Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kriecher, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kriechers · Nominativ Plural: Kriecher
Aussprache 
Worttrennung Krie-cher
Wortzerlegung kriechen -er
Wortbildung  mit ›Kriecher‹ als Erstglied: kriecherisch  ·  mit ›Kriecher‹ als Letztglied: Ohrenkriecher
eWDG

Bedeutung

abwertend jmd., der sich vor dem Vorgesetzten unterwürfig verhält
Beispiele:
er ist ein typischer Kriecher!
[er war] guter Laune, eifrig, nicht immer diszipliniert, aber kein Kriecher [ HermlinGemeinsamkeit62]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kriechen · Kriecher · Kriecherei · kriecherisch · Kriechtiere · krauchen · kreuchen
kriechen Vb. ‘sich dicht am Boden fortbewegen’, übertragen ‘sich sehr langsam fortbewegen’, ahd. kriohhan (8./9. Jh.), mhd. kriechen führt mit ablautendem krauchen und verwandtem Krücke (s. d.) auf ie. *greug-, *grūg-, eine Erweiterung der verbreiteten Wurzel ie. *ger- ‘drehen, winden’ (wozu auch Kringel, Krippe, Kraft, Krume, krumm, s. d.). Einer zur gleichen Wurzel gebildeten, aber auf Labial ausgehenden Erweiterung ie. *greub-, *grūb- folgen die (im Nhd. nicht vertretenen) Verben mhd. (md.) krūfen, mnd. krūpen, mnl. crūpen, nl. kruipen sowie aengl. crēopan, engl. to creep, anord. krjūpa ‘kriechen’ (wozu auch Kropf und Krüppel, s. d.). Übertragener Gebrauch von kriechen im Sinne von ‘unterwürfig schmeicheln’ entwickelt sich im 18. Jh. Dazu Kriecher m. ‘unterwürfiger Schmeichler’, Kriecherei f. ‘unterwürfiges Benehmen’, kriecherisch Adj. ‘unterwürfig-schmeichlerisch’ (18. Jh.). Kriechtiere Plur. in dt. zoolog. Fachsprache für Reptilien (19. Jh.). Eine ablautende omd. Variante zu kriechen ist krauchen Vb. ‘sich kriechend fortbewegen’ (16. Jh.), älteres md. krūchen voraussetzend. Die Wendung was kreucht und fleucht folgt einer Nebenform kreuchen, mhd. kröuchen, die, da schwach flektierend, von einem Kausativum zu krauchen beeinflußt sein dürfte.

Thesaurus

Synonymgruppe
Hofierer · Kriecher · Lobhudler · Schmeichler  ●  Radfahrer  fig. · Wurm  veraltet · Arschkriecher  derb · Byzantiner  geh., veraltend · Liebediener  geh. · Schleimer  ugs., Hauptform · Schleimi  ugs. · Schleimscheißer  derb · Schranze  geh., veraltet · Speichellecker  derb · Steigbügelhalter  geh. · Stiefellecker  derb
Oberbegriffe
  • unangenehme Person  ●  Unsympath  männl. · Unsympathin  weibl.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele für ›Kriecher‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch wie viele werden für eine gute Note zu Kriechern, die dem Lehrer hinterhersabbern wie Pawlowsche Hunde. [Die Zeit, 19.03.2012, Nr. 12]
Seitdem haust ein kleiner Chor der perfiden Kriecher in unserem Ohr und singt Disco‑Hits aus den Siebzigern. [Die Welt, 14.01.2002]
Das Vieh kann sich in jede menschliche Gestalt verwandeln und hat aus den Bürgern der Stadt schleimige Kriecher gemacht. [Süddeutsche Zeitung, 11.06.2001]
Er mußte sich daran erinnern, daß er Bechthold zwar einerseits für hochintelligent und fachlich durchaus versiert hielt, andererseits für einen schleimigen Kriecher und Pedanten. [Kopetzky, Steffen: Grand Tour, Frankfurt am Main: Eichborn 2002, S. 626]
Aber, umgeben von Leibwächtern und Kriechern, konnten wir Sie kaum noch sehen. [Die Zeit, 03.03.2005, Nr. 10]
Zitationshilfe
„Kriecher“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kriecher>.

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