Kleinmut, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungKlein-mut (computergeneriert)
WortzerlegungkleinMut
Wortbildung mit ›Kleinmut‹ als Grundform: ↗kleinmütig
eWDG, 1969

Bedeutung

gehoben Mangel an Mut und Entschlusskraft, Mutlosigkeit
Beispiel:
Der Herzschlag unsrer zehnmaltausend Brüder / Schlägt durch die Welt und schlägt den Kleinmut nieder [WeinertRufe40]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

klein · verkleinern · zerkleinern · Kleinheit · Kleinigkeit · Kleinigkeitskrämer · kleinlich · Kleinlichkeit · Kleinbürger · kleinbürgerlich · Kleinbürgertum · kleingläubig · Kleinkunst · kleinlaut · kleinmütig · Kleinmut · Kleinstaat · Kleinstaaterei · kleinstädtisch · Kleinstädter · Kleinstadt
klein Adj. ‘von geringem Ausmaß, von geringer Größe (an Raum und Zeit, Gewicht, Zahl und Wert), jung, nicht erwachsen, unbedeutend’, ahd. kleini ‘glänzend, glatt, sauber, sorgfältig, zierlich, dünn, gering’ (9. Jh.), mhd. klein(e) ‘rein, niedlich, zierlich, fein, hübsch, scharfsinnig, klug, unansehnlich, gering, schwach’, asächs. klēni ‘zart, schlank, klug, scharfsinnig’, mnd. klēne ‘dünn, zierlich, wenig’, mnl. cleine, clēne, nl. klein ‘klein, gering, wenig’, aengl. clǣne ‘rein, keusch, unschuldig, klar, offen, treu’, engl. clean ‘rein, sauber’ führen auf den nur im Westgerm. auftretenden ja-Stamm germ. *klainja-, der sich außergerm. mit griech. glainó͞i (γλαινοί) Plur. ‘Schmuck (an der Kopfbedeckung, am Helm)’ vergleicht und mit ableitendem Nasal zu ie. *g̑ləi-, einer erweiterten Form der Wurzel ie. *g̑el(ə)- ‘hell, heiter glänzen, heiter sein, lächeln, lachen’, gehören kann, vgl. armen. całr ‘Gelächter’, griech. gelā́n (γελᾶν) ‘lachen’, aglaós (ἀγλαός) ‘glänzend, herrlich’, glḗnos (γλῆνος) ‘Prachtstück’. ‘Glänzend’ geht im Westgerm. über zu ‘rein, sauber’ (wie noch in engl. clean), woraus sich im Dt. die zahlreichen weiteren Bedeutungen entwickeln. Aber auch Anschluß an unter ↗kleben (s. d.) angeführtes ie. *glei- ‘kleben, schmieren’ bei Verwandtschaft mit den Nasalableitungen griech. glínē (γλίνη) ‘Leim’, aslaw. glinьnъ ‘tönern, irden’, russ. (landschaftlich) glína (глина) ‘Lehm, Ton’ wird erwogen, wobei ein Bedeutungsübergang von ‘geschmiert, verschmiert, verputzt’ zu ‘glänzend (vor Fettigkeit), glatt, rein’ vorauszusetzen wäre. Aus ‘fein, zierlich, niedlich’ (mhd.) entwickelt sich klein zum Gegenwort von groß. verkleinern Vb. ‘kleiner machen, verringern’ (17. Jh.), älter verkleinen (mhd. verkleinen). zerkleinern Vb. ‘in kleine Stücke teilen’ (19. Jh.), neben zerkleinen (im Bergbau) ‘Gestein zerschlagen’ (19. Jh.). Kleinheit f. ‘geringe Größe, geringes Ausmaß, Beschränktheit, Enge’, mhd. kleinheit ‘Zartheit, Feinheit’. Kleinigkeit f. ‘Sache von geringem Wert, Geringfügigkeit’, mhd. kleinecheit ‘Feinheit, Kleinheit’; Kleinigkeitskrämer m. ‘wer Kleinigkeiten übertrieben wichtig nimmt’ (18. Jh.). kleinlich Adj. ‘pedantisch, engherzig’, mhd. kleinlich ‘fein, zart, zierlich, mager, scharf sehend’; vgl. ahd. kleinlīhho Adv. (9. Jh.); Kleinlichkeit f. ‘übertriebene Genauigkeit, Pedanterie’, mhd. kleinlīcheit ‘Fein-, Zart-, Kleinheit’. Kleinbürger m. Angehöriger der unteren Mittelschicht, im Sinne von ‘Spießbürger’ wohl zuerst bei Börne (um 1830), zuvor gelegentlich für ‘Arbeiter’ (18. Jh.); kleinbürgerlich Adj. ‘spießig, beschränkt’ (Immermann 1838), ‘das Kleinbürgertum betreffend, zu ihm gehörend’ (19. Jh.). Kleinbürgertum n. (19. Jh.); kleingläubig Adj. ‘zweifelnd, nicht von festem Glauben’ (16. Jh.). Kleinkunst f. ‘kleine künstlerische Arbeit, die entsprechende Kunstrichtung selbst, Kunsthandwerk’ (um 1860), auch ‘kabarettistische Darbietungen’ (20er Jahre 20. Jh.; vgl. Kleinkunstbühne ‘Kabarett’). kleinlaut Adj. ‘verlegen, nicht vorlaut’, älter ‘schwach lautend, leise’ (15. Jh.). kleinmütig Adj. ‘mutlos, verzagt, ohne Entschlußkraft’, mhd. kleinmuotic; dazu die Rückbildung Kleinmut m. ‘Mangel an Mut und Entschlußkraft’ (16. Jh.). Kleinstaat m. ‘kleiner, aber souveräner Staat’, Kleinstaaterei f. ‘Aufspaltung in viele Kleinstaaten, politische Zerrissenheit’ (beide Jahn 1814). kleinstädtisch Adj. ‘einer Kleinstadt eigen, provinziell’ (17. Jh.), Kleinstädter m. (18. Jh.); danach Kleinstadt f. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Furchtsamkeit · Kleinmut · Kleinmütigkeit · ↗Mutlosigkeit · ↗Verzagtheit · ↗Ängstlichkeit  ●  Angst vor der eigenen Courage  ugs. · Decouragiertheit  geh. · Defaitismus  geh., schweiz. · ↗Defätismus  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Engherzigkeit · ↗Halbherzigkeit · Kleingeistigkeit · Kleinherzigkeit · Kleinmut

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angst Anwandlung Feigheit Großmannssucht Größenwahn Hochmut Kraftlosigkeit Mischung Mißgunst Mut Opportunismus Pessimismus Resignation Selbstmitleid Verzagtheit Zeichen Zweifel begegnen herrschen hindern provinziell scheitern verfallen zeugen Ängstlichkeit Übermut ängstlich überwinden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kleinmut‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer es schließlich geschafft hat, kann sich sicher sein, bald nur noch von wachsendem Kleinmut begleitet zu werden.
Süddeutsche Zeitung, 07.06.2001
Es wäre ein Zeichen jämmerlichen Kleinmuts, wenn in unseren christlichen Breiten die Freiheit, über die wir verfügen, nicht genutzt würde.
Die Zeit, 14.07.1989, Nr. 29
Sein Gewissen hatte über seinen Kleinmut gesiegt, aber auch über die eigene Zaghaftigkeit.
Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 918
Das ist natürlich keine Bescheidenheit, sondern Kleinmut oder Mangel an Selbstdisziplin oder beides.
Ichenhäuser, Ernst Z.: Erziehung zum guten Benehmen, Berlin: Volk u. Wissen 1983, S. 86
Diese Haltung ist ein sicherer Schild gegen Anwandlungen von Kleinmut und Traurigkeit.
Hasler, Ulrich E.: Eubiotik, Heidelberg: Haug 1967, S. 154
Zitationshilfe
„Kleinmut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kleinmut>, abgerufen am 25.08.2019.

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