Konsens, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Konsenses · Nominativ Plural: Konsense · wird selten im Plural verwendet
Aussprache [kɔnˈzɛns]
Worttrennung Kon-sens
Wortbildung  mit ›Konsens‹ als Erstglied: ↗Konsensgespräch · ↗konsensfähig · ↗konsensual · ↗konsensuell
 ·  mit ›Konsens‹ als Letztglied: ↗Minimalkonsens
Herkunft aus cōnsēnsuslat ‘Übereinstimmung, Einstimmigkeit’ < cōnsentīrelat ‘übereinstimmen, übereinkommen, einwilligen’ < con‑lat ‘zusammen-’ + sentīrelat ‘fühlen, empfinden, Einsicht haben, meinen, denken’
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Übereinstimmung der Meinungen, Ansichten; Einigkeit, Einvernehmen in Bezug auf bestimmte FragenZDL
Gegenwort zu Dissens
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein nationaler, parteiübergreifender, überparteilicher, gesellschaftlicher Konsens; ein breiter, weitgehender, tragfähiger, stillschweigender, unausgesprochener Konsens
als Akkusativobjekt: einen Konsens anstreben, suchen, erzielen, finden, herstellen; einen Konsens gefährden, aufkündigen, zerstören
in Präpositionalgruppe/-objekt: der Zwang, Wille, die Bereitschaft zum Konsens; sich um einen Konsens bemühen; etw. im Konsens lösen
in Koordination: Konsens und Kompromiss; Konsens und Konflikt
mit Genitivattribut: der Konsens der Parteien, Demokraten, Beteiligten; ein Konsens der Mehrheit, Mitte
als Aktiv-/Passivsubjekt: ein Konsens bildet sich heraus, zeichnet sich ab, kommt zustande, bröckelt, zerbricht
hat Präpositionalgruppe/-objekt: ein Konsens über Parteigrenzen hinweg; ein Konsens mit [einem Verhandlungspartner]; ein Konsens in der Rentenpolitik, Endlagerfrage, Zuwanderungsfrage
Beispiele:
Normalerweise entscheidet das Gremium im Konsens. [Süddeutsche Zeitung, 08.11.2018]
In Kanada herrscht […] weitgehend Konsens darüber, dass es allen nutzt, wenn die Bevölkerung wächst. [Die Zeit, 29.07.2017]
Gefährlich für den zivilen Konsens der Demokratie wird es, wenn sich vermeintliche politische Saubermänner an die Spitze von enthemmten Einpeitschern setzen und ihnen mit ihrem Renommee als angesehene Bildungsbürger Deckung geben. [Die Welt, 04.03.2016]
Wer sich verständigen will, muß gemeinsame Standards unterstellen, anhand deren die Beteiligten entscheiden können, ob ein Konsens zustande kommt. [Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns. Bd. 1. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 166]
Beck selber fordert heute einen »neuen Pakt der Unsicherheit«, in dem Konsense über akzeptable Risiken gefunden werden sollen. [Die Zeit, 13.05.2004] ungewöhnl. Pl.
2.
veraltend Genehmigung, Einwilligung, ErlaubnisWDG
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw. mit, ohne Konsens des Vorgesetzten tun
als Akkusativobjekt: seinen Konsens zu etw. geben
Beispiele:WDG
wenn ich mich heute bequeme, meinen gravitätischen Konsens zu Klaras irdischem Glücke […] zu senden [ Th. MannBuddenbrooks1,293]
die Niederreißung der ohne kurfürstlichen Konsens erbauten Tagewerkshäuser [ BebelFrau148]

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Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Konsens · Dissens
Konsens m. ‘Einwilligung, Zustimmung’. Das seit dem 15. Jh. (vgl. consensbrief ‘Einwilligungsurkunde’, Frankfurt 1411, sowie mnd. consens, consent) bezeugte Substantiv gehört anfangs der Kanzleisprache an, gilt dann besonders für die bei der Obrigkeit einzuholende ‘Erlaubnis zur Eheschließung’. Es ist aus lat. cōnsēnsus ‘Übereinstimmung, Einstimmigkeit’ entlehnt, einer Bildung zu lat. cōnsentīre (cōnsēnsum) ‘übereinstimmen, übereinkommen, einwilligen’ (spätlat. cōnsēnsum esse ‘einverstanden sein’); vgl. lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, Einsicht haben, meinen, denken’. Heutiger Gebrauch im Sinne von ‘Übereinstimmung der Meinungen, Einigkeit’ knüpft erneut an das lat. Vorbild an. Dissens m. ‘Meinungsverschiedenheit, Streit’, entlehnt (17. Jh.) aus gleichbed. lat. dissēnsus m., zu lat. dissentīre ‘verschiedener Meinung sein, im Widerspruch stehen’, lat. sentīre (s. oben) und ↗dis-.

Thesaurus

Synonymgruppe
Einhelligkeit · ↗Einigkeit · ↗Einklang · ↗Einmütigkeit · ↗Einstimmigkeit · ↗Eintracht · ↗Einvernehmen · ↗Gleichgestimmtheit · ↗Harmonie · ↗Konformismus · ↗Konformität · ↗Konsensus · ↗Zustimmung · ↗Übereinkommen · ↗Übereinstimmung  ●  Konsens  fachspr. · traute Harmonie  geh., ironisch
Assoziationen
Antonyme
  • Konsens  fachspr.
Synonymgruppe
(allgemein) akzeptiert (sein) · ↗(darin) übereinstimmen · (es) herrscht Einigkeit · (sich) (darin) einig (sein) · Konsens (sein) · ↗unbestritten (sein) · ↗unstrittig (sein) · ↗übereinkommen
Antonyme
  • Konsens (sein)

Typische Verbindungen zu ›Konsens‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Konsens‹.

Zitationshilfe
„Konsens“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Konsens>, abgerufen am 12.04.2021.

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