Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Klunker, der oder die

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Klunkers · Nominativ Plural: Klunker(n)
Nebenform selten Klunker · Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Klunker · Nominativ Plural: Klunkern
Aussprache  [ˈklʊŋkɐ]
Worttrennung Klun-ker
Wortbildung  mit ›Klunker‹ als Erstglied: klunkerig  ·  mit ›Klunker‹ als Grundform: klunkern
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich, leicht abwertend glitzernder, teurer Brillant, Diamant, Schmuckstein; besonders auffälliges (protziges) Schmuckstück
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein glitzernder, fetter, dicker, schwerer Klunker; ein teurer, falscher Klunker
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Klunker am Ringfinger, an den Fingern, um den Hals
Beispiele:
Eine Studie hat rausgefunden, dass Ehen proportional zum Preis des Eherings eher scheitern. Die Größe des Klunkers kompensiert die Unsicherheit. [Die Welt, 08.08.2015]
Im Schatten der Pandemie vertickte der Pate die Klunkern nach und nach ins Ausland[…]. [Dresdner Neueste Nachrichten, 25.09.2020]
Ein mächtiger Klunker: Genau so lässt sich der Kristall im Stil eines eleganten Diamants beschreiben. Mit seinen 8 cm Durchmesser und seinem Herz aus Swarovski‑Steinen ist er ein echter Hingucker […]. [Kristall-Diamant mit Swarovski-Herz & Gravur, 01.08.2020, aufgerufen am 01.09.2020]
Nadelstreifen, schwarze Krawatte, Ohrring, grauer Spitzbart, dicker Klunker am Finger und ein Gehstock mit silbernem Totenkopf – der Auftritt von Markus Lüpertz ist immer groß. [Norddeutsche Neueste Nachrichten, 23.04.2016]
Während im Deutschen eine Klunker die Bezeichnung für einen protzigen Edelstein ist, ist der englische clunker, die abwertende Bezeichnung für ein Auto am Rande des wirtschaftlichen Totalschadens, einer Rostlaube. [Clunker – das etwas andere Juwel, 30.01.2013, aufgerufen am 01.09.2020]
Sie sieht sehr jung aus, meine Mutter, und trägt ein ganz leichtes Kleid, weiße Turnschuhe und eine offensichtlich bunte Kette mit dicken Klunkern im ziemlich weiten Dekolleté[…]. [Honigmann, Barbara: Ein Kapitel aus meinem Leben. München / Wien: Carl Hanser Verlag 2004, S. 140]
Im aufgewühlten Plumeau räkelt sich eine blasierte Blondine, von ihrem babyrosa Unterrock mehr freigelegt als zugedeckt, auf dem Kopf ein Diadem wie von Woolworth, um den Hals und an den Fingern Ketten und Klunker. [Der Spiegel, 18.07.1983]
2.
veraltet
a)
Troddel, QuasteWDG;
herabhängendes, baumelndes Anhängsel
Beispiele:
das Faschingskostüm war mit Ketten und Klunkern behängtWDG
[…] wenn er in Zorn gerät – und ein Truthahn ist eigentlich immer zornig –, stellen sich die Federn auf und lassen den ohnehin riesigen Vogel leicht doppelt so groß erscheinen. Am Schnabel baumelt der hautige Klunker, der sich in der Wut straff mit Blut füllt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2001]
Es war allgemeine Sitte der Männer, einen Halsring zu tragen, aber um den Hals Alpin’s zog sich nur ein Reif aus geschlungenen gelben Wollfäden: ein Schmuck, der ihm jetzt gar trocken und ärmlich vorkam trotz dem Klunker von Bärenzähnen, den er kürzlich daran gehängt hatte. [Vischer, Friedrich Theodor von: Auch Einer. Eine Reisebekanntschaft. Bd. 1. Stuttgart [u. a.] 1879]
b)
Klümpchen, KugelWDG
Beispiele:
das Schaffell ist voller Klunker aus KotWDG
Am Horizont waren sie klein wie schwarze Läuse, die in großen Klunkern am Klatschmohn klebten, nach vornehin wurden die Menschen größer und größer. [Fichte, Hubert: Das Waisenhaus. Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verl. 1988 [1965], S. 43]
Und wie er sich mühsam aus dem Teig herauskrabbelte, ganz weiß und von dicken Klunkern triefend – und wie er auf seiner Fährte allerlei ungebackene Striezeln, Brezeln und Kringeln zurückließ – das wäre ein Motiv für Wilhelm Busch gewesen. [Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.): Deutsche Autobiographien 1690–1930. Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 24931]
übertragen Er hat einen Schandfleck in seine Ehre, eine Klunker in seinen Ruf bekommen. [Wander, Karl Friedrich Wilhelm (Hg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon. Bd. 2. Leipzig 1870]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Klunker f. m. ‘Klümpchen, Kugel, Troddel, Quaste’. Das in nd. md. Lautgestalt im 18. Jh. in die Literatursprache aufgenommene Substantiv verbindet sich mit mhd. klungeler, glungeler ‘Troddel, Quaste’, glunke ‘baumelnde Locke’, glunkern ‘baumeln, schlenkern’, obd. (vereinzelt) Klunker ‘um die Spindel oder Kunkel Gewundenes’ (16. Jh.), Glunggel ‘Schelle’, schweiz. Glüngger ‘Gehänge’. Die (teilweise) Konsonantenschärfung aufweisenden Formen können wie Klüngel (s. d.) auf eine nasalierte Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *gel- ‘(sich) ballen, Gerundetes, Kugeliges’ (s. kleben) geführt werden. Doch bleibt auch hier eine Herleitung aus dem Ie. bedenklich. In abschätzigem Sinne gilt Klunkern (Plur.) heute für ‘baumelnden Schmuck’ (wie Ohrringe, Gehänge u. ä.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Edelstein · Juwel · Klunker · Schmuckstein · Schmuckwerk · Stein
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Klunker‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Klunker‹.

Zitationshilfe
„Klunker“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Klunker>.

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