Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kumpanei, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kumpanei · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Kum-pa-nei
Wortzerlegung Kumpan -ei
eWDG

Bedeutung

salopp, abwertend Gesamtheit der Kumpane, Gesellschaft
Beispiele:
die ganze Kumpanei ist hier versammelt, von der SS bis runter zum Volkssturm [ R. BartschGeliebt239]
tapfere Kumpanei, trotzige Bauern, die frei sein wollten [ WeisenbornEulenspiegel33]
Unsere Gesellschaft in der Stammkneipe war … in eine ziemlich wüste Kumpanei ausgeartet [ G. Hauptm.3,338]
unter Kumpanen bestehende Freundschaft, falsche Kameradschaft
Beispiele:
ihre Kumpanei mit dem Hehler mussten sie teuer bezahlen
die falsche Kumpanei ist zerbrochen
Wolzow, Vetter und er, das war eine Kumpanei gewesen; sie waren eine Bande [ NollHolt2,141]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kumpan · Kumpel · Kumpanei
Kumpan m. ‘Gefährte, Kamerad’, auch in Zusammensetzungen wie Trink-, Saufkumpan, wodurch Kumpan wahrscheinlich einen pejorativen Sinn (in Richtung auf ‘Mittäter, Spießgeselle’) erhält. Mhd. kompān, kumpān ‘Geselle, Genosse, Beisitzer einer städtischen Behörde’ geht zurück auf spätlat. compānio ‘Brot-, Speise-, Tischgenosse, Kamerad’ (s. Kompagnon). Durch Vermittlung von afrz. compain findet der Ausdruck Eingang in die klassische mhd. Dichtung, wird aber gegen Ende des 16. Jhs. selten. Am Ende des 18. Jhs. wird er in der Annahme, es handele sich um ein verschollenes dt. Wort, von den Sprachreinigern bewußt und mit offensichtlichem Erfolg wiederbelebt. Kumpel m. ‘Kamerad, Vertrauter, (Arbeits)kollege’, in Anlehnung an Kumpe ‘Innungsmitglied, Bergknappe, Geselle’ (16. Jh.), eine eingedeutschte Form von Kumpan, im 19. Jh. entstanden und wohl als Deminutivum aufzufassen; zunächst nur unter Bergleuten üblich, hat es in neuester Zeit seinen Verwendungsbereich stark erweitert und als gehoben empfundenes Geselle, Kamerad, Kollege in der Umgangssprache verdrängt. Kumpanei f. ‘(fröhliche) Gesellschaft, Gemeinschaft’, auch ‘Komplizenschaft’, mhd. kompānīe, kumpānīe ‘Gesellschaft, Genossenschaft’ (s. Kompanie).

Thesaurus

Politik, Ökonomie
Synonymgruppe
Filz · Günstlingswirtschaft · Klüngelei(en) · Kumpanei · Kungelei · Mauschelei(en) · Vetternwirtschaft  ●  Sumpf  fig. · Vetterleswirtschaft  schwäbisch · Vetterliwirtschaft  schweiz. · Freunderlwirtschaft  ugs., österr. · Gekungel  ugs. · Klüngel  ugs., kölsch · Nepotismus  fachspr. · Speziwirtschaft  ugs. · Spezlwirtschaft  ugs., bayr.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Komplizenschaft · Kumpanei
Assoziationen
Synonymgruppe
Anbiederungsversuch(e) · Kumpanei · freundschaftliches Getue · plumpe Vertraulichkeit(en)
Synonymgruppe
(kollegiale) Kumpanei · falsch verstandene Kollegialität  ●  Kameraderie  abwertend
Assoziationen
  • (die) Aussage verweigern · (die) Omertà gilt (für) · (sich) bedeckt halten · aus jemandem ist nichts herauszubekommen · beharrlich schweigen · jede Antwort verweigern · keine Aussage machen · nicht aussagen · nicht aussagen (gegen) · nicht kooperieren (mit Ermittlungsbehörden) · nichts sagen · nichts sagen wollen (zu) · zusammenhalten wie Pech und Schwefel  ●  (sich) ausschweigen  Hauptform · (den) Mund halten  ugs. · (die) Zähne nicht auseinanderbekommen  ugs. · der Omertà unterworfen (sein)  geh. · dichthalten  ugs. · dichtmachen  ugs. · nicht mit der Sprache herausrücken  ugs. · nicht singen  ugs., Jargon
  • Mauer des Schweigens · Schweigekartell
  • (unter Kollegen) zusammenhalten  ●  Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.  Sprichwort, abwertend · (einen Kollegen) nicht anscheißen  ugs. · auf einander nichts kommen lassen  ugs.
  • (sich gegenseitig) nicht wehtun · einander keine Schwierigkeiten bereiten  ●  Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.  Sprichwort · (sich untereinander) keinen Ärger machen  ugs.
  • Ganovenehre
  • Gemeinschaftsgeist · Korpsgeist · Wir-Gefühl · Zusammenhalt  ●  Esprit de Corps  geh., franz.
  • Füreinandereintreten · Solidarität · Verbundenheit · Zusammenhalt

Typische Verbindungen zu ›Kumpanei‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kumpanei‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kumpanei‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gibt es also doch so etwas wie eine stillschweigende Kumpanei – zu Lasten der Öffentlichkeit? [Die Zeit, 11.07.1997, Nr. 29]
Aber auch von diesem Fall abgesehen ist es mit der angeblichen „Kumpanei“ wirklich nicht so weit her. [Die Zeit, 09.08.1968, Nr. 32]
Für ihn sei es nicht nachvollziehbar, von Kumpanei zu sprechen. [Süddeutsche Zeitung, 30.05.1998]
Auch wenn der heutige Fall anders liegt, scheint diese Tradition der Kumpanei ungebrochen. [Süddeutsche Zeitung, 15.04.1995]
Andererseits gibt es aber auch weniger Kumpanei zwischen Journalisten und Politikern. [Die Zeit, 08.07.2002, Nr. 27]
Zitationshilfe
„Kumpanei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kumpanei>.

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