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Kummer, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kummers · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Kum-mer (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Kummer‹ als Erstglied: Kummerfalte · Kummerkasten · Kummerspeck · Kummertelefon · Kümmernis · kummervoll
 ·  mit ›Kummer‹ als Letztglied: Herzenskummer · Liebeskummer
eWDG

Bedeutung

trauriger, niedergedrückter Gemütszustand, seelischer Schmerz, Gram
Beispiele:
(ein) nagender, quälender, großer Kummer
Kummer und Sorge
ein geheimer Kummer zehrte an ihr
Kummer bedrückt sein Herz
jmdm. Kummer antun, bereiten, machen, ersparen
seinen Kummer betäuben
umgangssprachlichseinen Kummer im Alkohol ertränken, im Wirtshaus ersäufen
gehobenviel Kummer (in seinem Leben) erfahren haben
jmds. Gesicht, Miene drückt Kummer aus
sie hat (großen) Kummer
aus, vor Kummer (über etw.) krank werden, sterben
gehobenvom Kummer verzehrt werden
er schien von Kummer gebeugt
umgangssprachlichzu meinem großen Kummer (= Ärger) bekam ich keine Karte mehr für das Konzert
das wird mir wenig, darüber werde ich mir wenig Kummer machen! (= ich werde mir nicht viel daraus machen!)
das ist mein geringster Kummer! (= anderes ist viel schwieriger!)
umgangssprachlichwas hast du denn für Kummer? (= Sorgen?)
umgangssprachlichwir sind (ja, an) Kummer gewöhnt! (= solche Unannehmlichkeiten sind wir gewöhnt!)
Er weiß, wie schwer Kummer auf ein Kinderherz drücken kann [ KästnerLottchen109]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kummer · Kümmernis · kümmerlich · kümmern · bekümmern · bekümmert · unbekümmert · verkümmern
Kummer m. ‘Trübsal, Leid, Seelenschmerz’, mhd. kumber, kummer ‘Schutt, Müll, Unrat’, doch auch ‘Belastung, Mühsal, Not, innere Ungelegenheit, Drangsal’, in spätmhd. und frühnhd. Rechtssprache ‘Beschlagnahme, Arrest, Verhaftung’; vgl. mnd. kummer, kumber, mnl. commer, comber ‘Belastung, Behinderung, Verhaftung, Beschlagnahme, Nachteil, Sorge, Mangel’, nl. kommer ‘Gram, Sorge, Mangel, Not’. Als Ausgangsform gilt (mit lat. cōnferre ‘zusammentragen’ verwandtes) gall. *combero-, *comboro- ‘Zusammengetragenes’ (wovon mir. commar ‘Zusammentreffen von Tälern, Strömen, Wegen’), an das sich die Wortgruppe um afrz. *combre (belegt ist erst mfrz. combres Plur. ‘Sperre, Wehr, Hindernis’, 15. Jh., sowie mlat. combrus, cumbrus ‘Verhau, Wehr’ seit dem 7. Jh.) anschließt, vgl. afrz. descombrer ‘räumen, frei machen, befreien, trennen’, encombrer ‘versperren, erschweren, behindern, belasten, bedrängen’, encombre ‘Belästigung, Bedrängnis, Not’. Auf Entlehnung aus dem Galloroman. beruhen die Formen im Nl. und Dt.; hier breitet sich der im Frz. neben der bis heute geltenden konkreten Bedeutung (frz. décombres Plur. ‘Trümmer, Schutt, Abraum’, encombrer ‘versperren’, encombre ‘Hindernis, Schutt’) in älterer Zeit schon auftretende metaphorische Gebrauch aus und setzt sich in der Literatursprache durch; vgl. jedoch noch landschaftlich (westmd. nordd.) Kummer ‘Schutt, Abraum’. – Kümmernis f. ‘Ungemach, Gram’, mhd. kumbernisse. kümmerlich Adj. ‘bedrückt, unterentwickelt, armselig’, mhd. kumberlich ‘belästigend, kummervoll’, auch ‘verhaftet’. kümmern Vb. ‘dahinvegetieren’, meist sich kümmern um ‘einer Sache, jmdm. Aufmerksamkeit, Fürsorge widmen, sich befassen mit’, mhd. kumbern, kummern ‘belästigen, bedrängen, quälen, mit Arrest belegen’. bekümmern Vb. ‘traurig machen, kränken’, reflexiv ‘Sorge tragen für’, mhd. bekumbern, bekümbern ‘in Not bringen, belästigen, mit Arrest belegen, (sich) beschäftigen mit, pflegen’; dazu bekümmert Part.adj. ‘niedergeschlagen, deprimiert’ (16. Jh.); unbekümmert Part.adj. ‘unbeschwert, sorglos’, mhd. unbekumbert ‘unbeeinträchtigt’. verkümmern Vb. ‘sich unvollkommen, dürftig entwickeln, in der Entwicklung zurückbleiben, langsam eingehen’, mhd. verkumbern, -kümbern, verkummern, -kümmern ‘arrestieren, auf-, vorenthalten, verpfänden’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gram · Kummer · Trauer

Typische Verbindungen zu ›Kummer‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kummer‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kummer‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nun geht bei all dem Kummer auch noch die Milch zurück. [Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 60]
Oder war es zum ersten Mal auch die Sehnsucht nach dem Tod? Deinen ganzen Kummer hast du in diese Komposition gepresst. [Kerner, Charlotte: Blueprint Blaupause, Weinheim: Beltz & Gelberg 1999, S. 113]
Und ich hatte doch mein Kind vor allem Kummer schützen wollen! [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1576]
Software, die jahrelang bereitwillig lief, macht seit der Installation eines zweiten Programms Kummer. [C't, 1995, Nr. 1]
Es sei für ihn eine Quelle des Kummers, daß in der polnischen Frage keine Lösung gefunden worden sei. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1944]]
Zitationshilfe
„Kummer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kummer>.

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