Koller, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kollers · Nominativ Plural: Koller
Aussprache
WorttrennungKol-ler
Wortbildung mit ›Koller‹ als Erstglied: ↗kollerig · ↗kollrig  ·  mit ›Koller‹ als Letztglied: ↗Dummkoller · ↗Frontkoller · ↗Lagerkoller · ↗Samenkoller · ↗Tropenkoller · ↗Zellenkoller
eWDG, 1969

Bedeutung

umgangssprachlich (krankhafter) heftiger Wutanfall, Zornausbruch
Beispiele:
er bekam, kriegte einen Koller, hat wieder seinen Koller
der Koller packte ihn
Vielleicht auch wird sie plötzlich der Koller überkommen, wenn der Wind wochenlang weht [BöllIrisches Tagebuch117]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Koller1 · Tropenkoller
Koller1 m. ‘Zornausbruch, (krankhafter) Wutanfall’. Das auf ahd. koloro (10. Jh.), mhd. colera, kolre ‘Gallenbrechruhr, Gallenbrechdurchfall’ (s. ↗Cholera) beruhende frühnhd. coler nimmt (15. Jh.) unter dem Einfluß der Temperamentenlehre (vgl. mlat. colera ‘Zornesausbruch’, cholericus ‘Choleriker’, s. ↗cholerisch) die Bedeutung ‘Heißblütigkeit, ausbrechende oder stille Wut’ an. Die Fachsprache der Medizin bildet dazu im 19. Jh. Tropenkoller m. als Sammelname für verschiedene Formen psychischer Störungen, die sich nach längerem Tropenaufenthalt zeigen können.

Koller2 n. ‘Schulter-, Hals-, Kragenteil, Passe’ (an der Kleidung), zuvor ‘ärmelloser Lederharnisch, Brustpanzer’, ahd. kollāri m. ‘Halsschutz der Rüstung’ (10./11. Jh.), mhd. koller n., mnd. koller, mnl. coller sind Entlehnungen aus spätlat. collārium n., lat. collāre n. ‘Halsband, Halsfessel’; zu lat. collum ‘Hals’. Ebenfalls aus spätlat. collārium ist hervorgegangen afrz. colier, daraus entlehnt mhd. kollier, collier, frühnhd. gollir, nhd. Köller. Eine späte, zweite Entlehnung von frz. collier ins Dt. begegnet in ↗Kollier (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Anfall · ↗Wutausbruch  ●  (seine) dollen (oder: dullen) fünf Minuten (haben)  ugs. · Koller  ugs. · ↗Rappel  ugs.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Koller‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann aber packte es ein Koller und sinnlos-ekelerregende Laute drangen aus seinem Mund.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 198
Der Mensch bekommt wieder einen Koller! war sein steter Gedanke.
Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 398
Ein Koller, gegen den der vorangegangene nur leichte Verstimmung bedeutet hatte, schien im Anzuge.
Mann, Thomas: Der Zauberberg, Gütersloh: Bertelsmann 1998 [1924], S. 647
Vom Koller gibt es zwei verschiedene Formen, nämlich den Dummkoller und den rasenden Koller.
Schlipf, Johann Adam: Schlipfs populäres Handbuch der Landwirtschaft, Berlin: Parey 1918, S. 602
Aber dann kann man wenigstens dem tagelangen Eingeschlossensein in den Baracken entgehen und den Koller auf einem Spaziergang abmarschieren.
Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde; Hanser Verlag 2003, S. 973
Zitationshilfe
„Koller“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Koller#1>, abgerufen am 24.01.2020.

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Koller, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Kollers · Nominativ Plural: Koller
Aussprache
WorttrennungKol-ler
Wortbildung mit ›Koller‹ als Letztglied: ↗Lederkoller
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
eingesetztes Schulterteil bei Kleidungsstücken und Wäschestücken, Passe
Beispiele:
ein Kleid, Mantel, Oberhemd, Sakko mit Koller
sie schneidert sich [Dativ] eine Bluse mit einem Koller
2.
historisch (lederner) Brustharnisch, (ärmelloses) Wams
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Koller1 · Tropenkoller
Koller1 m. ‘Zornausbruch, (krankhafter) Wutanfall’. Das auf ahd. koloro (10. Jh.), mhd. colera, kolre ‘Gallenbrechruhr, Gallenbrechdurchfall’ (s. ↗Cholera) beruhende frühnhd. coler nimmt (15. Jh.) unter dem Einfluß der Temperamentenlehre (vgl. mlat. colera ‘Zornesausbruch’, cholericus ‘Choleriker’, s. ↗cholerisch) die Bedeutung ‘Heißblütigkeit, ausbrechende oder stille Wut’ an. Die Fachsprache der Medizin bildet dazu im 19. Jh. Tropenkoller m. als Sammelname für verschiedene Formen psychischer Störungen, die sich nach längerem Tropenaufenthalt zeigen können.

Koller2 n. ‘Schulter-, Hals-, Kragenteil, Passe’ (an der Kleidung), zuvor ‘ärmelloser Lederharnisch, Brustpanzer’, ahd. kollāri m. ‘Halsschutz der Rüstung’ (10./11. Jh.), mhd. koller n., mnd. koller, mnl. coller sind Entlehnungen aus spätlat. collārium n., lat. collāre n. ‘Halsband, Halsfessel’; zu lat. collum ‘Hals’. Ebenfalls aus spätlat. collārium ist hervorgegangen afrz. colier, daraus entlehnt mhd. kollier, collier, frühnhd. gollir, nhd. Köller. Eine späte, zweite Entlehnung von frz. collier ins Dt. begegnet in ↗Kollier (s. d.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Anfall · ↗Wutausbruch  ●  (seine) dollen (oder: dullen) fünf Minuten (haben)  ugs. · Koller  ugs. · ↗Rappel  ugs.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Koller‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es war schon gar kein Lachen mehr, es war ein Kollern.
Keller, Paul: Ferien vom Ich, München: Bergstadtverl. Korn 1963 [1915], S. 268
Vom unteren Rand des Kollers sollte das Rumpfteil etwa 7 cm lang sein.
Frost, Margarete: Aus bunten Fäden, Leipzig: Verl. für die Frau 1986, S. 115
Die Finger hasteten unter den Mantel in Koller und Mieder.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 92
Der Mensch bekommt wieder einen Koller! war sein steter Gedanke.
Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 398
Ein Koller, gegen den der vorangegangene nur leichte Verstimmung bedeutet hatte, schien im Anzuge.
Mann, Thomas: Der Zauberberg, Gütersloh: Bertelsmann 1998 [1924], S. 647
Zitationshilfe
„Koller“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Koller#2>, abgerufen am 24.01.2020.

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