Kuriosum, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Kuriosums · Nominativ Plural: Kuriosa
Aussprache
WorttrennungKu-ri-osum · Ku-rio-sum (computergeneriert)
HerkunftLatein
eWDG, 1969

Bedeutung

seltsame Sache, merkwürdiger Sachverhalt, Kuriosität
Beispiele:
ein historisches, medizinisches, literaturgeschichtliches Kuriosum
dieses Ereignis gilt als Kuriosum
von seiner Reise hatte er verschiedene Kuriosa mitgebracht
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kurios · Kuriosität · Kuriosum
kurios Adj. ‘seltsam, sonderbar, wunderlich, merkwürdig’. Zu lat. cūra ‘Sorge, Fürsorge’ (s. ↗Kur) gehörendes lat. cūriōsus ‘sorgfältig, aufmerksam, vorsorgend, interessiert, wißbegierig, neugierig’ wird um 1600 mit eindeutschender Endung als curiosisch, von der 1. Hälfte des 17. Jhs. an in der Form curios entlehnt. Im Dt. ist das Adjektiv (von einem Einzelbeleg für ‘Vorsorge treffend, sorgfältig auswählend’ abgesehen) zunächst im Sinne von ‘einer Sache sorgfältig nachgehend, wißbegierig’ mit Bezug auf ernsthafte und gründliche Wissensaneignung (daher bis ins 18. Jh. oft ehrendes Epitheton, das Buchautoren dem von ihnen angesprochenen Leser beilegen), doch bald (2. Hälfte 17. Jh.) auch in der noch im 19. Jh. lebendigen allgemeineren Bedeutung ‘neugierig, stets auf das Erfahren von Neuigkeiten bedacht’ gebräuchlich. Unter dem Einfluß von frz. curieux ‘wißbegierig’ (aus afrz. curios ‘besorgt, sorgfältig auswählend, auf etw. bedacht’, gleichfalls Übernahme von lat. cūriōsus), das in Verbindung mit Sachbezeichnungen im 17. Jh. die Bedeutung ‘wissenswert, die Aufmerksamkeit, Neugier erregend’ entwickelt (nach älterem gleichbed. ital. curioso?), steht auch im Dt. curios seit Mitte des 17. Jhs. (vorher curiosisch, 1627) für ‘wissenswert, interessant, merkwürdig’; so erscheint es als anpreisender Modeausdruck in zahlreichen Buchtiteln des späten 17. und frühen 18. Jhs., büßt aber, offenbar auf Grund allzu häufigen Vorkommens, seine Aussagekraft ein und wird Anfang des 18. Jhs. durch Ironisierung zu ‘seltsam, wunderlich’. Die Annäherung ans Frz. führt zu den Lautvarianten curiös, curieus (17./18. Jh.); erst im 20. Jh. wird die seit Ende des 18. Jhs. gelegentlich auftretende Schreibung kurios geläufig. Kuriosität f. ‘sonderbarer und deshalb Beachtung verdiendender Gegenstand, seltsame, wunderliche Sache’ (vorwiegend im Plur.), Entlehnung (1. Hälfte 17. Jh.) aus mfrz. frz. curiosité, das seit dem 15. Jh. in diesem Sinne bezeugt ist (doch schon spätlat. cūriōsitās ‘was Wißbegierde, Interesse erregt’); daneben (nur im Sing.) ‘Seltsamkeit, Ungewöhnlichkeit’, wohl durch Wechsel der Auffassung hervorgehend aus Fügungen wie der Kuriosität halber (zuvor Curiosität halben, 17. Jh.), aus Kuriosität (18. Jh.), eigentlich ‘um die Wißbegierde zu befriedigen, aus Gründen der Neugier’ (vgl. spätlat. cūriōsitātis causā), also auf der älteren Verwendung ‘Wißbegierde, Neugier’ (Ende 16. bis 19. Jh.) des Substantivs beruhend, die ebenfalls dem Frz. oder direkt dem Lat. folgt (vgl. mfrz. frz. curiosité, afrz. curioseté ‘Wißbegierde, Neugier, Sorge, wählerisches Wesen’, lat. cūriōsitās ‘Wißbegierde, Neugier’). Kuriosum n. ‘sonderbare, seltsame Sache, ungewöhnlicher Sachverhalt’ (1. Hälfte 18. Jh., anfangs vor allem im Plur. Curiosa für ‘seltene, merkwürdige Gegenstände’), bildungssprachliche Substantivierung des Neutrums von lat. cūriōsus (s. oben).

Thesaurus

Synonymgruppe
Besonderheit · Kuriosum · ↗Rarität · ↗Seltenheit · ↗Singularität  ●  (ein) weißer Rabe  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anekdote Kitsch Kunstwerk Rand Rechtsgeschichte Sammler Sammlung absolut abtun architektonisch belächeln besichtigen besonder betrachten bloß darstellen echt eigentlich einmalig empfinden ergeben erwähnen ethnologisch geographisch historisch liebenswert literarisch medizinisch vermerken völkerrechtlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Kuriosum‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Im Abstand kann man durchaus von einem historischen Kuriosum sprechen.
Der Tagesspiegel, 01.10.2000
Vorerst ist dies nur ein Kuriosum, und es klappt auch nicht immer.
Die Zeit, 20.02.1984, Nr. 08
Eines Tages weigerte er sich, weiter als Kuriosum der Öffentlichkeit präsentiert zu werden.
Rathenow, Lutz: Böse Geschichte mit gutem Ende. In: ders., Die lautere Bosheit, Remchingen: Maulwurf 1992 [1978], S. 109
Auch Kuriosa fehlten nicht, so eine vertrocknete Semmel aus großer Zeit.
Loest, Erich: Völkerschlachtdenkmal, München: Dt. Taschenbuch-Verl. 1987 [1984], S. 30
Gelegentlich, etwa auf einer Plattenterrasse, findet sich auch für dieses Kuriosum Verwendung.
Schacht, Wilhelm: Der Steingarten und seine Welt, Ludwigsburg: Ulmer 1953, S. 176
Zitationshilfe
„Kuriosum“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kuriosum>, abgerufen am 26.03.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Kuriositätenkabinett
Kuriositätenhändler
Kuriosität
kurioserweise
kurios
Kurkapelle
Kurkarte
Kurklinik
Kurkonzert
Kurkosten