Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kragen, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kragens · Nominativ Plural: Kragen
Nebenform süddeutsch, österreichisch, schweizerisch Kragen · Substantiv · Nominativ Plural: Krägen
Aussprache  [ˈkʀaːgn̩]
Worttrennung Kra-gen
eWDG

Bedeutung

Teil der Kleidung, der den Hals umschließt und die Schultern mehr oder weniger bedecken kann
Beispiele:
der Kragen des Hemdes, Kleides, Mantels
der Kragen an der Jacke, Bluse
ein enger, weiter, schmutziger, verschwitzter, weißer, steifer, eckiger, runder, gestärkter, bestickter, mit Pelz besetzter Kragen
ein halsferner Kragen
den Kragen annähen, anknöpfen, einknöpfen, bügeln, wechseln, erneuern
er schlug, klappte, stellte den Kragen hoch
wegen der Hitze laufen sie mit offenem Kragen
umgangssprachlichder Hund fasst, kriegt, packt, hat die Katze am, beim Kragen (= Genick)
bildlich
jmdn. am, beim Kragen fassen, nehmen, packen (= jmdn. fest packen)
Beispiel:
ich fasste den Eindringling am Kragen und führte ihn hinaus
jmdn. am, beim Kragen haben (= jmdn. festhalten, gepackt halten)
Beispiel:
der Verbrecher war entflohen, aber bald hatte ihn die Polizei wieder beim Kragen
jmdm. platzt der Kragen (= jmd. verliert vor Ärger die Ruhe)
Beispiele:
man reizte ihn, bis ihm der Kragen platzte
jetzt platzt mir aber der Kragen!
Kopf und Kragen (= das Leben, die Existenz) riskieren, aufs Spiel setzen, verlieren
etw. kostet jmdn. Kopf und Kragen
das Geständnis kann dich Kopf und Kragen kosten
jmdm. geht es an den Kragen, an Kopf und Kragen (= jmdm. geht es ans Leben, an die Existenz)
Beispiel:
wenn du nicht verschwindest, wird es dir an den Kragen gehen
salopp jmdm. an den Kragen fahren (= jmdn. tätlich angreifen)
Beispiel:
plötzlich fuhren sich die Kinder an den Kragen und prügelten sich
umgangssprachlich bei jmdm. geht es um Kopf und Kragen (= jmd. ist in großer Gefahr)
Beispiele:
in dem Prozess geht es (bei ihm) um Kopf und Kragen
du bringst dich, uns, deine Familie durch dein Handeln um Kopf und Kragen
er wird sich noch um Kopf und Kragen reden (= er gefährdet sich durch unvorsichtiges Reden)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kragen · Kragstein
Kragen m. ‘den Hals umschließender Teil der Kleidung’, mhd. krage ‘Hals, Kehle, Schlund, Nacken’, dann ‘Bekleidungsstück des Halses’, mnd. krāge, mnl. crāghe, nl. kraag, schwed. krage, vielleicht auch engl. craw ‘Kropf der Vögel’ lassen sich außergerm. vergleichen mit griech. bróchthos (βρόχθος) ‘das Verschlucken, Schluck, Schlund’, air. brāgae ‘Hals, Nacken’, die eine Rückführung auf ie. *gu̯rō̌gh- ermöglichen (s. auch Krug2), das als gh-Erweiterung der Wurzel ie. *gu̯er(ə)- ‘verschlingen, Schlund’ (wozu auch Köder, s. d.) angesehen werden kann. In der alten Bedeutung ‘Hals, Kehle, Nacken’ begegnet Kragen noch landschaftlich in bezug auf den Hals von Geflügel und in Wendungen, bei denen an die Hinrichtung als juristische Strafe zu denken ist, z. B. es kostet ihn den Kragen (16. Jh.), es geht ihm an den Kragen (17. Jh.), es geht um Kopf und Kragen. An die heute allgemein übliche Bedeutung schließt an ihm platzt der Kragen ‘er gerät in Zorn, schwillt an vor Zorn’. Kragstein m. ‘aus der Mauer vorspringender, als Träger verwendeter Stein, Konsole’ (vgl. Tragstein), mhd. kragstein, eigentlich ‘Halsstein’, auf dem der Kopf eines Balkens oder Eisenträgers ruht.

Thesaurus

Architektur
Synonymgruppe
Auskragung · Kragen · Vorkragung
Assoziationen
Synonymgruppe
Hemdkragen · Kragen
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Kragen‹ (berechnet)

Molch abbinden aufgestellt ausgebreitet blütenweiß geplatzt gespreizt gesteift gestärkt geöffnet halsfern hochgeklappt hochgeschlagen hochgeschlossen hochgestellt hochschlagen hochstehend hochstellen klappen knöpfen lockern platzen schlagen steif umbinden weissem weissen weiß

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kragen‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kragen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dort sind die von Foster geplanten zwei Neubau‑Blöcke mit zehn Etagen auch am höchsten und kragen über das Wasser. [Die Welt, 01.08.2005]
Und oben könnte ruhig der offene Kragen oder gar der nackte Hals herausschauen. [Graudenz, Karlheinz u. Pappritz, Erica: Etikette neu, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1967 [1956], S. 158]
Während des Gehens rutscht das Tier immer wieder nach hinten ab und krallt sich dann am Kragen des Mannes fest. [Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2005, S. 90]
Auch den Wölfen geht es immer öfter an den Kragen. [Die Zeit, 22.04.1999, Nr. 17]
Der Regen fällt jetzt in den Kragen, aber so was zählt nicht. [Die Zeit, 05.12.1997, Nr. 50]
Zitationshilfe
„Kragen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kragen>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Krage
Kragdach
Kraftübung
Kraftübertragung
Kraftüberschuss
Kragenbär
Kragenecke
Kragengarnitur
Kragenknopf
Kragennummer