Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Knochenmann, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum)
Aussprache 
Worttrennung Kno-chen-mann
Wortzerlegung Knochen Mann
eWDG

Bedeutung

gehoben, verhüllend, Mythologie der Tod, den man sich personifiziert als Skelett vorstellt
Beispiel:
Vorüber, ach, vorüber! geh, wilder Knochenmann! [ SchubertTod u. Mädchen]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Knochen · Knöchel · Knöchelchen · knöchern · verknöchern · verknöchert · knochig · Knochenfraß · Knochenmann
Knochen m. ‘Teil des Skeletts’, mhd. knoche ‘Knochen’, mnd. knōke, knāke ‘Knochen, Hirnschale’, mnl. cnōke, nl. knook ‘Knochen, Glied, Gelenkhügel’, schwed. knoge ‘Knöchel’, norw. knoke setzen mit lit. gniáužti ‘(mit der Hand) fest zusammendrücken, quetschen, (aus)pressen’, gniáužta(s) ‘geballte Hand, Pfote, Handvoll’ und wohl auch serbokr. gnjáviti ‘drücken, pressen, quetschen, würgen’, slowen. ‘quälen, belästigen’ ie. *gneug̑- voraus, das sich zusammen mit mehreren anderen Erweiterungen an die Wurzel ie. *gen- ‘zusammendrücken, kneifen, zusammenknicken, Zusammengedrücktes, Geballtes’ anschließt (s. Knopf, Knorren, Knoten, Knust, knabbern, kneipen2). Knochen hat altes Bein (s. d.), das noch Luther bevorzugt, weitgehend zurückgedrängt. Dazu das Deminutivum Knöchel m. ‘Knochenvorsprung an Finger- und Fußgelenken’, mhd. knöchel, knüchel, frühnhd. knöchel, knochel, knuchel, mnd. knȫkel. Mit erneuter Deminuierung (aus dem Md.) Knöchelchen n. ‘kleiner Knochen’ (18. Jh.). – knöchern Adj. ‘aus Knochen bestehend’ (18. Jh.). verknöchern Vb. ‘zu Knochen werden, durch Alter oder Mangel an Bewegung steif, unbeweglich werden’ (18. Jh.); verknöchert Part.adj. auch ‘geistig unbeweglich, starr, spießig’ (19. Jh.). knochig Adj. ‘mit starken, sichtbar hervortretenden Knochen ausgestattet, derb, plump, ungeschlacht’ (15. Jh.). Knochenfraß m. (um 1800), älter Beinfraß. Knochenmann m. ‘Tod’, personifiziert vorgestellt als Skelett (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Freund Hein · Gevatter Tod · Hein · Thanatos (griech.)  ●  Tod (Personifikation)  Hauptform · Boandl  ugs., österr., bayr. · Boandlkramer  ugs., österr., bayr. · Boanl  ugs., österr., bayr. · Boanlkramer  ugs., österr., bayr. · Gevatter  ugs. · Knochenmann  ugs. · Schnitter  ugs. · Sensenmann  ugs. · Todbringer  ugs.
Oberbegriffe
  • Fabelwesen · Fantasiegeschöpf · Phantasiegeschöpf · übernatürliches Wesen
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Knochenmann‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bei ihm allerdings habe sich der Knochenmann in den Finger geschnitten. [Widmer, Urs: Im Kongo, Zürich: Diogenes 1996, S. 17]
Vielleicht führen die alten Bilder vom Knochenmann in die Irre. [Süddeutsche Zeitung, 03.06.2003]
Im Vorraum versammelt sich nach der Montage das leblose Heer der Knochenmänner und wartet auf den Versand. [Die Zeit, 19.09.1957, Nr. 38]
Wo sich böse Ahnungen zeigten, waren es gar possierlich fliegende Knochenmänner oder weiße Damen des Theaters. [Die Zeit, 26.04.1968, Nr. 17]
In die Plattenkiste stieg wieder der Knochenmann und winkte mit seiner Sense. [Süddeutsche Zeitung, 30.03.1998]
Zitationshilfe
„Knochenmann“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Knochenmann>.

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