Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kramladen, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kramladens · Nominativ Plural: Kramläden
Aussprache  [ˈkʀaːmlaːdn̩]
Worttrennung Kram-la-den
Wortzerlegung Kram Laden
ZDL-Verweisartikel

Bedeutung

besonders historisch, oft D-Mittelwest , D-Mittelost , umgangssprachlich Synonym zu Tante-Emma-Laden, Unterbegriff von Gemischtwarenladen (1)
Beispiele:
Auf den Dörfern im Landkreis Darmstadt‑Dieburg krankt der Einzelhandel. In 18 Stadt‑ und Ortsteilen des östlichen Landkreises beurteilen die Bürgermeister die Struktur als »lückenhaft bis gefährdet«[…]. Ursache ist, dass in den ländlichen Gebieten immer mehr Bäckerläden, Metzgereien und Kramläden schließen, so dass vor allem ältere Menschen Probleme haben, die Dinge des täglichen Lebens einzukaufen. [Frankfurter Rundschau, 21.11.2001]
Noch ist ist es nur die Idee weniger engagierter Ehrenamtler. […] Ziel ist die Schaffung eines kleinen Ladens, der weitaus mehr sein soll als eine Neuauflage von »Tante Emmas« längst ausgestorbenem »Kramladen«. Es soll also nicht allein ein Geschäft werden, wo alltägliche Lebensmittel wie Brot und Fleisch über den Tresen gereicht werden. Geplant ist vielmehr ein »Dienstleistungszentrum«, das wichtige Funktionen eines [sic!] Kontaktbörse für das Dorf übernimmt. [Aachener Zeitung, 06.07.2021]
Mit Feinkost‑Verkauf, Verkostungen, kleinen Mittagsgerichten und vielen frisch zubereiteten Delikatessen sorgt Thomas W[…] für Vielfalt in seinem Kramladen in der Mozartstraße. [Leipziger Volkszeitung, 15.08.2009]
Eine Anlaufstelle für Kunden war das Stadthaus am Markt, wo im 15. Jahrhundert ein Kaufhaus mit Fleisch‑, Schuh‑ und Lederbänken sowie Kramläden und einem Schankkeller entstand. [Thüringer Allgemeine, 08.12.2007]
Als ich nach sechs Wochen mit einem Auftragsbestand von neunhundertdreißig Mark und einer Liste, in der kein Landschuster und kein Kramladen jener unwirtlichen Gegend fehlte, zurückkam, da wußte ich, obwohl der Fabrikant mich beschimpfte und von nun an nichts mehr mit mir zu tun haben wollte, da wußte ich, daß ich mich zeit meines Lebens als Vertreter würde ernähren können, wenn ich auch zu diesem Beruf fast wie zu einer Sünde verführt worden war. [Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 26]
Wilder Wein schwang sich aus bloßliegenden Wurzeln um die Haustür und streckte einen gebogenen, an die Mauer geschmiegten Arm gegen das ebenerdige Fenster zur Rechten hin, das Schaufenster eines kleinen Kramladens. [Mann, Thomas: Der Zauberberg. Gütersloh: Bertelsmann 1998 [1924], S. 488]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kram · kramen · Kramladen · Krämer
Kram m. ‘(geringwertige) Gegenstände, Zeug, Krempel’, übertragen ‘nicht näher bezeichnete lästige Angelegenheiten’, ein nur im Dt. und Nl. heimisches Wort, das allerdings auf Grund ausgedehnter Handelsbeziehungen hansischer Kaufleute ins Nordgerm., ins Balt. und Slaw. entlehnt wird. Die Herkunft von ahd. krām ‘Kaufmannsbude, Zelt’ (Hs. 12. Jh.), mhd. krām ‘ausgespanntes Tuch, Zeltdecke, Kaufmannsbude, Handelsgeschäft, Kaufmannsware’, mnd. krām ‘Verkaufszelt, Waren, Kleinhandel, Gardine des Wochenbetts, Wochenbett’, mnl. crāme, craem, nl. kraam ist unbekannt. Anzunehmen ist eine Grundbedeutung ‘Zeltdach über einem Verkaufsstand bzw. über dem Wagen eines reisenden Händlers’; doch Anschluß an die s-lose Variante der unter Schirm (s. d.) behandelten ie. Wurzel bleibt unsicher. Vgl. G. Richter in: Zur Ausbildung d. Norm d. dt. Literaturspr. 2 (1976) 173 ff. kramen Vb. ‘herumwühlen’, mhd. krāmen ‘Kramhandel treiben’. Kramladen m. ‘Laden mit Kleinwaren’ (17. Jh.). Krämer m. ‘Lebensmittel-, Kleinwarenhändler’, übertragen ‘kleinlicher, engherziger Mensch’ (wofür auch Krämerseele, um 1800), ahd. krāmāri, krāmeri ‘Kleinhändler, Schankwirt’ (Hs. 12. Jh.), mhd. krāmære, kræmer.

Thesaurus

Synonymgruppe
Kramladen · Tante-Emma-Laden · kleines Geschäft
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Besitzer eines Kramladens · Inhaber eines Tante-Emma-Ladens · Kleinhändler · Krämer  ●  Höker  veraltet · kleiner Krauter  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Kramladen‹ (berechnet)

Glück Konfuzius zerschlagen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kramladen‹.

Zitationshilfe
„Kramladen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kramladen>.

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