Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Kuriosität, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Kuriosität · Nominativ Plural: Kuriositäten
Aussprache 
Worttrennung Ku-ri-osi-tät · Ku-rio-si-tät
Grundformkurios
Wortbildung  mit ›Kuriosität‹ als Erstglied: Kuriositätenhändler · Kuriositätenkabinett
Herkunft aus curiositémfrz frz
eWDG

Bedeutung

etw., das sonderbar ist und deshalb Beachtung verdient, seltsame, merkwürdige Sache
Beispiele:
Kuriositäten besichtigen, sammeln, zeigen
eine Schau von medizinischen Kuriositäten
das Museum birgt viele historische Kuriositäten
etw. besitzt nur Wert als Kuriosität
dieser Vorfall war eine Kuriosität
der alte Herr galt als Kuriosität des Städtchens
eine Kuriosität, nämlich ein silbernes Etui aus dem achtzehnten Jahrhundert mit der Geschichte der Andromeda in getriebener Arbeit darauf [ RaabeWunnigelII 5,153]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kurios · Kuriosität · Kuriosum
kurios Adj. ‘seltsam, sonderbar, wunderlich, merkwürdig’. Zu lat. cūra ‘Sorge, Fürsorge’ (s. Kur) gehörendes lat. cūriōsus ‘sorgfältig, aufmerksam, vorsorgend, interessiert, wißbegierig, neugierig’ wird um 1600 mit eindeutschender Endung als curiosisch, von der 1. Hälfte des 17. Jhs. an in der Form curios entlehnt. Im Dt. ist das Adjektiv (von einem Einzelbeleg für ‘Vorsorge treffend, sorgfältig auswählend’ abgesehen) zunächst im Sinne von ‘einer Sache sorgfältig nachgehend, wißbegierig’ mit Bezug auf ernsthafte und gründliche Wissensaneignung (daher bis ins 18. Jh. oft ehrendes Epitheton, das Buchautoren dem von ihnen angesprochenen Leser beilegen), doch bald (2. Hälfte 17. Jh.) auch in der noch im 19. Jh. lebendigen allgemeineren Bedeutung ‘neugierig, stets auf das Erfahren von Neuigkeiten bedacht’ gebräuchlich. Unter dem Einfluß von frz. curieux ‘wißbegierig’ (aus afrz. curios ‘besorgt, sorgfältig auswählend, auf etw. bedacht’, gleichfalls Übernahme von lat. cūriōsus), das in Verbindung mit Sachbezeichnungen im 17. Jh. die Bedeutung ‘wissenswert, die Aufmerksamkeit, Neugier erregend’ entwickelt (nach älterem gleichbed. ital. curioso?), steht auch im Dt. curios seit Mitte des 17. Jhs. (vorher curiosisch, 1627) für ‘wissenswert, interessant, merkwürdig’; so erscheint es als anpreisender Modeausdruck in zahlreichen Buchtiteln des späten 17. und frühen 18. Jhs., büßt aber, offenbar auf Grund allzu häufigen Vorkommens, seine Aussagekraft ein und wird Anfang des 18. Jhs. durch Ironisierung zu ‘seltsam, wunderlich’. Die Annäherung ans Frz. führt zu den Lautvarianten curiös, curieus (17./18. Jh.); erst im 20. Jh. wird die seit Ende des 18. Jhs. gelegentlich auftretende Schreibung kurios geläufig. Kuriosität f. ‘sonderbarer und deshalb Beachtung verdiendender Gegenstand, seltsame, wunderliche Sache’ (vorwiegend im Plur.), Entlehnung (1. Hälfte 17. Jh.) aus mfrz. frz. curiosité, das seit dem 15. Jh. in diesem Sinne bezeugt ist (doch schon spätlat. cūriōsitās ‘was Wißbegierde, Interesse erregt’); daneben (nur im Sing.) ‘Seltsamkeit, Ungewöhnlichkeit’, wohl durch Wechsel der Auffassung hervorgehend aus Fügungen wie der Kuriosität halber (zuvor Curiosität halben, 17. Jh.), aus Kuriosität (18. Jh.), eigentlich ‘um die Wißbegierde zu befriedigen, aus Gründen der Neugier’ (vgl. spätlat. cūriōsitātis causā), also auf der älteren Verwendung ‘Wißbegierde, Neugier’ (Ende 16. bis 19. Jh.) des Substantivs beruhend, die ebenfalls dem Frz. oder direkt dem Lat. folgt (vgl. mfrz. frz. curiosité, afrz. curioseté ‘Wißbegierde, Neugier, Sorge, wählerisches Wesen’, lat. cūriōsitās ‘Wißbegierde, Neugier’). Kuriosum n. ‘sonderbare, seltsame Sache, ungewöhnlicher Sachverhalt’ (1. Hälfte 18. Jh., anfangs vor allem im Plur. Curiosa für ‘seltene, merkwürdige Gegenstände’), bildungssprachliche Substantivierung des Neutrums von lat. cūriōsus (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe

Typische Verbindungen zu ›Kuriosität‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kuriosität‹.

Verwendungsbeispiele für ›Kuriosität‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese Erkenntnis ist weit mehr als eine Kuriosität: Schließlich kann störender Lärm nur dann wirksam abgeschirmt werden, wenn seine Quelle genau bekannt ist. [o. A.: Technik. In: Bild der Wissenschaft auf CD-ROM, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 1998 [1997]]
Mitunter führt sie zu einer erbärmlichen Suche nach Halt in der haltlosen Welt esoterischer Kuriositäten. [Die Zeit, 05.05.2008, Nr. 18]
Mißt man diese Institution an ihrer Arbeit, ist sie jedenfalls eine Kuriosität. [Die Zeit, 13.02.1995, Nr. 07]
Sie verzichten auch auf die schnelle Mark, weil sie das Risiko eingehen, die Kuriositäten nicht gleich loszuwerden. [Die Zeit, 24.12.1993, Nr. 52]
Nun mögen alle diese dargestellten Fälle als kleine staatsrechtliche Kuriositäten anzusehen sein. [Welt und Wissen, 1927, Nr. 2, Bd. 16]
Zitationshilfe
„Kuriosität“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kuriosit%C3%A4t>.

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