Kraut, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Kraut(e)s · Nominativ Plural: Kräuter
Aussprache
Wortbildung mit ›Kraut‹ als Erstglied: ↗Krautbaron · ↗Krautfäule · ↗Krautfülle · ↗Krauthobel · ↗Krauthäuptel · ↗Krautjunker · ↗Krautkopf · ↗Krautrock · ↗Krautroulade · ↗Krautsalat · ↗Krautscheuche · ↗Krautschneider · ↗Krautwickel · ↗Kräutchen · ↗Kräuterabsud · ↗Kräuterbad · ↗Kräuterbuch · ↗Kräuteressig · ↗Kräuterfrau · ↗Kräuterheilkunde · ↗Kräuterhexe · ↗Kräuterkäse · ↗Kräuterlikör · ↗Kräutersalbe · ↗Kräuterschnaps · ↗Kräuterseitling · ↗Kräutertee · ↗Kräuterweib · ↗Kräuterweihe · ↗Kräutlein · ↗krautartig
 ·  mit ›Kraut‹ als Letztglied: ↗Apfelkraut · ↗Arzneikraut · ↗Balsamkraut · ↗Bayrischkraut · ↗Bergkraut · ↗Bilsenkraut · ↗Birnenkraut · ↗Blaukraut · ↗Bohnenkraut · ↗Erbsenkraut · ↗Farnkraut · ↗Fingerkraut · ↗Gallenkraut · ↗Gewürzkraut · ↗Gänsekraut · ↗Habichtskraut · ↗Heidekraut · ↗Heidelbeerkraut · ↗Heilkraut · ↗Hornkraut · ↗Kartoffelkraut · ↗Küchenkraut · ↗Labkraut · ↗Mutterkraut · ↗Nabelkraut · ↗Pflaumenkraut · ↗Preiselbeerkraut · ↗Rotkraut · ↗Rübenkraut · ↗Sauerkraut · ↗Schellkraut · ↗Schmorkraut · ↗Seifenkraut · ↗Spargelkraut · ↗Sperrkraut · ↗Suppenkraut · ↗Tausendguldenkraut · ↗Teekraut · ↗Unkraut · ↗Weißkraut · ↗Welschkraut · ↗Würzkraut · ↗Zwetschenkraut · ↗Zwetschgenkraut · ↗Zwetschkenkraut · ↗Zündkraut
 ·  mit ›Kraut‹ als Grundform: ↗Gekräut
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
nur im Singular
nicht als menschliches Nahrungsmittel dienende Blätter mancher Pflanzen
Beispiele:
das Kraut der Rüben, Kartoffeln
das Kraut von den Mohrrüben abschneiden, entfernen
die Tomaten, Rüben sind zu sehr ins Kraut geschossen (= haben zu viele große Blätter bekommen)
übertragen ins Kraut schießensich ungehemmt und stark ausbreiten, überhandnehmen
Beispiele:
der Aberglaube schoss im Mittelalter üppig, kräftig ins Kraut
ihr Ehrgeiz und der etwas ins Kraut geschossene Tatendrang [RinserMitte348]
umgangssprachlich wie Kraut und Rübenbunt, unordentlich
Beispiele:
dort lag alles wie Kraut und Rüben durcheinander
in seinen Briefen, Gesprächen ging alles durcheinander wie Kraut und Rüben
Was ich da fand, stellte Kraut und Rüben dar (= stellte ein buntes Durcheinander dar) [GrassBlechtrommel71]
2.
meist im Plural
Pflanzen, bei denen das Blattwerk die Hauptsache ist, die im Unterschied zu Bäumen und Sträuchern nicht oder nur wenig verholzen und einen fleischigen grünen Stängel haben
Beispiele:
grüne, getrocknete, heilsame, würzige, giftige, fremdartige Kräuter
Kräuter werden auch heute noch zu Heilzwecken, für Heilzwecke verwandt
Kräuter trocknen, (fein) wiegen
die Kinder gingen Kräuter sammeln
eine Suppe, Speise mit Kräutern würzen
einen Tee, eine Arznei aus Kräutern bereiten
am Feldrain wachsen Blumen und Kräuter
sie legte ein getrocknetes Kraut in ihr Herbarium, in einen Bilderrahmen
die Luft war satt vom Geruch der Kräuter [Feuchtw.Jefta323]
Sie kannte jedes giftige Kraut auf den Schutthalden und in den Wäldern [A. ZweigGrischa173]
übertragen
Beispiel:
sie benimmt sich wie ein Kräutlein Rührmichnichtan
umgangssprachlich dagegen ist kein Kraut gewachsen (= dagegen gibt es kein Mittel)
Beispiele:
sprichwörtlich gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen
Eine Traurigkeit, gegen die kein Kraut gewachsen ist, schnürte beiden die Kehle zu [SeghersSiebtes Kreuz4,232]
3.
nur im Singular
landschaftlich Sammelbezeichnung für einzelne Kohlarten, besonders für Weißkohl
Beispiele:
Kraut anbauen, schneiden, einlegen, einsäuern
außer Fleisch und Kartoffeln gab es noch Kraut zum Mittag
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlich das macht das Kraut (auch) nicht fett (= das hilft, ändert nicht viel)
süddeutsch, österreichisch Sauerkohl
Beispiel:
er aß Würstchen mit Kraut
4.
umgangssprachlich, abwertend Tabak
Beispiele:
er raucht ein elendes, entsetzliches, fürchterliches, schlechtes, mieses, gutes Kraut, nicht jedes Kraut
Wieder bläst er eine duftende Wolke des edlen Krauts ins Zimmer [NachbarMond115]
5.
Jägersprache
Beispiel:
Kraut und Lot (= Pulver und Blei)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kraut · Unkraut · Sauerkraut · Kräuter · krauten
Kraut n. ‘kleinere, nicht verholzende Blattpflanze, Blattwerk’, (vgl. Rüben-, Kartoffelkraut), ‘Gemüse, Kohl’ (vgl. Blau-, Rot-, Weiß-, Sauerkraut), fachsprachlich ‘ein- oder zweijährige, nicht verholzende Pflanze’ ahd. (8. Jh.), mhd. krūt, asächs. krūd (‘Unkraut’), mnd. krūt, mnl. cruut, nl. kruid. Die Herkunft des nur im Dt. und Nl. bezeugten Wortes ist unklar. Man hat, obwohl sehr unsicher, germ. *krūda- ‘Kraut’ auf ein ie. *gu̯rūto- zurückgeführt, um es als Partizipialbildung mit griech. brýein (βρύειν) ‘sprossen, strotzen, keimen’ (s. ↗Embryo) verbinden zu können, und hat die germ. und griech. Formen in Beziehung gesetzt zu einer auf ie. *gu̯eru- ‘Stange, Spieß’ (älter vielleicht ‘Zweig’?) beruhenden Wortgruppe got. qaíru ‘Pfahl, Stachel’, lat. verū ‘Spieß’, air. bi(u)r ‘Speer, Spieß’, dazu ablautend awest. grava- ‘(Rohr)stock’ (dazu s. ↗kirre). Angesichts der schwierigen Vergleichsmöglichkeiten hält de Vries Nl. 366 Herkunft aus einer vorie. Substratsprache für erwägenswert. Redensartlich ins Kraut schießen ‘sich unkontrolliert entwickeln, ausbreiten’ (eigentlich ‘nur Blätter, keine Frucht bringen’); dagegen ist kein Kraut (‘Heilmittel’) gewachsen ‘dagegen hilft nichts, das ist nicht zu ändern’ (16. Jh.); das Kraut fett machen ‘viel, Wichtiges dazutun’ (17. Jh.), der macht’s Kraut auch nicht fett ‘der tut nicht viel dazu, ändert nicht viel’ (19. Jh.); wie Kraut und Rüben ‘durcheinander’ (17. Jh.). Unkraut n. ‘für den Menschen nicht verwertbare Pflanze’, ahd. (9. Jh.), mhd. unkrūt. Sauerkraut n. ‘fein geschnittenes, mit Salz und Gewürz eingelegtes Weißkraut’ (16. Jh.). Kräuter Plur. ‘Gewürz- und Heilpflanzen’, in älterer Zeit auch singularisch mhd. krūt ‘Gewürz’ (Anfang 14. Jh.), frühnhd. Kraut ‘Heilpflanze’ (15. Jh.). krauten Vb. ‘Unkraut jäten’ (15. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beere Blume Duft Gemüse Gewürz Gras Kartoffel Knoblauch Knödel Olivenöl Pilz Provence Rübe Salat Salz Spekulation Strauch Tomate Unkraut Zwiebel aromatisch duften duftend frisch gehackt getrocknet schießen schossen wachsen würzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kraut‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um die toten Fenster rankt Kraut, es wuchert alles nur vor sich hin.
Der Tagesspiegel, 24.09.2001
Frische Kräuter gibt man am besten kurz vor dem Servieren ans Essen.
Bild, 20.03.1998
Doch selbst wenn diese Fehler vermieden worden wären, gegen das finanzielle Argument der Bauern ist kein Kraut gewachsen.
Süddeutsche Zeitung, 04.01.1994
Das ganze Feld war schon vernichtet, das Kraut zu Brei geschlagen.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 18203
Der Same ging prachtvoll auf, das Kraut schoß mächtig in die Höhe, aber die ersehnten Radieschen zeigten sich nicht.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 4075
Zitationshilfe
„Kraut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kraut>, abgerufen am 19.06.2019.

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