Knechtschaft, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Knechtschaft · Nominativ Plural: Knechtschaften · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungKnecht-schaft (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

entwürdigende Unfreiheit, Unterjochung
Beispiele:
die politische, faschistische Knechtschaft
Sie [die Frau] ist das erste menschliche Wesen, das in Knechtschaft kam [BebelFrau52]
Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben [SchillerTellII 2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Knecht · knechtisch · Knechtschaft · knechten
Knecht m. ehemals ‘in einem Arbeitsverhältnis bei einem Bauern stehender Landarbeiter’, auch ‘Diener, Untergebener, Unfreier, Unterdrückter’, ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. kneht ‘Knabe, Jüngling, Bursche, junger Mann in lernender und dienender Stellung, Diener, Knappe, Krieger, Held, Lehrling, Geselle’, mnd. knecht, mnl. cnecht, nl. knecht ‘Diener, Knecht, Geselle’, aengl. cniht ‘Knabe, Jüngling, Diener, Krieger, Held’, engl. knight ‘Ritter’. Herkunft ungewiß. Man sieht darin gewöhnlich eine Bildung mit t-Suffix, die man (im Hinblick auf eine vergleichbare Bedeutungsentwicklung von ‘Stock, Knüppel’ zur männlichen Personenbezeichnung in ↗Knabe, ↗Bengel, s. d.) mit mnd. knagge ‘dickes Holzstück, Pflock’, nd. Knagge ‘Pflock, Knorren im Holz’, engl. knag ‘Knorren, Ast’, schwed. knagg ‘Knoten, Knorren, Höcker’, (mundartlich) ‘untersetzter starker Kerl’, anord. (mit germ. kk) knakkr ‘(Tisch-, Stuhl)bein, Schemel’ verbinden kann. Dann ließe sich ie. *gnegh- erschließen, das als Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *gen- ‘zusammendrücken, kneifen, zusammenknicken, Zusammengedrücktes, Geballtes’ (s. ↗kneipen) angesehen werden kann. In zahlreichen älteren Zusammensetzungen sind frühere Bedeutungen des Wortes noch erkennbar, vgl. Fuß-, Kriegs-, Landsknecht, Brau-, Müllerknecht, Amts-, Stadtknecht, Folter-, Fuhr-, Haus-, Reit-, Ruderknecht; ferner in Gerätebezeichnungen wie Licht-, Stiefelknecht. knechtisch Adj. ‘unterwürfig, kriecherisch, sklavisch’ (um 1500). Knechtschaft f. ‘Unfreiheit, (Leben in) Unterdrückung’ (16. Jh.). knechten Vb. ‘unter seine Herrschaft bringen, unterdrücken’ (um 1830; bei Stieler 1691 als ungebräuchlich angeführt); mhd. knehten (reflexiv) ‘den Knecht spielen’, mhd. beknehten, frühnhd. knechten (reflexiv) ‘sich mit einem Knechte versehen’ sind wohl singuläre Verwendungen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Knechtschaft · ↗Leibeigenschaft · ↗Sklaverei · ↗Unfreiheit
Assoziationen
Synonymgruppe
Bevormundung · ↗Knebelung · Knechtschaft · ↗Unterdrückung · ↗Unterjochung · ↗Unterwerfung · ↗Versklavung
Assoziationen
Synonymgruppe
Bürde · ↗Crux · ↗Fron · ↗Joch · Knechtschaft · ↗Kreuz · ↗Krux · ↗Last · ↗Plage  ●  ↗Mühlstein (an jemandes Hals)  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Armut Befreiung Dialektik Freiheit Herrschaft Hörigkeit Kapital Not Sklaverei Sünde Unfreiheit Unterdrückung Volk Weg befreien begeben dulden erlösen ewig freiwillig geistig kommunistisch menschlich sowjetisch verwandeln ägyptisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Knechtschaft‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir sind uns bewußt, daß ein männliches Volk auch zu seiner Verteidigung bereit sein muß, stets aber eher zum Kampf als zur Knechtschaft bereit.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1940]
Die Knechtschaft ist vorüber, die Saar ist frei, heimgekehrt zum Reich.
Völkischer Beobachter (Berliner Ausgabe), 02.03.1935
Was können sie Gott aus der Armut ihrer Knechtschaft darbieten?
Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 358
Von dieser Stunde der Schmach an war die Frau willig seiner Knechtschaft.
Jacques, Norbert: Dr. Mabuse, der Spieler, Gütersloh: Bertelsmann 1961 [1920], S. 119
Zitationshilfe
„Knechtschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Knechtschaft>, abgerufen am 15.10.2019.

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