Kommunismus, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kommunismus · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungKom-mu-nis-mus (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Kommunismus‹ als Letztglied: ↗Antikommunismus · ↗Eurokommunismus · ↗Nationalkommunismus
eWDG, 1969

Bedeutung

die nach der Lehre von Marx auf den Sozialismus folgende klassenlose Wirtschaftsform und Gesellschaftsform, in der sämtliche Produktionsmittel Volkseigentum und alle Mitglieder der Gesellschaft sozial völlig gleich sind
Beispiele:
der Aufbau des Kommunismus
der Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus
der Kommunismus löst den Sozialismus ab
im Kommunismus leben
für den Kommunismus kämpfen
die Großbauten des Kommunismus
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kommunismus · Kommunist · kommunistisch
Kommunismus m. Gesellschaftsformation, die auf dem gesellschaftlichen Eigentum an Produktionsmitteln beruht, sowie die Lehre vom Aufbau, den Prinzipien und Gesetzmäßigkeiten dieser Gesellschaftsordnung; Kommunist m. ‘wer für den Kommunismus eintritt, für ihn kämpft’. Von vereinzelten Frühbelegen abgesehen (vgl. engl. communists or socialists ‘Personen, die sich für Gemeinbesitz des Kapitals einsetzen’, 1827, frz. communiste ‘Person, die das Weiderecht auf dem Gemeindeland hat’, 18. Jh., bei Mirabeau), beginnt die zusammenhängende Geschichte der hier behandelten Wortgruppe im Frz., Engl. und Dt. um 1840. Frz. communiste, seit 1834 (Lamennais) nachzuweisen, wird vor allem mit É. Cabets Schrift Comment je suis communiste (verfaßt 1840) geläufig, frz. communisme ist seit 1840 belegt. Die frühesten Nachweise für engl. communist, communism stammen von 1843 (engl. communist Adj. bereits 1841, s. unten), der Engländer Barmby hat allerdings nachträglich (1848) für sich in Anspruch genommen, bei einem Besuch in Frankreich 1840 als erster die Bildung auf -ism geschaffen zu haben. In Deutschland werden die Termini Kommunisten und Kommunismus durch Heines Berichte aus Paris (1841) bekannt. Da die Wortprägungen (samt den zugehörigen Begriffen) dem Kreis der französischen und englischen utopischen Sozialisten entstammen, werden Kommunismus bzw. engl. communism zunächst (1843) von Marx und (in einer engl. Veröffentlichung) von Engels noch unterschiedlich akzentuiert gebraucht, von Marx negativ in der Polemik gegen falsche, einseitige Auffassungen, von Engels dagegen positiv als Ausdruck der Erkenntnis von der Notwendigkeit entscheidender gesellschaftlicher Veränderungen. Dazu kommunistisch Adj. Vorauf gehen adjektivisches frz. communiste (1840), engl. communist (1841 gründet Barmby The London Communist Propaganda Society). Danach erscheint das dt. Adjektiv in Weitlings Schrift Die Regierungsform des kommunistischen Prinzips (1842) und bei Marx und Engels in der programmatischen Darstellung Manifest der Kommunistischen Partei (1847/48). Zugrunde liegt der gesamten hier behandelten Wortgruppe lat. commūnis ‘gemeinsam, gemeinschaftlich, allgemein’, dazu das substantivierte Neutrum lat. commūne ‘gemeinschaftlicher Besitz, gemeinschaftliches Vermögen’ (auch ‘Gemeinwesen’, s. ↗Kommune), etymologisch verwandt mit ↗gemein, ↗gemeinsam (s. d.). Die Wortschöpfungen des 19. Jhs. heben also das Gemeineigentum als das entscheidende Moment der künftigen Gesellschaftsordnung hervor. Dazu bereits (doch ohne Auswirkung auf die vorgenannte Entwicklung) nlat. communistae Plur. als Bezeichnung der Angehörigen einer religiösen Gemeinschaft (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Bolschewismus · ↗Maoismus · ↗Marxismus-Leninismus · ↗Sozialismus · ↗Stalinismus  ●  Kommunismus  Hauptform
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Realsozialismus · real existierender Sozialismus · realer Sozialismus
  • Frühsozialismus · utopischer Sozialismus
Assoziationen
  • Kuba · Republik Kuba  ●  Perle der Karibik  ugs. · ↗Zuckerinsel  ugs.
  • Demokratische Volksrepublik Korea · Nordkorea
  • Demokratische Republik Vietnam · Nordvietnam
  • Sozialistischer Realismus · Sozrealismus
  • Freie sozialistische Arbeiterjugend · Freie sozialistische Jugend
  • links · ↗linksgerichtet · ↗linksorientiert · politisch links stehend · ↗rot · ↗sozialistisch  ●  ↗kommunistisch (sein)  Hauptform · (eine) rote Socke (sein)  ugs., fig., abwertend · vaterlandslose Gesellen  derb, politisch, abwertend, historisch
  • Kommunist · ↗Linker · ↗Sozialist  ●  ↗Genosse  ugs., DDR · Roter  ugs. · rote Socke  ugs., fig., abwertend
  • Freie Deutsche Jugend  ●  ↗FDJ  Abkürzung
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufbau Ausbreitung Bastion Bollwerk Eindämmung Faschismus Gespenst Ideologie Kapitalismus Katholizismus Kinderkrankheit Kollaps Liberalismus Marxismus Nationalismus Nationalsozialismus Nazismus Niedergang Schwarzbuch Sozialismus Stalinismus Sturz Untergang Vormarsch Wiedergründung Zusammenbruch atheistisch sowjetisch totalitär Übergang

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kommunismus‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Kommunismus ging zugrunde, weil die sowjetischen Eliten glaubten, ihn reformieren zu können.
Die Zeit, 23.07.2009, Nr. 11
Dabei hatte er als junger Mann glühend an den Kommunismus geglaubt.
Süddeutsche Zeitung, 18.06.2004
Der Kommunismus sei übrigens gar nicht mal das schlimmste Übel gewesen.
Degenhardt, Franz Josef: Für ewig und drei Tage, Berlin: Aufbau-Verl. 1999, S. 213
Doch bekanntlich hat der Kommunismus nichts mit dem biblischen Ideal gemein.
Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 1983, Nr. 6, Bd. 31
Unter diesen Bürgern allerdings führte er einen strengen Kommunismus ein.
Petersen, Jes: Erde und Mensch, Berlin: Columbus-Verl. [1935] [1925], S. 119
Zitationshilfe
„Kommunismus“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kommunismus>, abgerufen am 15.11.2018.

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