Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Krethi und Plethi

Grammatik Mehrwortausdruck
Aussprache 
Hauptbestandteile Krethi Plethi
ZDL-Vollartikel

Bedeutung

sprichwörtlich, meist abwertend jedermann, alle Welt; gewöhnliche Personen (die man nicht besonders schätzt)
Synonym zu Hinz und Kunz
Beispiele:
Es sind harte Zeiten, auch für die Reichsten der Reichen. Bisher fuhren Milliardäre gepflegt in den Urlaub. Sie mussten nicht um sieben Uhr morgens aufstehen, um sich vor Krethi und Plethi die Strandliegen auf Ibiza zu reservieren. Sie mussten sich auch nicht mit Otto Normalverbraucher einen Nahkampf am überfüllten Skilift liefern. [Süddeutsche Zeitung, 20.11.2008]
Die ursprünglich teuren Flüge, die nur dem Business vorbehalten waren, wurden so billig, dass nun Krethi und Plethi fliegen können. [Ein Blog über Komplexität in Wirtschaft und Gesellschaft, 08.05.2016, aufgerufen am 15.09.2018]
Das ist ein Sammelplatz von verschiedensten Leuten, da kommen Krethi und Plethi hin. [Neue Zürcher Zeitung, 17.11.2015]
Volksbefragung bedeutet, das Volk um seine Meinung zu einem politischen Problem zu bitten, das zur Entscheidung ansteht. Normalerweise geht das so vor sich: Zuerst wird befragt und nachher das Ergebnis ignoriert, damit der Weisheit der Regierenden keine demokratischen Kinkerlitzchen in die Quere kommen. Aber immerhin, Krethi und Plethi, also die ahnungslosen kleinen Leute, können ihren Senf abgeben, damit sie sich in der Illusion wiegen, ihre Meinung sei gefragt. [Die Zeit, 02.08.2012]
Es ist Krethi und Plethi beisammen (geladen): eine bunt zusammengewürfelte Volksmenge, Leute verschiedenen Standes, heute meist in sozial abwertendem, verächtlichem Sinne: allerlei Gesindel, Pöbel. [Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994] [1973], S. 3519]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Krethi und Plethi abschätzig ‘jedermann, gemischte Gesellschaft, Hinz und Kunz’. Die in diesem Sinne seit Anfang des 18. Jhs. gebrauchte Fügung stammt aus Luthers Bibelübersetzung, wo (z. B. 2. Sam. 8, 18; 15, 18) hebr. ha-kkerēti weeha-ppelētī mit Crethi und Plethi wiedergegeben wird (vgl. spätlat. Cerethi et Phelethi Vulgata). Der Ausdruck bezeichnet die ausländischen Söldner der Leibwache des Königs David. Das an anderen Stellen der Bibel erscheinende hebr. kerētīm steht für die nach Darstellung des Alten Testaments wahrscheinlich aus Kreta kommenden Philister und wird als ‘Kreter’ bzw. ‘Abkömmlinge der Insel Kreta’ interpretiert. Aber hebr. pelētī, das wie eine Analogiebildung zu kerētīm wirkt, ist sprachlich wohl von hebr. pelištī (Philister) zu trennen.

Thesaurus

Synonymgruppe
Krethi und Plethi · jeder beliebige · jeder x-beliebige  ●  jeder dahergelaufene  abwertend · Hinz und Kunz  ugs., abwertend · sonst wer  ugs., abwertend
Assoziationen
  • alle · alle Welt · egal wer · jeder · jedermann · wer auch immer · wer immer (...)  ●  Jan und Jedermann  ugs.
  • alle restlichen · alle Übriggebliebenen · alle, die noch da sind · alles, was noch da ist  ●  alle, die nicht bei drei auf dem Baum sind  ugs., fig., scherzhaft, variabel · alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist  ugs., scherzhaft, fig., variabel
Zitationshilfe
„Krethi und Plethi“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Krethi%20und%20Plethi>.

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