Kunststück, das

Grammatik Substantiv (Neutrum)
Aussprache 
Worttrennung Kunst-stück
Wortzerlegung KunstStück
Wortbildung  mit ›Kunststück‹ als Letztglied: ↗Kartenkunststück · ↗Rechenkunststück · ↗Taschenspielerkunststück · ↗Zauberkunststück
eWDG

Bedeutung

Vorführung, die besondere Geschicklichkeit erfordert
Beispiele:
der Artist, Zauberkünstler zeigte, machte seine Kunststücke, führte seine Kunststücke vor
akrobatische, turnerische, waghalsige Kunststücke
dem Hund allerlei Kunststücke beibringen
bildlich Leistung, zu der besonderes Können gehört
Beispiele:
er brachte das Kunststück fertig, die umfangreichen Arbeiten in sehr kurzer Zeit zu erledigen
umgangssprachlichdas ist (doch) kein Kunststück! (= ist einfach, kann jeder!)
umgangssprachlich, spöttisch Kunststück (= das ist ja auch nicht schwierig, nicht verwunderlich), schnell vorwärtszukommen, wenn man einflussreiche Freunde hat!
umgangssprachlich, spöttischer hat als erster die Karten gefunden! Kunststück, wo er sie selbst hingelegt hat! [ FalladaJeder stirbt398]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kunst · künsteln · gekünstelt · erkünstelt · Künstler · künstlerisch · künstlich · Kunststück
Kunst f. ‘schöpferische und gestalterische Fähigkeit der Gesellschaft, vornehmlich ihrer mit besonderen Begabungen ausgestatteten Vertreter, Überlieferung und Produkte dieser Fähigkeit’ (nach Gattung und Epoche näher bestimmbar, vgl. Bau-, Dichtkunst, bildende Kunst, Kunst der Antike), dann auch ‘Gemachtes’ im Gegensatz zu Natur (bereits 16. Jh.), ‘industrielles Erzeugnis’ im Gegensatz zum Naturprodukt (vgl. Kunstdünger, 19. Jh., Kunsthonig, Kunstseide, Kunststoff, 20. Jh.). Als Verbalabstraktum mit sti-Suffix (s. auch ↗Gunst) zu dem unter ↗können (s. d.) dargestellten Verb ist ahd. kunst (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. kunst, mnl. const von umfassender Bedeutung und bezeichnet zunächst ‘Wissen, Kenntnis’ (vgl. mhd. nāch mīner kunst ‘soviel ich weiß’), ‘menschliche Befähigung, Fertigkeit, Kompetenz’ unabhängig von ästhetischem Anspruch (vgl. schwarze Kunst, mhd. swarze kunst, Kochkunst, 16. Jh., Staatskunst, 17. Jh., Heilkunst, 18. Jh., sowie das ist keine Kunst ‘das ist ganz einfach’). Kunst steht auch im Sinne von ‘Wissenschaft’ (vgl. die theologei sei mer ein erfarung und empfindnus dann ein kunst, 16. Jh.). Vorbereitet durch Komposita wie Malkunst (17. Jh.), das Aufkommen von Wissenschaft (s. ↗wissen) als Bezeichnung einer gelehrten Disziplin und durch den Begriff der schönen Künste, auch schöne Wissenschaften und Künste, bildet sich, gefördert durch Batteux’ Schrift „Les beaux-arts“ (1746) und das Wirken der deutschen Klassiker, die heutige Auffassung heraus. künsteln Vb. ‘Künste, Fertigkeiten ausüben, experimentieren’ (16. Jh.), ‘künstlich herstellen’ (18. Jh.). Über das 19. Jh. hinaus gültig bleibt nur das Part.adj. gekünstelt ‘unnatürlich, unecht’; vgl. auch gleichbed. erkünstelt (18. Jh.). Künstler m. ‘Schöpfer, Interpret von Kunstwerken’ (18. Jh.), zuvor ‘Gelehrter, auf einem bestimmten Gebiet Bewanderter, Kenner’ (16. Jh.), vgl. gleichbed. mhd. kunster, künster, später auch künstener; dazu künstlerisch Adj. (18. Jh.). künstlich Adj. ‘nachgemacht, nicht natürlich’, mhd. künstlich ‘Verständnis, Weisheit bekundend, klug, geschickt’; vgl. mhd. künstic, künstec, kunstic ‘mit Kunst begabt, verständig, klug’, ahd. kunstīg (9. Jh.), unkunstīg (8. Jh.). Kunststück n. ‘Meisterstück, gekonnt ausgeführte Leistung’, auch ‘Gaukelei, Zauberei’ sowie ‘Kunstwerk’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(der) richtige Dreh · ↗(genialer o.ä.) Trick · ↗(raffinierter o.ä.) Kunstgriff · ↗(spezielle) Praktik · ↗(spezielle) Technik · ↗(spezieller, genialer) Handgriff · ↗Dreh · ↗Finesse · ↗Kniff · Kunststück · ↗Trick 17 · ↗Trick siebzehn · trickreiche Methode  ●  ↗(geschickter o.ä.) Schachzug  fig. · ↗Cheat  ugs., Jargon · Gewusst, wie!  ugs., Spruch
Assoziationen
  • Treibarbeit · ↗Treiben
  • Kriegslist  ●  Ruse de Guerre  geh., franz. · Stratagem  geh., griechisch · ↗Strategem  geh., griechisch · Strategema  geh., griechisch
  • Muster · ↗Tour · ↗Trick · ↗Vorgehensweise  ●  ↗Masche  abwertend · ↗Nummer  ugs. · ↗Pose  geh. · ↗Spiel(chen)  ugs.
  • (das ist) das Interessante (an)  ●  (das ist) der springende Punkt  fig. · das ist der Witz an der Sache  Redensart · darum geht es ja gerade!  ugs., variabel

Typische Verbindungen zu ›Kunststück‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kunststück‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kunststück‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

An Tagen, an denen die großen Dinge funktionieren, klappen manchmal auch die kleinen Kunststücke.
Der Tagesspiegel, 27.01.2003
Der HdK gelang sogar das Kunststück, eine Bank als Sponsor zu gewinnen.
Süddeutsche Zeitung, 31.08.1999
Ja, wir bewunderten ihren aufrechten Gang, diese Haltung an sich, ihr Kunststück über die Zeiten hinweg.
Grass, Günter: Die Rättin, Darmstadt: Luchterhand 1986, S. 28
Das Kunststück besteht darin, aktiv zu sein, ohne zu agieren, zu werben, ohne zu verführen und mitzufühlen, ohne verstrickt zu werden.
Schnell, Monika u. Wetzel, Helmut: Krisenintervention und -therapie. In: Asanger, Roland u. Wenninger, Gerd (Hgg.) Handwörterbuch Psychologie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1980], S. 22395
Es mußte ein Kunststück sein, sich da hinein zu biegen.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1928], S. 162
Zitationshilfe
„Kunststück“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kunstst%C3%BCck>, abgerufen am 04.03.2021.

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