Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kniefall, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kniefall(e)s · Nominativ Plural: Kniefälle
Aussprache 
Worttrennung Knie-fall
Wortzerlegung Knie Fall1
Wortbildung  mit ›Kniefall‹ als Erstglied: kniefällig
eWDG

Bedeutung

das Fallen auf die Knie als Zeichen der Unterwerfung, bei demütiger Bitte
Beispiele:
(vor jmdm.) einen Kniefall tun
er tat einen Kniefall vor, bei seinem Vater und bat um finanzielle Hilfe
Kaiser Franz empfing ihn bedeckten Hauptes … Trenck vollführte den dreimaligen Kniefall [ B. FrankTrenck183]
bildlich
Beispiel:
der große Kniefall der Opposition vor der Regierungspolitik
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Knie · knien · Kniebeuge · Kniefall · kniefällig · Kniescheibe
Knie n. Gelenk zwischen Oberschenkelknochen und Schienbein, auch ‘Biegung, Krümmung’, ahd. kneo, knio (8. Jh.), mhd. knie, asächs. knio, mnd. knē, mnl. cnie, nl. knie, aengl. cnēo(w), engl. knee, anord. knē, schwed. knä, got. kniu (germ. *knewa-). Außergerm. vergleicht sich aind. jā́nu, griech. góny (γόνυ), lat. genū ‘Knie’, so daß der u-Stamm ie. *g̑enu-, *g̑neu- ‘Knie’ erschließbar ist, s. auch Kinn. Über Versuche, die hier für Knie genannten ie. Ausgangsformen mit den Wurzeln ie. *g̑en(ə)- ‘erzeugen, gebären’ und *g̑en(ə)- ‘erkennen, kennen’ zu verbinden, s. Kind. knien Vb. ‘mit einem Knie oder beiden Knien auf dem Boden ruhen’, (reflexiv) ‘sich auf ein Knie oder die Knie niederlassen’, ahd. gikniuwen (9. Jh.), kniuwen (11. Jh.), mhd. kniewen, knien; daneben mit ableitendem l schweiz. chnülen, mnd. knēlen, mnl. cnielen, nl. knielen, engl. to kneel. Kniebeuge f. ‘das Beugen der Knie’ (18. Jh.) als ehrerbietiger Gruß, auch als Turnübung (vgl. Kniebeugung 1795, Kniebeugen Jahn 1816), älter, heute unüblich, ‘Kniekehle’ (Anfang 17. Jh.); s. Beuge. Kniefall m. ‘das Niederlassen auf die Knie’ (als Zeichen der Ehrerbietung, Huldigung, des flehentlichen Bittens, der Unterwerfung), zum Verb mhd. knievallen ‘auf die Knie fallen’, wozu auch kniefällig Adj. (beide 18. Jh.). Kniescheibe f. scheibenartiger Knochen an der Vorderseite des Kniegelenks, ahd. knioskība (Hs. 12. Jh.), mhd. knieschībe.

Thesaurus

Synonymgruppe
Kniefall · Niederwerfung · Proskynese
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Beugemann · Bückling · Ergebenheitsbekundung · Kniefall · Kotau · Kratzfuß · Selbsterniedrigung · Unterwerfung  ●  Unterwerfungsgeste  Hauptform · Proskynese  geh., veraltet, historisch
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Kniefall‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kniefall‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kniefall‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch vom Kanzler gab es keine Kniefälle vor dem Mann aus dem Weißen Haus. [konkret, 1982]
Der Kniefall vor dem tunesischen Volk kam vermutlich zu spät. [Die Zeit, 14.01.2011 (online)]
Das sei ein weiterer Kniefall vor der Lobby, hieß es. [Die Zeit, 25.10.2010 (online)]
Die Opposition kritisierte, der Beschluss sei ein weiterer Kniefall vor der Lobby. [Die Zeit, 25.10.2010, Nr. 43]
Die Opposition sieht darin einen neuen Kniefall von Schwarz‑Gelb vor der Wirtschaft. [Die Zeit, 25.10.2010 (online)]
Zitationshilfe
„Kniefall“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kniefall>.

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