Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kolonie, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kolonie · Nominativ Plural: Kolonien
Aussprache 
Worttrennung Ko-lo-nie
Herkunft zu colōnialat ‘Bauerngut, Pachtgut, Ansiedlung, Niederlassung’ < colerelat ‘bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren’
eWDG

Bedeutungen

1.
durch einen (fremden) Staat unterworfenes, wirtschaftlich ausgebeutetes Gebiet, besonders in Übersee, das in politischer Abhängigkeit gehalten wird
Beispiele:
die Befreiung der Kolonien in Afrika und Asien
die englischen Kolonien
er hat lange in den Kolonien gelebt
Die Republik verwaltet Korsika nicht wie einen Teil des Staatsgebiets … sondern wie eine Kolonie [ TralowNeuhoff157]
historisch Ansiedlung von Römern oder Griechen in eroberten oder abhängigen Gebieten, die zum Mutterland gehörten
Beispiele:
die griechischen Kolonien in Kleinasien
die römischen Kolonien in Nordafrika
2.
Siedlung
Beispiele:
in Schlesien hatten sich zahlreiche Kolonien von Spinnern und Webern gebildet
er besitzt einen Schrebergarten in der Kolonie ›Sommerfrieden‹
diese Sekte gründete kleine Kolonien in Brasilien
Es war eine Kolonie vornehmer Hotels und Kurhäuser [ FusseneggerAntlitz140]
3.
Gruppe von Ausländern gleicher Nationalität in einer Stadt oder einem Land, die gemeinsame Interessen verfolgt oder Traditionen pflegt
Beispiele:
er gehört der schwedischen Kolonie in Paris an
die französische Kolonie in Berlin
Die italienische Kolonie [in Marseille], die vollständig vertreten war, saß auf den vordersten Bänken [ Ric. HuchConfalonieri368]
Cat war immer noch in Taschkent. Eine ganze deutsche Kolonie sei dort, schrieb sie [ BredelEnkel495]
4.
Biologie Ansammlung von Tieren oder Pflanzen, die in enger, natürlicher Gemeinschaft leben
Beispiele:
eine Kolonie von Flamingos, Reihern, Murmeltieren
Kolonien von Korallen, Algen, Pilzen
die Fischreiher brüten in kleinen Kolonien in der Heide
Brennesseln … die in ganzen Kolonien dort wuchsen [ BöllHaus174]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kolonie · kolonial · Kolonialwaren · Kolonist · kolonisieren · Kolonisation
Kolonie f. ‘Ansiedlung bzw. Personengruppe gleicher Nationalität außerhalb des Mutterlandes, durch Unterwerfung angeeignetes und in Abhängigkeit gehaltenes (meist überseeisches) Gebiet’, entlehnt (16. Jh.) aus lat. colōnia ‘Bauerngut, Pachtgut, Ansiedlung, Niederlassung’, möglicherweise unter Einfluß von mfrz. frz. colonie, das zunächst (als Ausdruck der Geschichtswissenschaft) auf die griechischen und römischen Kolonien, dann (seit dem 16. Jh.) auf die überseeischen Kolonien der damaligen Weltmächte Spanien und Portugal bezogen wird. Das Substantiv ist eine Ableitung von lat. colere ‘bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren’ (s. Kult, Kultur). – kolonial Adj. ‘die Kolonien betreffend, aus ihnen stammend’ (19. Jh.), Übernahme von frz. colonial, seit etwa 1800 besonders in Zusammensetzungen wie Kolonialgeschichte, -handel, -politik. Kolonialwaren Plur. ‘Lebens- und Genußmittel aus Übersee’, zunächst für die durch Beschluß Napoleons (1810) im Rahmen der Kontinentalsperre mit einer Steuer belegten Waren dieser Art; zuvor Koloniewaren (Ende 18. Jh.). Kolonist m. ‘Siedler in einer Kolonie’ (2. Hälfte 18. Jh.), engl. colonist. kolonisieren Vb. ‘besiedeln, wirtschaftlich erschließen’ (2. Hälfte 18. Jh.), ‘eine Kolonie gründen, als Kolonie erobern’ (19. Jh.), engl. to colonize. Davon unabhängig ‘ansässig, einheimisch machen’ (vereinzelt 16. Jh.). Kolonisation f. ‘Besiedlung, Erschließung erworbenen, eroberten, unzureichend genutzten Landes’ (um 1800), engl. colonization.

Thesaurus

Synonymgruppe
Kolonie · Siedlung · Wohnanlage
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Kolonie · Zechenhauskolonie · Zechenhaussiedlung · Zechenkolonie · Zechensiedlung
Oberbegriffe
Assoziationen
Politik
Synonymgruppe
Auslandsbesitzung · Auslandsterritorium · Kolonie · Überseebesitz · Überseegebiet  ●  Schutzgebiet  euphemistisch
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Kolonie‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kolonie‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kolonie‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es gibt aber noch einen anderen Weg, die alte Kolonie zu erweitern! [Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 158]
Es macht doch Freude, hier in den Kolonien zu arbeiten! [Grzimek, Bernhard: Kein Platz für wilde Tiere, Köln: Lingen [1973] [1954], S. 89]
Er geht bis in die Zeit der ersten Kolonien zurück, die in der Neuen Welt gegründet wurden, die zugleich beanspruchte, eine bessere Welt zu sein. [Lepenies, Wolf: Kultur und Politik, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 346]
Anderseits konnten Kolonien ebensogut eine Belastung wie ein Gewinn werden. [Barraclough, Geoffrey: Das europäische Gleichgewicht und der neue Imperialismus. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 10237]
Normalerweise leben aber nicht mehr als zehn Tiere in solchen Kolonien zusammen. [o. A.: Wenn Fledermäuse Hochzeit machen. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1999 [1998]]
Zitationshilfe
„Kolonie“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kolonie>.

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