Konsens, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Konsenses · Nominativ Plural: Konsense · wird selten im Plural verwendet
Aussprache[kɔnˈzɛns]
WorttrennungKon-sens
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›Konsens‹ als Erstglied: ↗Konsensgespräch · ↗konsensfähig · ↗konsensual · ↗konsensuell
 ·  mit ›Konsens‹ als Letztglied: ↗Minimalkonsens
eWDG, 1969 und ZDL, 2019

Bedeutungen

1.
Übereinstimmung der Meinungen, Ansichten; Einigkeit, Einvernehmen in Bezug auf bestimmte FragenQuelle: ZDL, 2019
Gegenwort zu Dissens
Beispiele:
Normalerweise entscheidet das Gremium im Konsens. [Süddeutsche Zeitung, 08.11.2018]
In Kanada herrscht […] weitgehend Konsens darüber, dass es allen nutzt, wenn die Bevölkerung wächst. [Die Zeit, 29.07.2017, Nr. 31]
Gefährlich für den zivilen Konsens der Demokratie wird es, wenn sich vermeintliche politische Saubermänner an die Spitze von enthemmten Einpeitschern setzen und ihnen mit ihrem Renommee als angesehene Bildungsbürger Deckung geben. [Die Welt, 04.03.2016]
Wer sich verständigen will, muß gemeinsame Standards unterstellen, anhand deren die Beteiligten entscheiden können, ob ein Konsens zustande kommt. [Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns – Bd. 1. Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 166]
Beck selber fordert heute einen »neuen Pakt der Unsicherheit«, in dem Konsense über akzeptable Risiken gefunden werden sollen. [Die Zeit, 13.05.2004, Nr. 21] ungewöhnl. Pl.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein nationaler, parteiübergreifender, überparteilicher, gesellschaftlicher Konsens; ein breiter, weitgehender, tragfähiger, stillschweigender, unausgesprochener Konsens
als Akkusativobjekt: einen Konsens anstreben, suchen, erzielen, finden, herstellen; einen Konsens gefährden, aufkündigen, zerstören
in Präpositionalgruppe/-objekt: der Zwang, Wille, die Bereitschaft zum Konsens; sich um einen Konsens bemühen; etw. im Konsens lösen
in Koordination: Konsens und Kompromiss; Konsens und Konflikt
mit Genitivattribut: der Konsens der Parteien, Demokraten, Beteiligten; ein Konsens der Mehrheit, Mitte
als Aktiv-/Passivsubjekt: ein Konsens bildet sich heraus, zeichnet sich ab, kommt zustande, bröckelt, zerbricht
hat Präpositionalgruppe/-objekt: ein Konsens über Parteigrenzen hinweg; ein Konsens mit [einem Verhandlungspartner]; ein Konsens in der Rentenpolitik, Endlagerfrage, Zuwanderungsfrage
2.
veraltend Genehmigung, Einwilligung, ErlaubnisQuelle: WDG, 1969
Beispiele:Quelle: WDG, 1969
wenn ich mich heute bequeme, meinen gravitätischen Konsens zu Klaras irdischem Glücke […] zu senden [Th. MannBuddenbrooks1,293]
die Niederreißung der ohne kurfürstlichen Konsens erbauten Tagewerkshäuser [BebelFrau148]
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw. mit, ohne Konsens des Vorgesetzten tun
als Akkusativobjekt: seinen Konsens zu etw. geben

Den originalen WDG-Artikel können Sie hier anschauen.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Konsens · Dissens
Konsens m. ‘Einwilligung, Zustimmung’. Das seit dem 15. Jh. (vgl. consensbrief ‘Einwilligungsurkunde’, Frankfurt 1411, sowie mnd. consens, consent) bezeugte Substantiv gehört anfangs der Kanzleisprache an, gilt dann besonders für die bei der Obrigkeit einzuholende ‘Erlaubnis zur Eheschließung’. Es ist aus lat. cōnsēnsus ‘Übereinstimmung, Einstimmigkeit’ entlehnt, einer Bildung zu lat. cōnsentīre (cōnsēnsum) ‘übereinstimmen, übereinkommen, einwilligen’ (spätlat. cōnsēnsum esse ‘einverstanden sein’); vgl. lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, Einsicht haben, meinen, denken’. Heutiger Gebrauch im Sinne von ‘Übereinstimmung der Meinungen, Einigkeit’ knüpft erneut an das lat. Vorbild an. Dissens m. ‘Meinungsverschiedenheit, Streit’, entlehnt (17. Jh.) aus gleichbed. lat. dissēnsus m., zu lat. dissentīre ‘verschiedener Meinung sein, im Widerspruch stehen’, lat. sentīre (s. oben) und ↗dis-.

Thesaurus

Synonymgruppe
Einhelligkeit · ↗Einigkeit · ↗Einklang · ↗Einmütigkeit · ↗Einstimmigkeit · ↗Eintracht · ↗Einvernehmen · ↗Gleichgestimmtheit · ↗Harmonie · ↗Konformismus · ↗Konformität · ↗Konsensus · ↗Zustimmung · ↗Übereinkommen · ↗Übereinstimmung  ●  Konsens  fachspr. · traute Harmonie  geh., ironisch
Assoziationen
Antonyme
  • Konsens  fachspr.
Synonymgruppe
(allgemein) akzeptiert (sein) · ↗(darin) übereinstimmen · (es) herrscht Einigkeit · (sich) (darin) einig (sein) · Konsens (sein) · ↗unbestritten (sein) · ↗unstrittig (sein) · ↗übereinkommen
Antonyme
  • Konsens (sein)

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atomausstieg Ausstieg Beteiligter Demokrat Grundwahrheit abzeichnen allgemein antitotalitär aufkündigen außenpolitisch bestehen breit darübergeben energiepolitisch erreicht erzielen erzielt gesamtgesellschaftlich gesellschaftlich herausbilden herbeiführen herrschen herstellen national parteiübergreifend tragfähig weitgehend zerbrechen übergreifend überparteilich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Konsens‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch hier ist der internationale Konsens entscheidend, und Brown hat mehrfach erklärt, wie wichtig ihm dabei die Zusammenarbeit mit den europäischen Partnern ist.
Die Zeit, 14.05.2007, Nr. 20
Er sehe einen möglichen Konsens für einen weiteren Schnitt in der Produktion, sagte er.
Der Tagesspiegel, 17.01.2005
Ich halte den Konsens für eine gute Methode der Politik.
Archiv der Gegenwart, 2001 [2000]
Es hat einen Konsens gegeben, der von allen mitgetragen wurde.
Der Spiegel, 07.09.1992
Sie sehen also, warum es mir so wichtig war, Konsens zu haben.
Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 395
Zitationshilfe
„Konsens“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Konsens>, abgerufen am 10.12.2019.

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