Kreuzgang, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungKreuz-gang (computergeneriert)
WortzerlegungKreuzGang1
eWDG, 1969

Bedeutung

im Viereck um einen Klosterhof führender und zum Hof hin offener Bogengang mit Brüstung
Beispiel:
rücksichtslos hatte ich sie [die Abtei] romanischen Kathedralen nachgebildet, den Kreuzgang streng, niedrig und dunkel [BöllBillard110]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kreuz · Kreuzgang · Kreuzfahrer · Kreuzritter · kreuzdonnerwetter · kreuzweise · Kreuzspinne · Kreuzotter · kreuzlahm · Kreuzfeuer · kreuzigen · Kreuzigung
Kreuz n. ‘aus zwei sich rechtwinklig oder schräg schneidenden Balken oder Linien bestehendes Gebilde’. Lat. crux (Genitiv crucis) ‘Balken (mit Querholz), Marterpfahl (als Hinrichtungsgerät, an den Verbrecher geschlagen werden)’, übertragen ‘Marter, Qual’ wird im Zuge der Christianisierung der Germanen aus der lat. Kirchensprache zunächst als Bezeichnung für das ‘Kreuz Christi’ entlehnt in ahd. krūzi (8. Jh.), mhd. kriuz(e), asächs. krūci, krūzi, mnd. krǖze, mnl. crūce, nl. kruis, aengl. crūc, mengl. crouch. Der Ausdruck löst die im Germ. dafür übliche ältere, unter ↗Galgen (s. d.) dargestellte Bezeichnung ab. Bald wird in Anlehnung an die lat. Vorlage und im Hinblick auf das Leiden Christi der Verwendungsbereich erweitert zu ‘Mühsal, Not’ und zu ‘Zeichen des Kreuzes’ sowie ‘Kruzifix’ (mhd.), danach (an das Symbol des Christentums anknüpfend) ‘Ordenskreuz’ (15. Jh.), ferner ‘unterer Teil des Rückgrates’ (17. Jh., vgl. Kreuzbein) und (hinsichtlich der figürlichen bzw. graphischen Darstellung) ‘Notenzeichen’ (wohl 18. Jh.), ‘Spielkartenfarbe’ (19. Jh.). Dazu Wendungen wie zu Kreuze kriechen ‘sich demütigen, unterwerfen’, eigentlich zum Kreuz (‘Altarkreuz, Kruzifix’) kriechen (16. Jh.) als Teil der Kirchenbuße, besonders am Karfreitag; sein Kreuz auf sich nehmen, mhd. daʒ kriuze nemen ‘sich in sein Schicksal fügen’; sein Kreuz (‘Schicksal’) tragen, vgl. wer nicht tregt seyn kreutz vnnd folgt myr nach, der kan nit meyn iunger seyn (Luk. 14, 27, Luther), mhd. du solt dīn kriuze hān enbor (nach Mark. 8, 34). Kreuzgang m. ‘zu einem Klosterhof hin offener Bogengang’, mhd. kriuz(e)ganc, eigentlich ‘Bittgang, Umgang mit dem Kreuz, Prozession’, dann auch auf die mit bildlichen Darstellungen der Kreuzstationen Christi versehenen Säulengänge der Klöster und Kirchen übertragen. Kreuzfahrer m. Kreuzritter m. (18. Jh.) ‘Teilnehmer an einem Feldzug (mhd. kriuzevart, nhd. Kreuzzug, 18. Jh.) zur Eroberung Palästinas, des (als Wirkungsstätte Christi) heiligen Landes, und des Grabes Christi’. Aus Fluchwörtern wie kreuzdonnerwetter u. dgl. entwickeln sich das Grundwort verstärkende Bildungen wie kreuzgut (16. Jh.), kreuzbrav (18. Jh.), kreuzfidel (19. Jh.). kreuzweise Adv. ‘in Form eines Kreuzes’, mhd. kriuzewīse. Kreuzspinne f. Spinne mit hellem Kreuz auf dem Hinterleib (17. Jh.). Kreuzotter f. Giftschlange mit dunkler, kreuzähnlich verschlungener Rückenzeichnung (19. Jh.). kreuzlahm Adj. ‘an freier Bewegung durch Schmerzen am unteren Rückgrat gehindert, hüftlahm, erschöpft’ (18. Jh.). Kreuzfeuer n. ‘Beschuß von mehreren Seiten’ (19. Jh.). kreuzigen Vb. ‘ans Kreuz schlagen’, ahd. krūzigōn (um 1000), mhd. kriuzigen, auch ‘peinigen, plagen’, nach lat. cruciāre ‘kreuzigen, martern’; dazu Kreuzigung f. ahd. krūzigunga (11. Jh.), mhd. kriuzigunge.

Thesaurus

Synonymgruppe
Atrium · ↗Innenhof · Kreuzgang (Kloster) · ↗Lichthof (überdacht) · ↗Patio (vornehmlich span.)  ●  ↗Hof  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abtei Baptisterium Brunnenhaus Dom Dominikanerkloster Franziskanerkloster Fresko Friedenskirche Gewölbe Innenhof Kapitell Kapitelsaal Karmeliterkloster Kathedrale Kloster Klosteranlage Klostermauer Refektorium Sakristei Stiftskirche Westminster Abbey Zisterzienserkloster gotisch klösterlich mittelalterlich quadratisch romanisch spätgotisch zweigeschossig zweistöckig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kreuzgang‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Entlang der Wände hat er mit einfachsten Mitteln einen überdeckten Kreuzgang gebaut.
Süddeutsche Zeitung, 26.08.2004
Nach seinem Tode wurde er im Kreuzgang des New College begraben.
Tilmouth, Michael: King. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1958], S. 42317
Ari zeigt mir köstliche Brunnen und Kreuzgänge, die ich nie gefunden hätte.
Die Zeit, 29.10.1982, Nr. 44
Eine andere architektonisch bedeutende Form entstand durch Zusammenfassung der internen Bauten einer Klosters mit Hilfe eines regelmäßig gestalteten Kreuzganges.
o. A.: Lexikon der Kunst - I. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 6575
Nach dem Mittag mußten alle in den Schulgarten, bei Regen in den Kreuzgang.
Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 7548
Zitationshilfe
„Kreuzgang“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kreuzgang>, abgerufen am 22.02.2019.

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