Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kritik, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kritik · Nominativ Plural: Kritiken
Aussprache  [kʀiˈtiːk]
Worttrennung Kri-tik
formal verwandt mitkritisch
Herkunft aus gleichbedeutend critiquefrz < kritikḗ (téchnē)griech (κριτικὴ τέχνη) ‘Beurteilungskunst’
eWDG

Bedeutungen

1.
Beurteilung, Einschätzung
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
eine aufbauende, helfende, schöpferische, gerechte, kameradschaftliche, objektive, offene, harte, negative, sachliche Kritik
die Kritik herausfordern
sich der Kritik entziehen, unterwerfen
etw. einer Kritik unterziehen
DDRdas Prinzip der Kritik und Selbstkritik (= Methode zur ökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Weiterentwicklung der sozialistischen Gesellschaftsordnung)
umgangssprachlichdas ist ja unter aller Kritik (= sehr schlecht)
In deinen Augen sind Recht und Gesetz Institutionen, die gegen die menschliche Kritik gefeit sind [ Wasserm.Maurizius457]
Beanstandung, Tadel
Beispiele:
jede Kritik unterdrücken
umgangssprachlichjede Kritik abwürgen
keine Kritik vertragen
Kritik einstecken, vorbringen
Kritik an jmdm. üben
eine beißende, schonungslose Kritik
2.
wissenschaftliche oder künstlerische Besprechung in einer Zeitung, Zeitschrift
Beispiele:
eine Kritik schreiben
die Kritik soll bald erscheinen
die Kritiken zur Aufführung des neuen Theaterstücks waren durchweg gut
der Künstler hatte gute Kritiken
eine schlechte Kritik bekommen
die Kritik des Konzerts wurde dem Komponisten nicht gerecht
3.
Gesamtheit der Kritiker
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
die moderne, internationale, zeitgenössische Kritik
im Kreuzfeuer der Kritik stehen
die Kritik war des Lobes über die Neuinszenierung voll, war sich in der Ablehnung dieses Experiments einig
die Kritik reagierte kaum auf diese neue Oper
das Bild … wurde auf der Bezirksausstellung von der Kritik gelobt [ StrittmatterBienkopp183]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kritisch · Kritik · Kritiker · kritisieren · Kriterium
kritisch Adj. ‘entscheidend, bedrohlich, gefährlich’. Spätlat. diēs criticī bezeichnet in der Sprache der Ärzte ‘die entscheidenden Tage (im Ablauf einer Krankheit)’ als Nachbildung von gleichbed. griech. hēmérai kritiká͞i (ἡμέραι κριτικαί); vgl. spätlat. criticus, griech. kritikós (κριτικός) ‘entscheidend, zur Entscheidung gehörig’, zu griech. krī́nein (s. Krise). Die lat. Fügung wird zu Anfang des 16. Jhs. in dt. medizinische Texte aufgenommen und daraus (2. Hälfte 17. Jh.) das Adjektiv kritisch im Sinne von ‘entscheidend’ in bezug auf einen Zeitpunkt oder Zeitabschnitt entlehnt, das dann (Ende 18. Jh.) in ‘bedrohlich, gefährlich’ in bezug auf eine Situation oder Lage übergeht. In der im 17. Jh. aufkommenden Bedeutung ‘wertend, prüfend, streng feststellend’ im Sinne philologischer Textüberprüfung, dann (18. Jh.) zur Charakterisierung wissenschaftlicher Arbeiten (vgl. Critische Dichtkunst, Critische Beyträge) und schließlich allgemein für ‘genau, streng beurteilend’ knüpft kritisch unmittelbar an griech. kritikós ‘entscheidend, zur Entscheidung gehörig, zum (Be)urteilen gehörig’, substantiviert ‘Beurteiler der Sprache und der Schriftwerke, Kunstrichter’ an. Kritik f. ‘Beurteilung, Bewertung, Besprechung’, auch ‘Beanstandung’, Übernahme (Critique, Ende 17. Jh., dann Critic, Critik, 18. Jh.) von frz. critique als Ausdruck des (zuerst in Frankreich beginnenden) ästhetischen Kunstrichtertums. Dem frz. Ausdruck liegt griech. kritikḗ (téchnē) (κριτικὴ τέχνη) ‘Beurteilungskunst’, also das substantivierte Femininum von griech. kritikós (s. oben) zugrunde. Redensartlich unter aller Kritik ‘sehr schlecht’ (zuerst in der Journalistik, 2. Hälfte 18. Jh.). Kritiker m. ‘wer Kritik übt, Beurteiler, Kunstrichter’ (18. Jh.), älteres (heute nur noch geringschätzig gebrauchtes) Criticus (17. Jh.) ablösend, lat. criticus, griech. kritikós ‘Kunstrichter’ (s. oben). kritisieren Vb. ‘beurteilen, beanstanden’ (17. Jh.). Kriterium n. ‘unterscheidendes und entscheidendes Merkmal’ (17. Jh.), latinisierte Übernahme von griech. kritḗrion (κριτήριον) ‘entscheidendes Kennzeichen, Merkmal’.

Thesaurus

Kunst
Synonymgruppe
...besprechung · Einschätzung · Kritik · Rezension · Urteil · kritische Würdigung  ●  Beurteilung  Hauptform
Assoziationen
Synonymgruppe
Beanstandung · Bemängelung · Kritik

Typische Verbindungen zu ›Kritik‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kritik‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kritik‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Kritik an anderen erspart euch allerdings nicht die eigene Leistung! [Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 166]
Denn wenn das Girl solches hätte, wäre dies wieder der Kritik ausgesetzt. [Spoerl, Alexander: Mit der Kamera auf du, München: Piper 1957, S. 129]
Auch bei der Kritik will er sich von keinem überbieten lassen. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 109]
Die Erweiterung der Kantischen Kritik hing immer an der Enge ihres physikalisch orientierten Begriffs von Erfahrung. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 78]
Bei der Schärfe der Kritik ist es für mich sehr erfreulich, daß es dazu noch nicht gekommen ist. [Der Spiegel, 21.11.1983]
Zitationshilfe
„Kritik“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kritik>.

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