Knochenmann, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungKno-chen-mann
WortzerlegungKnochenMann
eWDG, 1969

Bedeutung

gehoben, verhüllend, Mythologie der Tod, den man sich personifiziert als Skelett vorstellt
Beispiel:
Vorüber, ach, vorüber! geh, wilder Knochenmann! [SchubertTod u. Mädchen]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Knochen · Knöchel · Knöchelchen · knöchern · verknöchern · verknöchert · knochig · Knochenfraß · Knochenmann
Knochen m. ‘Teil des Skeletts’, mhd. knoche ‘Knochen’, mnd. knōke, knāke ‘Knochen, Hirnschale’, mnl. cnōke, nl. knook ‘Knochen, Glied, Gelenkhügel’, schwed. knoge ‘Knöchel’, norw. knoke setzen mit lit. gniáužti ‘(mit der Hand) fest zusammendrücken, quetschen, (aus)pressen’, gniáužta(s) ‘geballte Hand, Pfote, Handvoll’ und wohl auch serbokr. gnjáviti ‘drücken, pressen, quetschen, würgen’, slowen. ‘quälen, belästigen’ ie. *gneug̑- voraus, das sich zusammen mit mehreren anderen Erweiterungen an die Wurzel ie. *gen- ‘zusammendrücken, kneifen, zusammenknicken, Zusammengedrücktes, Geballtes’ anschließt (s. ↗Knopf, ↗Knorren, ↗Knoten, ↗Knust, ↗knabbern, ↗kneipen2). Knochen hat altes ↗Bein (s. d.), das noch Luther bevorzugt, weitgehend zurückgedrängt. Dazu das Deminutivum Knöchel m. ‘Knochenvorsprung an Finger- und Fußgelenken’, mhd. knöchel, knüchel, frühnhd. knöchel, knochel, knuchel, mnd. knȫkel. Mit erneuter Deminuierung (aus dem Md.) Knöchelchen n. ‘kleiner Knochen’ (18. Jh.). knöchern Adj. ‘aus Knochen bestehend’ (18. Jh.). verknöchern Vb. ‘zu Knochen werden, durch Alter oder Mangel an Bewegung steif, unbeweglich werden’ (18. Jh.); verknöchert Part.adj. auch ‘geistig unbeweglich, starr, spießig’ (19. Jh.). knochig Adj. ‘mit starken, sichtbar hervortretenden Knochen ausgestattet, derb, plump, ungeschlacht’ (15. Jh.). Knochenfraß m. (um 1800), älter Beinfraß. Knochenmann m. ‘Tod’, personifiziert vorgestellt als Skelett (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Freund Hein · Gevatter Tod · ↗Hein · ↗Thanatos (griech.)  ●  ↗Tod (Personifikation)  Hauptform · Boandl  ugs., österr., bair. · Boandlkramer  ugs., österr., bair. · Boanl  ugs., österr., bair. · Boanlkramer  ugs., österr., bair. · ↗Gevatter  ugs. · Knochenmann  ugs. · ↗Schnitter  ugs. · ↗Sensenmann  ugs. · ↗Todbringer  ugs.
Oberbegriffe
  • Fabelwesen · Fantasiegeschöpf · Phantasiegeschöpf · übernatürliches Wesen
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Knochenmann‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

wild

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Knochenmann‹.

Verwendungsbeispiele für ›Knochenmann‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vielleicht führen die alten Bilder vom Knochenmann in die Irre.
Süddeutsche Zeitung, 03.06.2003
Bei ihm allerdings habe sich der Knochenmann in den Finger geschnitten.
Widmer, Urs: Im Kongo, Zürich: Diogenes 1996, S. 17
Im Vorraum versammelt sich nach der Montage das leblose Heer der Knochenmänner und wartet auf den Versand.
Die Zeit, 19.09.1957, Nr. 38
Nicht nur als fieser Knochenmann im Kasperl-Spiel ist er ein ernster Spielkamerad.
Der Tagesspiegel, 06.03.2005
So sehe ich den Autosport darin, ein Spielchen mit dem Knochenmann zu treiben.
Spoerl, Alexander: Mit dem Auto auf Du, Berlin u. a.: Dt. Buchgemeinschaft 1961 [1953], S. 27
Zitationshilfe
„Knochenmann“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Knochenmann>, abgerufen am 19.02.2020.

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