Manual · ↗Tastatur · ↗Tastenfeld

Typische Verbindungen
computergeneriert

Diplomatie Emotion Gefühl Macht Mediengesellschaft Medium Sehnsucht Spiel Taste Ton Umfang Virtuose anschlagen bedienen beherrschen bespielen ganz gesamt klimpern mitspielen spielen Öffentlichkeitsarbeit

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Klaviatur‹.

Zitationshilfe
„Klaviatur“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Klaviatur>, abgerufen am 13.10.2019.

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