Kunstraum, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kunstraum(e)s · Nominativ Plural: Kunsträume
WorttrennungKunst-raum
WortzerlegungKunstRaum
DWDS-Vollartikel, 2019

Bedeutungen

1.
Raum, Werkstatt für den Kunstunterricht in einer Schule o. Ä.
Beispiele:
Wir sind […] in den Kunstraum gegangen und haben dort kleine Stehlampen aus Löffeln, schöne Uhren aus Schallplatten oder eine witzige Pinnwand aus alten Zeitungen gebastelt. [hhsgtese.wordpress.com, 16.06.2015]
Der Kunstraum im Gymnasium ist gut geeignet für unser Vorhaben [die Ausstellung der Erzeugnisse eines Kurses]. [allesgewollt.wordpress.com, 23.02.2015]
[…]Die Räumlichkeiten der Schule sind ideal, es gibt Kunsträume, eine Werkstatt, eine Bühne, eine Turnhalle und einen Sportplatz […]. [Der Tagesspiegel, 10.09.2003]
21 Klassenräume[…] haben die Architekten […] in den zweigeschossigen Gebäudekomplex mit seinem auskragenden Obergeschoss untergebracht. Dazu vier Kunsträume und einen Computerraum. [Frankfurter Rundschau, 02.12.2000]
2.
Stätte, Räumlichkeit für die Präsentation von Kunst (1), für die Begegnung mit Künstlern u. Ä.
Beispiele:
Er [der Künstler] stellte in jungen Kunsträumen von überregionaler Bedeutung seine Kollegen aus – und wurde selbst ausgestellt. [Die Zeit, 06.08.2015, Nr. 32]
Zum ersten Mal seit 125 Jahren wird der Wasserspeicher in den Katakomben des Ausstellungsgebäudes zu einem öffentlich zugänglichen Kunstraum. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2006]
Die Reaktion zeige, dass von der Öffentlichkeit abgeschottete Kunsträume wie Galerien und Museen von den Menschen nur wenig wahrgenommen würden. [Spiegel, 29.12.2005 (online)]
Von heute bis zum 15. Januar wird der Tunnel im U-Bahnbereich am Odeonsplatz zum Kunstraum mit Malerei, Musik und Performance. [Süddeutsche Zeitung, 29.12.2003]
Beide Architekten wollten nicht einen abgeschlossenen Kunstraum [Galeriegebäude], sondern eine Wechselbeziehung zwischen Kunst und urbaner Außenwelt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.1994]
Kollokationen:
in Präpositionalgruppe/-objekt: eine Ausstellung im Kunstraum [der Bank o. Ä.]
in Koordination: Galerien und Kunsträume
3.
Region mit ihrem spezifischen Kunstschaffen
Beispiele:
[…] Apoldas Kunstverein[…] präsentiert […] seit letztem Wochenende Bilder aus dem Kunstraum DDR. [Die Zeit, 30.09.1999]
Jene Ausstellung jüngerer DDR-Kunst war laut und voller Irritationen. Sie hatten den geografisch engeren Kunstraum schon verlassen. [Die Zeit, 25.11.1999, Nr. 48]
Sie [eine Kunsthistorikerin] behauptete, tiefere Risse im europäischen Kunstraum seien erst nach 1989 aufgetreten; davor sei der Austausch der Ideen und Werke über die brutale politische Demarkationslinie hinweg intensiver und leidenschaftlicher gewesen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.1995]
Dabei [durch die Forschung des Kunsthistorikers] ergibt sich, daß die Saarlande[…] keinen eigenen Kunstraum darstellen: sie haben fremden Künstlern leicht Gastrecht gewährt, Formen von auswärts entlehnt und verarbeitet. [Jahresberichte für deutsche Geschichte / Hrsg. v. Albert Brackmann u. Fritz Hartung. – Leipzig: Koehler. – 9./10. Jahrgang 1933/1934. – 1936. – XIV, 873 S., S. 628]
4.
übertragen der Bereich, die Sphäre der Kunst; ein spezielles Gebiet der Kunst
Beispiele:
Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass man so etwas wie eine objektiv historische Wahrheit im Kunstraum darstellen kann. [Süddeutsche Zeitung, 28.07.2003]
Ist es Aufgabe der Kunst, Gerechtigkeit zu schaffen, wo Staat und Gesellschaft keine Gerechtigkeit setzen? Wäre es nicht Heuchelei, im Kunstraum für eine moralische Beruhigung des Skandals zu sorgen, der sich draußen ungehemmt entfalten kann? [Die Zeit, 16.01.2014, Nr. 04]
Es ist der cinematografische Kunstraum, der zur Bühne für die Wirklichkeit [obdachloser Jugendlicher] wird, die Geschichten und Schicksale umso verstörender erscheinen lässt. [Die Zeit, 31.05.2012, Nr. 23]
Die Bühne ist für Quadflieg kein Ort, an dem das Banale der Figuren herauspräpariert und ausgebreitet wird; sie ist für ihn ein Kunstraum, in dem auch das als antiquiert verachtete Edle möglich und notwendig ist[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.09.1994]
5.
künstlicher Raum (1 u. 2) als Schauplatz in der darstellenden Kunst; Bühnengestaltung, Szenerie
Beispiele:
Es ist ein kahler, rechteckiger Kunstraum, der[…] aus dem Dunkel [der Bühne] tritt, […] von Neonröhren markiert wird. Lange stehen die Schauspieler hier starr, amimisch, anämisch. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2006]
Wenn […] [die Schauspieler] die Bühne […] betreten, dann weitet sich die Ehehölle und Ehehöhle […] sogleich in eine riesige Leere. In einem offenen Kunstraum, dessen Grenze in den Lüften nur dünne Strings wie grafische Linien markieren. [Der Tagesspiegel, 20.11.2004]
Gleichwohl sind die Grenzen zwischen den juristischen Instanzen im Fernsehen ziemlich elastisch, schließlich ist auch der Verhandlungssaal [in Gerichtsserien] ein Kunstraum ohne reales Pendant. Wer hier auftritt, hat keine Strafe zu fürchten, sondern nur die Kritik des Regisseurs. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2002]
Es ist nicht einfach, sich in dem düsteren, vollgestopften Kunstraum [des Bühnenstücks] zurechtzufinden. Ein Messer, eine Pistole und ein Mikrophon baumeln über der Szene: Damoklesschwerter für den »American way of life«. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.1996]
In diesem fast monochromen Kunstraum [der Bühne] war die Dichtung ganz auf das Wort angewiesen. Für die Titelrolle besitzt Hamburg einen Schauspieler, der von der ersten Szene an das Gespenstische, Gehetzte in der armen Kreatur Woyzeck auszudrücken vermag[…]. [Die Zeit, 19.09.1969, Nr. 38]

Typische Verbindungen zu ›Kunstraum‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ausstellung Galerie Goethestraße Installation Kunstverein Museum Villa Wand ausstellen verwandeln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kunstraum‹.

Zitationshilfe
„Kunstraum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kunstraum>, abgerufen am 26.02.2020.

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