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Lückenbüßer, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Lückenbüßers · Nominativ Plural: Lückenbüßer
Aussprache  [ˈlʏkn̩ˌbyːsɐ]
Worttrennung Lü-cken-bü-ßer
Wortzerlegung Lücke Büßer
Wortbildung  mit ›Lückenbüßer‹ als Erstglied: Lückenbüßerin
Wahrig und DWDS

Bedeutungen

1.
gelegentlich abwertend jmd., der (vorübergehend) als Ersatz oder Behelf für jmd. anderen (der ursprünglich für etw. vorgesehen war oder geeigneter erschien) dient
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: billige Lückenbüßer
als Akkusativobjekt: [nicht] den Lückenbüßer spielen
als Prädikativ: als Lückenbüßer herhalten, dienen, einspringen
Beispiele:
»Lückenfüller«, aber bestimmt nicht Lückenbüßer waren einheimische Kräfte, die [bei dem Konzert] einsprangen[…]. [Rhein-Zeitung, 17.08.2000]
Lückenbüßern haftet immer etwas von ungeliebt und unerwünscht sein oder zweiter Wahl an. In der Theater‑ oder Opernwelt sind sie die Zweitbesetzung, die dann einspringt, wenn die Stars Halsschmerzen, Migräne oder einfach keine Lust haben. [Schweriner Volkszeitung, 15.08.2015]
Unter bestimmten Bedingungen sei vorstellbar, dass Menschen, die bisher nicht als Erzieher tätig waren, sich für diesen Beruf qualifizierten[…]. Entscheidend sei die berufliche Weiterbildung, es gehe nicht darum, »dass man arbeitslose Menschen als billige Lückenbüßer einsetzt«. [Sozialverbände schließen Hartz-IV-Bezieher als Erzieher nicht aus, 06.06.2012, aufgerufen am 28.06.2021]
Er wolle nicht die ihm zugedachte Rolle als »Lückenbüßer« übernehmen, sondern sich lieber anderen Aufgaben in der Medienszene zuwenden[…]. [Der Spiegel, 24.01.2005 (online)]
In solchen Situationen [wenn ein Gast bei einer Tischgesellschaft kurzfristig absagt] sucht man eifrig nach einem Lückenbüßer, also nach einem Gutmütigen im Bekanntenkreis, der es nicht übelnimmt, im letzten Augenblick eingeladen zu werden. [Chamrath, Gustav: Lexikon des guten Tons. Wien: Ullstein 1954 [1953], S. 134]
2.
übertragen, gelegentlich abwertend etw., das (vorübergehend) als Ersatz oder Behelf, dem Füllen einer Lücke oder der zeitlichen Überbrückung von etw. dient
Beispiele:
Ehrenamt darf nicht zum Lückenbüßer werden, darf nicht der Inhalt sein, mit dem finanzielle und personelle Lücken im Land gestopft werden. [Schweriner Volkszeitung, 27.11.2018]
Für mich war mein Aufenthalt beim Amt für Denkmalpflege vor allem ein Lückenbüßer nach der Uni. [Süddeutsche Zeitung, 26.05.2018]
Der Strafvollzug dürfe nicht der »Lückenbüßer der fehlenden Integrationspolitik« werden[…]. [Der Standard, 18.03.2016]
Sie [die Bundeswehr] ist es auch leid, ständig als Lückenbüßer für einen in seinen hoheitlichen Aufgaben versagenden Staat einspringen zu müssen. [Die Welt, 27.01.2016]
Aus alten Stichen und Fotos rekonstruierte Schlüsselbauten wie das Schloss oder das Alte Rathaus stehen in einer disparaten Stadtlandschaft mit zahllosen Brachen, Lückenbüßern, Plattenbauten und zerfaserten Hochstraßen. [Süddeutsche Zeitung, 05.11.2014]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Buße · büßen · Lückenbüßer
Buße f. ‘Sühne, reuevolle Umkehr zu Gott, Geldstrafe, Wiedergutmachung’. Ahd. buoz(a) f. (9. Jh.), mhd. buoz m., buoze f., asächs. afries. bōta, mnd. bōte, mnl. nl. boete, aengl. anord. bōt, engl. boot, schwed. bot, got. bōta bezeugen ein gemeingerm. *bōtō, das mit den unter baß und besser (s. d.) behandelten Formen auf germ. *bat-, *bōt- ‘gut’ zurückgeht. Die Bedeutung ‘Gutes, Nutzen’ zeigt sich vor allem im Got., während in den übrigen germ. Sprachen vornehmlich ‘Besserung, Ausbesserung, Wiederherstellung, Wiedergutmachung’ gilt, besonders in der Sprache des Handwerks und der Wissenschaft, der magischen Beschwörung, des Rechts und der Kirche; vgl. Weisweiler Buße (1930). Die Bedeutung ‘Nutzen, Vorteil, Gewinn’ wird außerhalb des Got. auch von nominalen Bildungen der Ablautstufe *bat- übernommen wie mhd. baʒʒe f., anord. bati m. – büßen Vb. ‘sühnen, Buße leisten, Strafe erleiden’. Das gemeingerm. Verb ahd. buozen (9. Jh.), mhd. büezen, asächs. bōtian, aengl. bētan, afries. bēta, anord. bœta, got. bōtjan (germ. *bōtjan) weist in den einzelnen germ. Sprachen im wesentlichen die gleichen Bedeutungen auf, wie sie für das Substantiv gelten; es scheint daher vom Substantiv abgeleitet zu sein. Doch gibt es Gründe für die Annahme, daß sich eine Reihe der für das Substantiv außerhalb des Got. angegebenen Bedeutungen zunächst beim Verbum entwickelt und dann auf das Substantiv zurückgewirkt hat. Das Verbum wäre danach als unmittelbare Bildung zur germ. Wurzel *bat-, *bōt- bzw. zur komparativischen Adjektivform (nhd. besser, s. d.) anzusehen mit den Ausgangsbedeutungen ‘gut, von Nutzen sein’, aber auch ‘gutmachen, bessern’; vgl. Wissmann Älteste Postverbalia (1938) 14 ff. Im heutigen Dt. ist die Vielfalt der Bedeutungen beim Verb wie beim Substantiv stark reduziert. Die alte Bedeutung ‘bessern’ ist noch in Lückenbüßer m. ‘wer eine Lücke ausfüllt’ (16. Jh.) enthalten.

Thesaurus

Synonymgruppe
Lückenbüßer  fig. · Lückenfüller  fig. · Notnagel  fig. · Notstopfen  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Lückenbüßer‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Lückenbüßer‹.

Zitationshilfe
„Lückenbüßer“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/L%C3%BCckenb%C3%BC%C3%9Fer>.

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