Knebelvertrag, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Knebelvertrag(e)s · Nominativ Plural: Knebelverträge
Aussprache [ˈkneːbl̩fɛɐ̯ˌtʀaːk]
Worttrennung Kne-bel-ver-trag
Wortzerlegung  knebeln Vertrag, Knebel Vertrag
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

Vertrag, der die (wirtschaftlich) schwächere Position einer Vertragspartei unverhältnismäßig stark ausnutzt und darauf abzielt, das unausgewogene Vertragsverhältnis zugunsten der stärkeren Vertragspartei langfristig festzuschreiben
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein sittenwidriger Knebelvertrag
als Akkusativobjekt: einen Knebelvertrag unterzeichnen
in Präpositionalgruppe/-objekt: jmdn. mit einem Knebelvertrag [an sich] binden
mit Genitivattribut: die Knebelverträge der Musikindustrie
Beispiele:
Bis in die jüngste Vergangenheit waren viele Kicker durch Knebelverträge zu einem Hungerlohn an den Verein gebunden, der ihren Spielerpaß erworben hatte. Jetzt dürfen sie nach Vertragsablauf ihren neuen Arbeitgeber selbst aussuchen. [die tageszeitung, 04.06.1998]
Eine Marktbeherrschung mit Knebelverträgen für die Kunden ist mit der Anwendung und wenn nötig Verbesserung geltender Kartellgesetze zu unterbinden. [Die Welt, 14.08.2018]
Auch schließe G[…] Knebelverträge mit Werbekunden ab, so dass diese keine Anzeigen mehr bei anderen Anbietern schalten könnten, hatte die Kommission moniert. [Der Standard, 11.04.2013]
Die Labels […] überziehen Künstler mit Knebelverträgen, und Label‑Mitarbeiter, die nicht wissen, auf welcher Seite man ins Saxofon bläst, entwickeln Allmachtsphantasien gegenüber Künstlern, die nicht wissen, wie man Verträge liest. [Süddeutsche Zeitung, 15.09.2012]
Mit Knebelverträgen werden Jugendliche an Sender und Plattenfirma gebunden, ein halbes Jahr herumgereicht und nach zwei Platten zur C‑Prominenz abgeschoben, die beim »Promi‑Dinner« auf Vox kochen darf. [Welt am Sonntag, 22.08.2010]
Ihre waffentechnische Überlegenheit erlaubte es den Eindringlingen [US-Amerikanern im 19. Jahrhundert], Japan einem Regime asymmetrischer Verträge zu unterwerfen, das die Souveränitätsrechte des Landes erheblich beschnitt. Das Hauptbestreben der japanischen Regierung war es fortan, sich von diesen Knebelverträgen zu befreien. [Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2008]
Der größere der beiden Partner (Mobil Oil: 19,6 Milliarden Mark Jahresumsatz, GEAG: 2,8 Milliarden) hatte den kleineren jahrelang in einem Knebelvertrag gehalten. Als Gegenleistung für Mobils Hilfe beim Wiederaufbau der unter alliiertem Produktionsverbot stehenden Raffinerie Gelsenberg Benzin AG in Gelsenkirchen‑Horst mußte sich die GBAG im Jahre 1951 verpflichten, ihren Raffinerie‑Gewinn mit den Amerikanern zu teilen und ihr Rohöl nur bei der Mobil Oil zu kaufen. Jahrelang nahmen die Amerikaner ihrem deutschen Kunden weit überhöhte Preise ab. [Der Spiegel, 01.05.1967]

letzte Änderung:

Thesaurus

Synonymgruppe
Knebelungsvertrag · Knebelvertrag  ●  Sklavenvertrag  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Knebelvertrag‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Knebelvertrag‹.

Zitationshilfe
„Knebelvertrag“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Knebelvertrag>, abgerufen am 20.10.2021.

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