Kleinkunst, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kleinkunst · Nominativ Plural: Kleinkünste · wird selten im Plural verwendet
WorttrennungKlein-kunst
WortzerlegungkleinKunst
Wortbildung mit ›Kleinkunst‹ als Erstglied: ↗Kleinkunstbühne
DWDS-Vollartikel, 2016

Bedeutungen

1.
Theater Genre künstlerischer Darbietungen mit geringem personellem, gestalterischem und technischem Aufwand und meist auf kleiner Bühne   Oberbegriff für Kabarett, Comedy, Chanson, Puppenspiel, Pantomime, Stegreifkomödie, Rezitation (Lesung), Marionettentheater usw.
Beispiele:
Das Theater öffnete sich für die englische Comedy, für die gehobene Kleinkunst, fürs literarische, politische und bitterböse Kabarett. [Neue Zürcher Zeitung, 08.12.2002]
Für die Dauer eines Monats wird ein reichhaltiges Programm an Kleinkunst geboten. [Der Standard, 15.07.2014]
Unterhalten sich die Nachtschwärmer an den Saône-Ufern mit typisch französischer Kleinkunst wie Cabarets und Chansonsabenden, locken an der Rhône eher Bars und Diskotheken […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.04.2004]
Im Asamtheater und im Lindenkeller gastieren regelmäßig Hochkaräter aus den Genres Musik, Kleinkunst und Theater. [Süddeutsche Zeitung, 13.02.2004]
Bis es soweit war [bis zur Preisverleihung], hatten Jury und […] Publikum Darbietungen höchst unterschiedlicher Qualität und Genres der Kleinkunst zu beurteilen. [Süddeutsche Zeitung, 05.07.1999]
Seit mehr als vier Jahren werden nun schon Varietés, Kleinkünste und Shows unterschiedlichster Form und Künstler unter demselben Dach dargeboten, wo damals die ersten Männerfang-Abende stattfanden […]. [bambiszeen.wordpress.com, 21.05.2014] ungewöhnl. Pl.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: lyrische Kleinkunst
in Koordination: Comedy, Kabarett, Lesungen, Musik, Theater, Kleinkunst
als Akkusativobjekt: Kleinkunst machen, bieten
in Präpositionalgruppe/-objekt: eine Bühne für Kleinkunst
2.
Kunst kleinere, bewegliche Kunstgegenstände
Beispiele:
An der Rahlstedter Straße […] hat er seit 20 Jahren seinen Antiquitätenladen, liefert Möbel und Kleinkunst in die ganze Welt. [Bild, 22.09.2005]
Zur Zeit sind […] rund neunzig Skulpturen und etwa dreihundert Werke antiker Kleinkunst wie Vasen und Bronzen in der prächtigen Antikenhalle des Albertinums ausgestellt […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2002]
Ende des 19. Jahrhunderts noch einmal umfassend restauriert, bietet es neben diversen Möbeln, Vasen und anderer Kleinkunst schwedischer Geschichte auch die größte Porträtsammlung des Landes. [Der Tagespiegel, 14.09.2001]
Er prüft mit größter Gewissenhaftigkeit das ganze Material, […] Katakombenmalereien, Sarkophagplastik und frühchristliche Kleinkunst […]. [Kölnische Volkszeitung und Handelsblatt (Morgenausgabe), 10.01.1928]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: antike Kleinkunst
in Koordination: Möbel und Kleinkunst
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

klein · verkleinern · zerkleinern · Kleinheit · Kleinigkeit · Kleinigkeitskrämer · kleinlich · Kleinlichkeit · Kleinbürger · kleinbürgerlich · Kleinbürgertum · kleingläubig · Kleinkunst · kleinlaut · kleinmütig · Kleinmut · Kleinstaat · Kleinstaaterei · kleinstädtisch · Kleinstädter · Kleinstadt
klein Adj. ‘von geringem Ausmaß, von geringer Größe (an Raum und Zeit, Gewicht, Zahl und Wert), jung, nicht erwachsen, unbedeutend’, ahd. kleini ‘glänzend, glatt, sauber, sorgfältig, zierlich, dünn, gering’ (9. Jh.), mhd. klein(e) ‘rein, niedlich, zierlich, fein, hübsch, scharfsinnig, klug, unansehnlich, gering, schwach’, asächs. klēni ‘zart, schlank, klug, scharfsinnig’, mnd. klēne ‘dünn, zierlich, wenig’, mnl. cleine, clēne, nl. klein ‘klein, gering, wenig’, aengl. clǣne ‘rein, keusch, unschuldig, klar, offen, treu’, engl. clean ‘rein, sauber’ führen auf den nur im Westgerm. auftretenden ja-Stamm germ. *klainja-, der sich außergerm. mit griech. glainó͞i (γλαινοί) Plur. ‘Schmuck (an der Kopfbedeckung, am Helm)’ vergleicht und mit ableitendem Nasal zu ie. *g̑ləi-, einer erweiterten Form der Wurzel ie. *g̑el(ə)- ‘hell, heiter glänzen, heiter sein, lächeln, lachen’, gehören kann, vgl. armen. całr ‘Gelächter’, griech. gelā́n (γελᾶν) ‘lachen’, aglaós (ἀγλαός) ‘glänzend, herrlich’, glḗnos (γλῆνος) ‘Prachtstück’. ‘Glänzend’ geht im Westgerm. über zu ‘rein, sauber’ (wie noch in engl. clean), woraus sich im Dt. die zahlreichen weiteren Bedeutungen entwickeln. Aber auch Anschluß an unter ↗kleben (s. d.) angeführtes ie. *glei- ‘kleben, schmieren’ bei Verwandtschaft mit den Nasalableitungen griech. glínē (γλίνη) ‘Leim’, aslaw. glinьnъ ‘tönern, irden’, russ. (landschaftlich) glína (глина) ‘Lehm, Ton’ wird erwogen, wobei ein Bedeutungsübergang von ‘geschmiert, verschmiert, verputzt’ zu ‘glänzend (vor Fettigkeit), glatt, rein’ vorauszusetzen wäre. Aus ‘fein, zierlich, niedlich’ (mhd.) entwickelt sich klein zum Gegenwort von groß. verkleinern Vb. ‘kleiner machen, verringern’ (17. Jh.), älter verkleinen (mhd. verkleinen). zerkleinern Vb. ‘in kleine Stücke teilen’ (19. Jh.), neben zerkleinen (im Bergbau) ‘Gestein zerschlagen’ (19. Jh.). Kleinheit f. ‘geringe Größe, geringes Ausmaß, Beschränktheit, Enge’, mhd. kleinheit ‘Zartheit, Feinheit’. Kleinigkeit f. ‘Sache von geringem Wert, Geringfügigkeit’, mhd. kleinecheit ‘Feinheit, Kleinheit’; Kleinigkeitskrämer m. ‘wer Kleinigkeiten übertrieben wichtig nimmt’ (18. Jh.). kleinlich Adj. ‘pedantisch, engherzig’, mhd. kleinlich ‘fein, zart, zierlich, mager, scharf sehend’; vgl. ahd. kleinlīhho Adv. (9. Jh.); Kleinlichkeit f. ‘übertriebene Genauigkeit, Pedanterie’, mhd. kleinlīcheit ‘Fein-, Zart-, Kleinheit’. Kleinbürger m. Angehöriger der unteren Mittelschicht, im Sinne von ‘Spießbürger’ wohl zuerst bei Börne (um 1830), zuvor gelegentlich für ‘Arbeiter’ (18. Jh.); kleinbürgerlich Adj. ‘spießig, beschränkt’ (Immermann 1838), ‘das Kleinbürgertum betreffend, zu ihm gehörend’ (19. Jh.). Kleinbürgertum n. (19. Jh.); kleingläubig Adj. ‘zweifelnd, nicht von festem Glauben’ (16. Jh.). Kleinkunst f. ‘kleine künstlerische Arbeit, die entsprechende Kunstrichtung selbst, Kunsthandwerk’ (um 1860), auch ‘kabarettistische Darbietungen’ (20er Jahre 20. Jh.; vgl. Kleinkunstbühne ‘Kabarett’). kleinlaut Adj. ‘verlegen, nicht vorlaut’, älter ‘schwach lautend, leise’ (15. Jh.). kleinmütig Adj. ‘mutlos, verzagt, ohne Entschlußkraft’, mhd. kleinmuotic; dazu die Rückbildung Kleinmut m. ‘Mangel an Mut und Entschlußkraft’ (16. Jh.). Kleinstaat m. ‘kleiner, aber souveräner Staat’, Kleinstaaterei f. ‘Aufspaltung in viele Kleinstaaten, politische Zerrissenheit’ (beide Jahn 1814). kleinstädtisch Adj. ‘einer Kleinstadt eigen, provinziell’ (17. Jh.), Kleinstädter m. (18. Jh.); danach Kleinstadt f. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Kleinkunst [Hinweis: weitere Informationen erhalten Sie durch Ausklappen des Eintrages]
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Wohnzimmertheater · ↗Zimmertheater · experimentelles Theater · freies Theater · independent Theater

Typische Verbindungen
computergeneriert

Artistik Baukunst Comedy Erzeugnis Fund Förderpreis Gastronomie Jazz Kabarett Kneipe Kunsthandwerk Lesung Liebhaber Live-Musik Musik Möbel Plastik Satire Schmuck Skulptur Spart Tanz Theater Werken antik gebieten lyrisch philharmonisch verabscheuen zauberhaft

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kleinkunst‹.

Zitationshilfe
„Kleinkunst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kleinkunst>, abgerufen am 17.12.2018.

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