Kunstanspruch, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kunstanspruch(e)s · Nominativ Plural: Kunstansprüche · wird selten im Plural verwendet
Worttrennung Kunst-an-spruch
Wortzerlegung KunstAnspruch
DWDS-Vollartikel, 2020

Bedeutung

das Anrecht, die berechtigte Forderung, im Unterschied zu Kitsch, Kommerz oder Handwerk als Kunst gewertet zu werden, ein künstlerisches Niveau zu beanspruchen, das höchsten Anforderungen genügt
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: einen Kunstanspruch erheben
mit Adjektivattribut: ein hoher, hehrer, autonomer Kunstanspruch
Beispiele:
Die biblische Motivik und eine überkandidelte Ästhetisierung mit suggestiver Farbdramaturgie in Blutrot und Nachtblau [in dem Film »Only God Forgives«] sollen wohl den Kunstanspruch eines Werkes unterstreichen, das jedoch in seiner exzessiven Grausamkeit und entmenschten Stilisiertheit nur ein grosses Ärgernis ist. [Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2013]
Begriffe wie Direktheit und Lebendigkeit bis hin zur Emphase sind eng mit der Improvisation verbunden. Dieses wichtige Ausdrucksmittel des Jazz war von den Kunstansprüchen der konzipierten klassischen Musik von vornherein ausgeschlossen. [de.wikipedia.org, 15.07.2014]
Als Konstante konnte sich […] ein ausnehmend hoher Kunstanspruch erhalten. Salieri mit seinem energischen Protest gegen die Missbräuche der Violinkunst, Schuberts verbitterte Äußerung über das »vermaledeyte Hacken« beim Klavierspiel […]. Angestrebtes Ziel war die edle, maßvolle Form der Wiedergabe, ohne Effekthascherei und Eitelkeit. [Fritz-Hilscher, Elisabeth, Kretschmer, Helmut (Hg.), Wien. Musikgeschichte, Wien, Berlin: LIT VERLAG GmbH & Co. KG 2011, S. 600]
Das alles wird nicht etwa schwäbisch‑deftig zubereitet, sondern nach allen Regeln moderner Spitzenküche. Das heißt, die Portionen sind zivilisiert bemessen und lassen einen deutlichen Kunstanspruch erkennen. Davon zeugen Algenrisotto und Safran‑Gemüsepolenta, wie auch eine Erdnusscreme zur rosa Entenbrust. [Die Zeit, 11.04.2010]
Der amerikanische Komponist, Arrangeur, Dirigent[…] und Musikschriftsteller [Gunther Schuller][…] hat sich wohl in seinem ganzen Leben nicht damit abfinden mögen, daß der Jazz der Unterhaltungsmusik zugeschlagen wurde. So naiv war er nicht, daß ihm der Unterschied zwischen Kunstanspruch und Entertainment nicht eingeleuchtet hätte. Nur war der Jazz für ihn […] der klassischen europäischen Kunstmusik ebenbürtig. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.2005]
Regisseur Greg Marcks erhebt anders als [die Regisseure] Nolan und Noé keinen Kunstanspruch. Das Von‑hinten‑nach‑vorn‑Erzählen steht bei ihm nicht für Gedächtnisverlust oder Trauer. Es soll nur die Spannung erhöhen […]. [Der Tagesspiegel, 12.08.2003]
Wachsmann wurde für Deutschland das, was für Frankreich und England Jean Prouvé war: Vater einer ganz aus der Konstruktion geborenen modernen Architektursprache. Doch während Prouvé den Kunstanspruch seiner Arbeiten niemals aufgab, wurde Wachsmann einer der ersten Architekten, die sich ganz dem Rhythmus der Fabrik anvertrauten. [Berliner Zeitung, 16.05.2001]

Typische Verbindungen zu ›Kunstanspruch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kunstanspruch‹.

Zitationshilfe
„Kunstanspruch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kunstanspruch>, abgerufen am 05.07.2020.

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