Kolportage, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kolportage · Nominativ Plural: Kolportagen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungKol-por-ta-ge (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›Kolportage‹ als Erstglied: ↗Kolportageroman · ↗kolportagehaft
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Verbreitung, Ausstreuung von Gerüchten
Beispiel:
die Kolportage seiner Gegner kostete ihn die Stellung
2.
minderwertige Literatur
Beispiele:
sein neuer Roman ist reine Kolportage
das verrufenste Hinterhaus der Literatur, die Kolportage [St. ZweigBalzac71]
3.
veraltet Vertrieb von billigen, heftweise erscheinenden Schriften durch Hausierer
Beispiel:
der einarmige Seifert will es mit der Kolportage versuchen [BebelAus meinem Leben632]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kolportieren · Kolportage · Kolporteur
kolportieren Vb. ‘verbreiten, weitererzählen’, besonders ungesicherte Nachrichten, Gerüchte (Ende 19. Jh.), älter ‘von Haus zu Haus ziehen und für Druckerzeugnisse Käufer, Abonnenten suchen’ (19. Jh.), entlehnt aus in beiden Bedeutungen üblichem frz. colporter, das unter dem Einfluß von afrz. mfrz. col (vgl. die Wendung afrz. porter a col ‘auf den Schultern, dem Nacken tragen’), frz. cou ‘Hals’ (lat. collum, s. ↗Hals) aus afrz. comporter ‘herumtragen’ (lat. comportāre ‘zusammentragen’, vgl. lat. portāre ‘tragen’ und s. ↗kon-) entstanden ist. Kolportage f. ehemals ‘Hausierhandel, Vertrieb von billigen, oft literarisch minderwertigen Druckerzeugnissen’ (19. Jh., vgl. Kolportageliteratur, -roman), daher heute ‘minderwertige Literatur’, seltener auch ‘Verbreitung von Nachrichten’ (20. Jh.), frz. colportage. Kolporteur m. ‘Nachrichten-, Gerüchteverbreiter’ (20. Jh.), ‘Hausierer, ambulanter Buchhändler’ (18. Jh.), frz. colporteur.

Typische Verbindungen zu ›Kolportage‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kolportage‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kolportage‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Manchmal übernimmt der Autor selber diese Übersetzungsarbeit und gleitet damit in die Kolportage ab.
Die Zeit, 13.05.1983, Nr. 20
Jetzt fusioniert er Geschichten aus den Topetagen internationaler Banken zur finsteren Kolportage.
Die Welt, 08.01.2000
Viele suchen wenigstens in ihrem Titel der glücklichen Insel den Glanz greller Kolportage zu geben.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 28
Was zunächst als Waffe gegen Kolportage und Massenliteratur geschmiedet worden war, erwies sich schnell als brauchbares Instrument gegen provozierende literarische Innovationen.
Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1991], S. 3278
Die theosophische Kolportage hat mit den Mysteriösen, gar mit den christlichen Mystikern alter Zeit nicht einen einzigen Punkt ernstlich gemein.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 3, Berlin: Aufbau-Verl. 1956, S. 276
Zitationshilfe
„Kolportage“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kolportage>, abgerufen am 19.02.2020.

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