Kurfürst, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Kurfürsten · Nominativ Plural: Kurfürsten
Aussprache
WorttrennungKur-fürst
Wortbildung mit ›Kurfürst‹ als Erstglied: ↗Kurfürstenhut · ↗Kurfürstenwürde · ↗kurfürstlich
eWDG, 1969

Bedeutung

historisch einer der Fürsten, die berechtigt waren, den deutschen König zu wählen
siehe auch küren
Beispiele:
der Kurfürst von Brandenburg, Sachsen
die Kurfürsten hatten sich zur Königswahl versammelt
in silbernen Särgen ... schliefen die toten Kurfürsten und Könige [CarossaJahr6]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Kür · Kurfürst · kurfürstlich · Kurfürstentum · Kurhut · Kurwürde · kiesen · küren · erkoren · auserkoren · kören
Kür f. ‘nach freier Wahl zusammengestellte Übung bei Wettkämpfen’. Der Sportausdruck, auch in Zusammensetzungen wie Kürturnen (19. Jh.), Kürlaufen, Kürübung (20. Jh.) und daher heute oft als Verkürzung solcher Bildungen angesehen, ist eine auf Jahn (Turnkühr, -kühre ‘freiwillige Übungen’ im Unterschied zu Turnschule ‘Übungen nach Vorschrift’, 1816) zurückgehende Wiederaufnahme des bis ins ältere Nhd. lebendigen Substantivs ahd. kuri f. ‘Erwägung, Beratung, Auswahl’ (9. Jh.), mhd. kür(e) f., auch (besonders md.) kur(e), kor(e), kör(e) m. f. ‘Prüfung, Erwägung, prüfende Wahl, Stimmrecht, Beschluß, Bestimmung, Strafe, Art und Weise’, nhd. Kür, Kur f. ‘prüfende Erwägung, Entscheidung, Wahl’ (vor allem terminologisch für die vom 13. bis Anfang des 19. Jhs., d. h. bis zur offiziellen Auflösung des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“, übliche Wahl des deutschen Königs durch die hierzu berechtigten Fürsten; in dieser Verwendung bis ins 18. Jh. meist die ursprünglich obd. Schreibung Chur). Dieses ist in der Gegenwart erhalten in historischen Bezeichnungen wie Kurfürst m. ‘zur Königswahl berechtigter Fürst’ (mhd. kür-, kurvürste), kurfürstlich Adj. (spätmhd. kurvürstlich), Kurfürstentum n. (mhd. kurvürstentuom), Kurhut m. ‘die Kurwürde kennzeichnender Hut’ (16. Jh.), Kurwürde f. ‘Würde eines Kurfürsten’ (18. Jh.), ferner in ↗Willkür (s. d.). Zu Kür, Kur vgl. auch asächs. kuri m. ‘Wahl’, mnd. kȫr(e), kür(e) m. f. (Bedeutungen wie im Mhd.), mnl. cōre, cuere m. f. ‘Wahl, Verordnung’, nl. keur f. ‘Wahl, Auswahl, Probe, Verordnung’, aengl. cyre m. ‘Wahl, Entscheidung’, anord. kør n., schwed. kor n. ‘Wahl’. Die angeführten Nomina actionis folgen den tiefstufigen Formen des in seiner Konjugation grammatischen Wechsel zwischen s und r zeigenden gemeingerm. Verbs ahd. kiosan (8. Jh.), mhd. frühnhd. kiesen ‘sehen, wahrnehmen, prüfend betrachten, erwägen, erkennen, aus-, erwählen’, asächs. kiosan ‘wählen’, mnd. kēsen, mnl. kiesen ‘prüfend betrachten, wahrnehmen, aus-, erwählen, sich entscheiden’, nl. kiezen ‘(aus)wählen’, aengl. cēosan ‘(aus)wählen, annehmen’, engl. to choose ‘wählen, bevorzugen’, anord. kjōsa ‘wählen, wünschen, zaubern’ (eigentlich ‘einen Gegenstand zur Zauberei wählen’), got. kiusan ‘prüfen’. Hierzu stellen sich außergerm. Entsprechungen wie aind. juṣátē, jṓṣati ‘hat gern, findet Gefallen, genießt’, awest. zaoš-, apers. dauš- ‘an etw. Gefallen finden’, griech. gé͞uesthai (γεύεσθαι) ‘kosten, schmecken, zu spüren bekommen’, lat. dēgūnere ‘kosten’, air. togu ‘wählen’ und, mit dentalem Element wie in ↗kosten2 (s. d.), lat. gustāre ‘kosten, genießen’, die auf eine gemeinsame Wurzel ie. *g̑eus- ‘kosten, genießen, schmecken’ (im Germ. und Kelt. ‘wählen’ durch Übertragung des Wahrnehmens und Prüfens auf andere Sinnesbereiche) führen. Im Nhd. findet sich das starke Verb kiesen ‘(er)wählen’ (s. oben) nach dem 17. Jh. nur noch in dichterischer Sprache. Dafür kommt seit dem Mhd. allmählich das schwach flektierende gleichbed. Denominativum küren (vgl. spätmhd. er-, ver-, willekürn, mnd. kȫren) in Gebrauch, das in neuerer Zeit ebenfalls auf gehobene Ausdrucksweise beschränkt bleibt. Feierlichem Stil sind auch die Partizipien erkoren ‘erwählt’ und auserkoren ‘auserwählt’ vorbehalten, die (neben gelegentlich bis heute verwendeten Präteritalformen wie ich erkor, wir erkoren oder ausschließlich im Gliedsatz noch möglichem daß er auserkor) als Reste ehemals geläufiger Präfixbildungen von kiesen fortleben, vgl. ahd. irkiosan ‘prüfen, wahrnehmen, erwählen’ (9. Jh.), mhd. erkiesen ‘wahrnehmen, ersinnen, erwählen, greifen’, nhd. (bis ins 18. Jh.) erkiesen ‘erwählen’ (auch asächs. ākiosan, aengl. ācēosan, got. uskiosan ‘aus-, erwählen’) sowie aus diesem (im Anschluß an das mit Adverb verbundene Part.adj. mhd. ūʒ erkorn) weitergebildetes nhd. auserkiesen ‘auserwählen’ (16. bis 18. Jh.). Die nd. Lautvariante von küren ergibt das Fachwort der Tierzucht kören Vb. ‘ein männliches Tier zur Zucht auswählen’ (19. Jh., vgl. mnd. kȫren ‘wählen, auswählen, sich entscheiden’).

Typische Verbindungen zu ›Kurfürst‹

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Ehrenhof Erzbischof Fürstbischof Gemahlin Herzog Hofmaler Jagdschloß Kaiser Kurfürst Kurfürstin König Landgraf Markgraf Regierungszeit Reiterdenkmal Reiterstandbild Residenz Selbstkrönung Sommerresidenz Standbild Starke Statthalter Toleranzedikt Trierer brandenburgisch geistlich kunstsinnig pfälzisch rheinisch sächsisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kurfürst‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kurfürst‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das begann, natürlich noch nicht mit Gas, sehr funzelig unterm Großen Kurfürsten.
Der Tagesspiegel, 27.12.2000
Empfänge beim Kurfürsten seien kein Vergnügen, es gebe dabei nicht einmal etwas zu essen.
Bild, 17.08.2000
Darauf stützte sich der Kurfürst in den nächsten Jahren seiner Regierung.
Biundo, G.: Rijswijker Klausel. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 25831
Darauf lud der Kurfürst die Toten ein, mit ihm ins Leben zurückzukehren.
Klabund: Bracke. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 2325
Ein alter Kurfürst saß auf dem großen Platz und steckte seine eiserne Hand aus.
Rosendorfer, Herbert: Großes Solo für Anton, Zürich: Diogenes 2000 [1976], S. 101
Zitationshilfe
„Kurfürst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kurf%C3%BCrst>, abgerufen am 17.02.2020.

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